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Weltbank-Enthüllung wider Willen?

Von Volker Seitz

Gelder für Entwicklungshilfe landen auf Privatkonten. Sicher, man weiß das schon lange und ich habe darüber in meinem Buch geschrieben, aber die empirischen Beweise waren bisher spärlich. Ich hatte auf meinen Posten Zugang zu verschiedenen Versionen von Berichten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW). Sie wurden systematisch entschärft.

Im neuesten Fall hat der dänische Co-Autor den Text einer entsprechenden Studie für die Weltbank einfach frühzeitig auf seiner Homepage selbst veröffentlicht. Ob er jemals wieder für die WB tätig sein wird? Das Thema ist ja schon seit vielen Jahren Gesprächsstoff in Entwicklungshilfekreisen. Die Weltbank und der International Monetary Fund (IMF) haben schon zu meiner Zeit in Kamerun das Thema Korruption in ihren Gesprächen mit der Regierung nicht aufgreifen wollen.

Laut einer wissenschaftlichen Analyse der Weltbank (WB) mit dem Titel „Elite Capture of Foreign Aid: Evidence from Offshore Bank Accounts“ der drei Ökonomen Jorgen Juel Andersen (Norwegen), Niels Johannesen (Dänemark) und Bob Rijkers vom 18. Februar 2020 versickert ein großer Anteil der Überweisungen von Entwicklungshilfe in Steueroasen, genannt sind vor allem die Schweiz und Luxemburg.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Guthaben von Kreditinstituten in Regionen, die für Steuerflucht bekannt sind, steigt, sobald Tranchen der Entwicklungshilfe überwiesen werden. Die Eliten der Empfängerländer sollen das Geld abfließen lassen. Die Forscher haben die Quartalszahlungen an 22 Entwicklungsländer (darunter 18 afrikanische Staaten) untersucht und mit den Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich verglichen.

Versuche, die Ergebnisse abzumildern
In der Weltbank habe der Bericht ein Beben losgelöst: Der „Economist“ berichtete von Versuchen, die Ergebnisse abzumildern und sogar die geplante Publikation zu verhindern. Es soll Hinweise geben, die den vorzeitigen Rücktritt der Weltbank-Chefökonomin Pinelopi Goldberg in Verbindung mit der Analyse bringen sollen. Sie soll versucht haben, die Forschungsergebnisse zu verdecken. Mich wundert nicht, dass die Weltbank die Veröffentlichung blockieren wollte. Es könnte das Kerngeschäft infrage stellen. Nach dem kritischen Bericht des „Economist“ hat die Weltbank die Ergebnisse inzwischen veröffentlicht.

Die politischen Systeme in vielen afrikanischen Staaten sind angeschlagen, sie stehen wegen Vetternwirtschaft und Korruption am Abgrund. Es gibt zwar überall Parlamente, aber sie tun, was das Machtzentrum, sprich der Präsident, verlangt.

Wenn der Chef schweigt, schweigen alle. Deshalb gibt es in Afrika ein Chefproblem. Nur ein Staatschef kann in Afrika Themen aufbringen. Minister erfahren aus dem Radio, ob sie ernannt oder abgesetzt wurden. Sie hüten sich, den Chef zu korrigieren. Die ausgeprägte Unlust, Dinge anzupacken oder anders zu machen und etwas Neues auszuprobieren, hat dazu geführt, dass die meisten Staaten Afrikas schon lange schlecht verwaltet werden. Der Kontrast zur pompösen Rhetorik und den aktuellen Realitäten ist enorm.

