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Hass und Verachtung in Stadien

Eine Entschuldigung bei der ungarischen Mannschaft wäre angebracht!

Von Gastautor Ludwig Englmeier

Ich finde es OK, wenn die EU – Kommission gerichtlich prüfen lässt, ob das LGBT-Gesetz der Ungarn gegen EU Recht verstößt. Sie ist die Wächterin der Verträge und sie soll, ja sie muss das tun, wenn sie findet, dass dieses Gesetz mit EU-Recht nicht vereinbar ist. Ich finde es aber unverantwortlich, ein Fußballspiel politisch so aufzuladen, wie das beim Spiel gegen Ungarn geschehen ist – egal für oder gegen welche Agenda. Es gab Pfiffe gegen die ungarische Mannschaft. Es gab sogar Pfiffe während der Hymne. Das war richtig hässlich für einen Gastgeber.

Die linke Identitätspolitik versöhnt ihre Anhänger mit der eigenen Aggressivität und dem eigenen schlechten Benehmen. Und alle, die gepfiffen haben und sich damit wie Rotz am Ärmel aufgeführt haben, fühlen sich dabei auch noch wohl, denn es ist ja für “die gute Sache”. Das finde ich “nicht so toll”.

What’s next? Femen-Aktionen bei jedem Russland-Spiel? Protestierende Palästinenser, jedesmal wenn israelische Mannschaften in Deutschland spielen? Nur weiter so!

Man stelle sich vor, die UEFA oder FIFA hätten sich während des kalten Krieges auf eine Politisierung des Sports eingelassen und es toleriert, dass sich politisch verfeindete Länder bei Fussballspielen gegenseitig offen ihre Verachtung ausdrücken. Unsere Erinnerungen an die WMs und EMs der 70er und 80er Jahre wären ziemlich anders.

Und was soll die UEFA mit Mannschaften machen, die aus Diktaturen wie Belarus, aus von Islamisten regierten Ländern, wie der Türkei, oder aus Ländern mit Korruptionsproblemen, wie Bulgarien oder dem Kosovo, kommen? Vor jedem Spiel ein “Wertecheck” und dann Partei für die “Netteren” beziehen? Das ist ein “slippery slope” der ganz schnell ziemlich hässlich werden kann.

Insofern war die Regenbogenaktion nicht zu Ende gedacht und hat leider mit den Pfiffen ein sehr hässliches Ergebnis gebracht.

Was ich weniger verstehen kann, ist, dass sich keiner von denjenigen, die die Politisierung dieses Fußballspiels so forciert haben, darüber aufregt, dass Baku ein Austragungsort bei dieser EM ist. Dass Ilhan Alijev, den US-Diplomaten “Chef eines Mafiaclans” nennen, und der vor gerade einem halben Jahr einen Angriffs- und Eroberungskrieg gegen Armenier geführt hat, sich bei jedem Spiel in Baku auf großer Bühne selbstdarstellen darf. Übrigens ist Asserbaidschan von allen UEFA-Ländern in Sachen LGBT-Rechten auf dem allerletzten Platz.

Anstatt also Spieler und Mannschaften durch politisch aufgeladene Spiele zu bestrafen und Hass und Verachtung in Stadien zu erlauben, sollte die UEFA und auch die FIFA durch eine politisch sensible Vergabepraxis der Veranstaltungen den REGIERUNGEN von Problemländern zu verstehen geben, dass sie außerhalb eines gemeinsamen auf Toleranz und Fairness basierenden Wertesystems stehen. Eine WM in Katar dürfte dann nicht sein. Spiele der katarischen Mannschaft in friedlicher und respektvoller Atmosphäre durchaus.

Aber 11 Jungs, die für die Politik in ihrem Land nicht verantwortlich sind, in einer hasserfüllten Atmosphäre unter Pfiffen spielen zu lassen, ist unehrenhaft und falsch – ganz besonders, wenn man wie wir bei diesem Spiel Gastgeber ist.
(vera-lengsfeld.de)

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