Springe zum Inhalt

Wechselstimmung?

1000 Bürger und 3 Mann: Bürgermeisterkandidaten in Spaichingen

Unfair: Kopf über Kopf.

(tutut) - Markus Hugger thront als Herausforder obenauf. Das ist kein guter Stil wie oft in Spaichingen zu sehen, sein Plakat über dem des Amtsinhabers aufzuhängen. Was die reine Optik betrifft, hat Hugger allerdings die Nase vorn, kurz, prägnant, ein Kringel zuviel, aber die Botschaft mit dem Porträt vor dem Berg ist seine Botschaft klar: Er will Bürgermeister werden. Das will der Amtsinhaber Hans Georg Schumacher bleiben, aber sein Plakat gibt eher Rätsel auf, überfrachtet und zum Teil unleserlich.

Was die Akustik der rund 1000 Bsucher am Donnerstagabend in der Stadthalle anbelangt bei der Präsentation der drei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 15. März, schenkte das Publikum Hugger lauteres und längeres Klatschen. Eine eherne Grundregel jedes Redners -missachteten beide - trink den Leuten kein Glas Wasser vor! - auf freie Rede verzichteten sie auch, wobei der Herausforderer eher den Kontakt zu den Bürgern suchte als der technokratisch wirkende Amtsinhaber, der zu schnell und monoton vorlas und erst bei den fünf  Zugabe-Minuten lockerer wirkte, als es da speziell um die Stimmenwerbung ging.

Von Wechselstimmung kann bei näherem Hinhören trotzdem keine Rede sein, zu unterschiedlich ist die Ausgangslage beider Kontrahenten. Hugger kommt aus dem Dorf Immendingen, welches durch Eingemeindungen im Zuge der Verwaltugsreform aufgeblasen wurde. Dieses Glück hatte Spaichingen als kompakte Stadt nicht, weshalb Hugger Äpfel mit Birnen vergleicht, wenn er offensichtlich die Verwaltungsgemeinschaft Spaichingen mit acht zusätzlichen Dörfern mit den Möglichkeiten in seinem zusammengewürfelten Flächendorf vergleicht.

In der VG Spachingen übernimmt die Stadt Verwaltung, aber keine politische Führung. Das musste schon Albert Teufel einsehen bei der Planung der Umgehung und bei erstrebenswerten gemeinsamen Gewerbegebieten. Der Herausforderer bemüht eher die Wahrheiten der Binse, was sein gutes Recht ist, bleibt im Ungefähren und vermeidet eindeutig Farbe zu bekennen bei der Umgehungsstraße, wo er seinen Unterstützern von den Grünen zuliebe wohl eine Umgehug favorisieren würde, die in den Wolken verläuft.

Er übersieht, dass Spaichingen schon über 50 Jahre an diesem Projekt dran ist. Einen Zahn legte er zu bei senem Pro-Umwelt-Plädoyer, den zog ihm aber der dritte völlig aussichtslose Kandidat, der Gärtner  Torsten Kelpin,  welcher grüne Fundamentalisten anziehen könnte, als er auf riesigen Flächenverbrauch Immendingens duch das Daimer-Prüfzentrum hinwies: 520 Hektar für  gerade mal rund 300 Arbeitsplätze.

Zum Aus des Spaichinger Krankenhauses strickt Hugger an einer Legende von  bereits vorher gestellten Weichen. Als CDU-Fraktionsvorsitzender war er im Oktober im Kreistag dabei, als ein Beschluss gefasst wurde, welchen nun das Prognos-Gutachten als politischen Fehler entlarvt mit dem Gau der Gesundheitsversorgung im Kreis Tuttlingen. Es fehlen Ärzte, es fehlen Krankenhausbetten, und der Kreistag schließt eins von zwei Krankenhäusern!

Was seine CDU-Mitgliedschaft eigentlich bedeutet, erklärt Hugger nicht, es fragt auch niemand. Sein Glück. Sonst hätte er sagen müssen, wieso die rechtskonservative CDU jetzt ein linksgrüner Verein ist, der einen abgewählten SED-Ministerpräsidenten in Thüringen hofiert und sogar mit der Antifa gemeinsam demonstriert. Was Hugger zum Ausbau staatlicher Fürsorge von kleinen und großen Kindern sagte, ist nicht CDU, sondern Sozialismus.

Aus 16 Jahren Bürgermeistererfahrung in Spaichingen  sprach mehr Realismus in der Wiederbewerbung Hans Georg Schuhmachers, aber allzu trocken. Ein bisschen mehr süßen Brei hätte sich das Publikum wohl gewünscht. Nun steht es vor der Frage: Wen soll es wählen? Mit einer Mär muss in diesem Zusammenhang aufgeräumt werden: Selbst Bürgermeisterkandidaten vergessen oft wie Medien, welche Demokratie sie gerne durch Führerkult ersetzen und missachten, dass auch Kommunalpolitik das Bohren dicker Bretter bedeutet. Ohne Gemeinderat kann ein Bürgermeister gar nichts. Er ist das "Hauptorgan der Gemeinde", der Bürgermeister muss ausführen, was ihm aufgetragen wird.

Torsten Kelpin.

Natürlich kann er eigene Ideen haben und um Zustimmung des Gemeinderats werben. Was in Spaichingen bei sechs Fraktionen eine Herkulesaufgabe ist. Da in der Stadt kein Stillstand herrscht, gelingt dies anscheinend dem Bürgermeister. Wenn Lokalblatt und gewisse Fraktionen Katzenmusik erheben gegen den Bürgermeister, liegt es wie wochenlang zuletzt, nicht immer am Stadtoberhaupt, sondern an jenen, welche z.B. die Geschäftsordung des Gemeinderats nicht kennen und zum Verrecken auch nichts davon wissen wollen.

Volles Haus mit 1000 Besuchern in der Spaichinger Stadthalle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.