Es gibt in den etwa 20 reichen Ländern zwar Wachstumsraten, aber es wird fast nicht im Lande produziert und damit keine Arbeitsplätze geschaffen. Das Wirtschaftswachstum beruht nicht auf rechtmäßiger und gerecht verteilter Arbeit. Die Regierung von Kamerun zum Beispiel – ein Symbol der Misswirtschaft und bekannt für den teuren Lebensstil seiner führenden Politiker – müsste vom bloßen Export von Rohstoffen abrücken, die Industrialisierung fördern und den Dienstleistungssektor stärken. Zugleich müsste das Bildungswesen erheblich verbessert werden, um die eigene Wirtschaft mit besser ausgebildeten Fachkräften konkurrenzfähiger zu machen. Die kamerunische Regierung hat sich mit den Gebern gut arrangiert. Sie kennt die Spielregeln der Entwicklungshilfeindustrie. Konkrete Wirkungen unseres Engagements gibt es auch nach über 60 Jahren kaum. Wir haben aber mit unserer Entwicklungshilfe einen Beitrag zur Stabilisierung des Staatspräsidenten Paul Biya geleistet.

Ob der Bericht wohl aufrüttelt?
Die größten Probleme in Kamerun, Korruption und Arbeitslosigkeit, hat Biya nie gelöst, weil er Teil des Problems ist. Ein Viertel der etwa 23 Millionen Kameruner haben als Tagelöhner ein Einkommen von etwa 2 US Dollar. Wer von den jungen Arbeitslosen (oft Hochschulabgänger) Glück hat, fährt Mopedtaxi. Über 50.000 gibt es in dem Land. Eine gemeinsame Debatte über wichtige Fragen findet nicht einmal in der Regierung statt. Es gibt so gut wie keine Kabinettsitzungen mit dem Präsidenten. Minister und Präfekte erfahren ihre Ernennung oder Absetzung aus dem Radio, ohne den Präsidenten zu Gesicht zu bekommen. Sie werden auch nicht gefragt. Biya ist seit 38 Jahren an der Macht. Dennoch haben Deutschland und die EU – auch im Namen der „Entwicklungszusammenarbeit“ – die „freien und fairen“ Wahl-Ergebnisse immer wieder hingenommen – egal, wie sie zustande kamen. Sie reden höchstens von ein paar Unregelmäßigkeiten und sehen trotz der Unzufriedenheit in der Bevölkerung seine Amtsführung als „Stabilität“.

Afrikanische Politiker verkündigen immer wieder mit markigen Äußerungen einen kompromisslosen Kampf gegen Korruption. Aber wann werden aus Worten Taten? Wer packt an und will sein Land wirklich reformieren? Es ist grotesk, mit dem bisherigen Management noch an Absichtserklärungen zu glauben.

Warum versorgen Weltbank und Geberländer korrupte Regierungen wie in Kamerun weiter mit Geld? Ob der Bericht wohl aufrüttelt? Werden Weltbank und Deutschland handeln und ihren ständig wachsenden Finanzierungsbedarf überprüfen?

(Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe erschien im September 2018. Drei Nachauflagen folgten 2019 und 2020. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.)

Die Auseinandersetzung wurde bislang völlig falsch geführt. Der Vorwurf des Rechtspopulismus ist kein Argument. Man muss in der Sache argumentieren. Und die Wählerbeschimpfung halte ich für undemokratisch und gefährlich. Dass die AfD so stark werden konnte, liegt auch daran, dass die Entscheidung von 2015 kein einziges Mal im Bundestag diskutiert wurde. Die AfD ist jetzt da. Insofern ist sie auch ein Korrektiv.
(Prof. Dr. Rupert Scholz, CDU, Staatsrechtler, ehemaliger Verteidigungsminister)

NS-Vergleiche jetzt zum Schleuderpreis!

VON GASTAUTOR OLIVER ZIMSKI

„Je länger das Dritte Reich zurück liegt, desto stärker wird der Widerstand gegen Hitler“ lautet ein schon sprichwörtlich gewordenes Zitat des Journalisten Johannes Gross. Zu ergänzen wäre: „… und desto penetranter wird es für politische Interessen der Gegenwart instrumentalisiert“. Gerade in den vergangenen Tagen und Wochen kulminierten NS-Vergleiche zwecks Diffamierung des politischen Gegners in einem vorher nie gekannten Maß. Dabei wurde das Gedenken an die Opfer und Täter von damals konsequent mit „Hass und Hetze“ von heute verknüpft, in eindeutiger Stoßrichtung gegen die AfD.

Simulierte Selbstreflexion
Den Anfang machte Bundespräsident Steinmeier in seiner Rede zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz in Yad Vashem: „Ich wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt. Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten. Das kann ich nicht sagen, wenn jüdische Kinder auf dem Schulweg bespuckt werden. […] Das kann ich nicht sagen, wenn nur eine schwere Holztür verhindert, dass ein Rechtsterrorist an Jom Kippur an einer Synagoge in Halle ein Blutbad anrichtet.“

Diese in den Medien hochgelobte Rede bot bei näherem Hinsehen vor allem die für Steinmeier charakteristische Simulation von Nachdenklichkeit und Selbstreflexion. Wer ist denn in hohem Maße dafür verantwortlich, dass Juden sich in Deutschland und anderen EU-Ländern nicht mehr mit Kippa auf die Straße trauen? Wer hat auf deutschen Schulhöfen maßgeblich „Du Jude!“ als Schimpfwort etabliert? Warum wird vom höchsten Vertreter eines multikulturellen Landes, das von vielfältigen Spaltungen und auseinanderstrebenden Parallelgesellschaften geprägt ist, die heutige Bedrohung für Juden regelmäßig nur auf der rechten Seite verortet, statt an allen drei unstrittig vorhandenen Gefahrenherden (Neonazis, Islamisten, linksextreme „Israelkritiker“)?

Ein ehrliches und selbstkritisches Statement hätte lauten müssen:
„Große Sorge bereitet uns, dass durch die seit 2015 andauernde Massenzuwanderung von Muslimen, von denen viele den Judenhass quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben, nun offenbar auch längst überwunden geglaubte antisemitische Ressentiments innerhalb der deutschen Gesellschaft wiederbelebt werden. Leider wird dieses Problem aus falsch verstandener Rücksichtnahme auf die konservativen Islamverbände bisher tabuisiert.“

Oder: „Ich bedauere zutiefst, dass hochrangige Repräsentanten unseres Staates, wie etwa der Außenminister Maas sowie meine eigene Person, in der Vergangenheit zwar Lippenbekenntnisse gegen Antisemitismus oder für die Unterstützung Israels abgegeben, dies jedoch durch unser konkretes Handeln in höchst irritierender Weise konterkariert haben.“

Stattdessen gab es die gewohnten präsidialen Phrasen, diese aber ausdrücklich auf Englisch, um den überlebenden Opfern des Holocaust nicht die „Sprache der Täter“ zuzumuten – auch das eine opportunistische Pose, die hinter das von Steinmeiers Vorgängern Erreichte zurückfällt. So erklärte 2005 der damalige Bundespräsident Köhler bei seinem Besuch im israelischen Parlament die Verantwortung für die Shoah zu einem Bestandteil der deutschen Identität, machte dabei „klare und einfache Sätze, die aus dem Herzen gesprochen klangen. Deshalb berührten sie auch die anwesenden Gäste. Unter ihnen viele ehemalige Deutsche, die genau dem Klang seiner Worte lauschten.“ Damals kommentierte der einzige Holocaust-Überlebende im Parlament, Oppositionsführer Josef Lapid: „Deutsch ist die Sprache von Hitler, Goebbels und Eichmann, es ist aber auch die Sprache von Goethe, Schiller und Heine…“

Kopf in den Sand
Über Judenhass unter Muslimen in Deutschland gibt es meist nur dürre Meldungen, aber keine detaillierten Studien der unzähligen Institute und Initiativen, die sich ausschließlich mit antisemitischen und rechtsextremen Einstellungen in der „biodeutschen“ Bevölkerungsmehrheit beschäftigen. Dafür winken eben keine Fördergelder, außerdem drohen Ausgrenzung und Rassismusvorwürfe durch die „Schreib-positiv-über-den-Islam!“-Lobby.

Die seltenen Einblicke lassen jedoch darauf schließen, dass innerhalb des stetig wachsenden muslimischen Bevölkerungsanteils in Deutschland antisemitische Vorurteile, Ressentiments gegen Andersgläubige und Hass auf Andersdenkende weit verbreitet sind und in vielen Moscheen noch geschürt werden. Angesichts dessen haben die publizistischen Vertreter der selbsternannten „Neuen Deutschen“ zwei Möglichkeiten: entweder legen sie den Finger in die Wunden (womit sie riskieren, sich sowohl in ihrer eigenen Community als auch in der harmoniesüchtigen deutschen Öffentlichkeit zu isolieren) oder sie stecken, dem Beispiel des Bundespräsidenten folgend, den Kopf in den Sand und reihen sich ein in den ebenso bequemen wie gesellschaftlich hoch anerkannten „Kampf gegen alles Rechte, sofern es nur biodeutsch ist“. Den letzteren Weg hat auch die Tagesspiegel-Kolumnistin Hatice Akyün eingeschlagen. In ihrer Kolumne vom 25.1.2020 behauptet sie, als Türkischstämmige habe sie zwar keine Tätervorfahren, übernähme aber trotzdem Verantwortung für die deutsche NS-Vergangenheit, indem sie mit ihrer Tochter regelmäßig das Holocaust-Denkmal besuche und Stolpersteine putze. Verzweifelt sei sie über die „Tausende, die zur Wahrung des Abendlandes auf die Straße gehen, […] diese Mischung aus besorgten Bürgern und rechtsradikalem Gedankengut“.

Ein cleveres Manöver: einerseits mehrere Identitäten und „Heimaten“ gleichzeitig beanspruchen („Türkin, Deutsche und Muslima“), sobald es aber um die Aufarbeitung der Vergangenheit und um aktuelle politische Bedrohungen geht, sich allein auf die NS-Zeit bzw. die Gefahr von rechts beschränken. Als Türkischstämmige keine Tätervorfahren – auch nicht im Zusammenhang mit dem nach über 100 Jahren immer noch unaufgearbeiteten Genozid an den Armeniern? In ihren Kolumnen verliert die privilegierte Intellektuelle Akyün kein kritisches Wort zu den sich rasant ausbreitenden islamischen Parallelgesellschaften in Deutschland, der dort grassierenden Verachtung und Abschottung gegenüber den deutschen „Kartoffeln“, dem zunehmenden Druck auf muslimische Frauen, sich patriarchalischen Strukturen unterzuordnen. Auch nicht zu dem erschreckenden Befund, dass rund 60% aller Türkischstämmigen in Deutschland den selbsternannten Sultan Erdogan verehren, der in Syrien gerade einen heißen Krieg gegen die Kurden führt. Nein, diese angebliche „Übernahme von Verantwortung“ dient einzig und allein dazu, sich der ureigenen Verantwortung zu entziehen, nämlich die eklatanten Missstände und blinden Flecken innerhalb der eigenen Herkunfts-Community zu thematisieren.

Endstation Buchenwald
Dann begannen am 5. Februar die Thüringer Chaostage. Und wenn es noch weiterer Beweise für die Gedanken- und Schamlosigkeit bedurft hätte, mit der heute NS-Vergleiche gezogen werden, wurden diese gleich dutzendweise erbracht. Am Abend des Tages, an dem der FDP-Politiker Kemmerich überraschend mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD zum Ein-Tages-Ministerpräsidenten gewählt wurde, kommentierte ZDF-Chefredakteur Peter Frey im „heute-journal“: „Ein Tabubruch, geschichtsvergessen. Denn es war in Thüringen, im Jahr 1924, als erstmals völkische Abgeordnete einer Regierung zur Mehrheit verhalfen. Die vertrieb zuerst das progressive Bauhaus aus Weimar und bereitete dann den Weg für die Machtübernahme der NSDAP. Endstation: Buchenwald.“ Und der scheidende thüringische Staatskanzleichef Benjamin Immanuel Hoff (Linke) gab Kemmerich einen geradezu unglaublichen Satz mit auf den Weg: „Sie müssen damit leben, ein Ministerpräsident von Gnaden derjenigen zu sein, die Liberale, Bürgerliche, Linke und Millionen weitere in Buchenwald und anderswo ermordet haben. Ich gehe guten Gewissens.“

Im KZ Buchenwald starb ein Fünftel der insgesamt über eine Viertelmillion Häftlinge an Folter, medizinischen Versuchen der SS, Typhus, Hunger oder den Strapazen der Zwangsarbeit. Die dort vor 1945 begangenen monströsen Verbrechen ernsthaft mit einer zwar populistischen, aber doch legalen und legitimen Partei zu verbinden, als deren Geburtshelferin die Kanzlerin mit der von ihr behaupteten „Alternativlosigkeit“ ihrer Politik verantwortlich zeichnet, ist „Hass und Hetze“ in Reinkultur, zudem respektlos gegenüber den damaligen Opfern und eine ungeheuerliche Verharmlosung der damaligen Täter. Wie wären eigentlich die Kommentare ausgefallen, wenn statt des biederen FDP-Mannes Kemmerich der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke zum Ministerpräsidenten gewählt worden wäre? Alle „Superlative“ sind doch längst ausgeschöpft.

Dass Kommunismusgläubige wie Hoff, der 1990 aus der FDJ nahtlos in den Unabhängigen Sozialistischen Jugendverband „Rosa Luxemburg“ überwechselte, und machtaffine Medienfunktionäre wie Frey zum Verwechseln ähnliche Kommentare abgeben, belegt eindrucksvoll, dass der verlogene DDR-„Antifaschismus“ wieder hoffähig geworden ist, der nach der Wende von 1989 restlos diskreditiert schien, mitsamt seinen Propagandabegriffen aus der SED-Mottenkiste, mit denen Andersdenkende nach Belieben als „Faschisten“, „Hetzer“ oder „Provokateure“ diffamiert werden.

Das nationalsozialistische KZ Buchenwald bildete übrigens nicht die „Endstation“ der Geschichte dieses Lagers. Teile davon wurden 1945-1950 als sowjetisches „Speziallager Nr. 2“ weitergenutzt, erst für vermeintliche oder tatsächliche Nazis, dann auch immer mehr für vermeintliche oder tatsächliche Gegner des Regimes der SED, der Partei, der Benjamin Immanuel Hoff (in unbenannter Form) heute angehört. Zu den Letzteren gehörten genau jene Gruppen, die Hoff in seiner Botschaft an Kemmerich aufzählt: „Bürgerliche, Liberale, Linke“, darunter etliche SPD-Mitglieder, ja sogar ehemalige KZ-Insassen. Von 28000 dort Inhaftierten kamen 7000 durch Folter, Hunger und Krankheiten ums Leben. Freys Vorwurf der „Geschichtsvergessenheit“ fällt daher auf ihn selbst zurück. Und das „gute Gewissen“ des thüringischen Staatskanzleichefs ist das eines mit Scheuklappen behafteten Ideologen.

Schlimmes gemacht oder Schlimmes erlebt?
In der ZDF-Talkshow von Markus Lanz am 6. Februar entschuldigte sich der TV-Comedian Atze Schröder bei der Holocaust-Überlebenden Eva Szepesi „für die Nazi-Verbrechen seines Vaters“, wie die „Süddeutsche“ am nächsten Tag titelte. Tatsächlich hatte Schröder am Ende der Sendung stockend und unter Tränen berichtet, sein Vater habe im Krieg „die schlimmsten Sachen gemacht“. Danach war er aufgestanden und hatte Frau Szepesi mit den Worten „Es tut mir leid!“ die Hand gedrückt. Nähere Details über die von seinem Vater begangenen Verbrechen teilte er nicht mit, nur dass dieser mit „17 in den Krieg gegangen und mit 30 zurückgekehrt“ sei, als Spätheimkehrer aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Wie sehr Atze Schröder durch die Begegnung mit der Holocaust-Überlebenden berührt war, ist nicht zu verkennen. Ob es dabei aber wirklich um eine Art stellvertretender Reue ging, darf zumindest hinterfragt werden. In einem Zeitungsinterview antwortete der Comedian 2017 auf die Frage nach seinem Vater: „Mein Vater hat im Zweiten Weltkrieg schlimme Sachen erlebt und kam erst zehn Jahre später aus russischer Gefangenschaft zurück. Trotzdem schaffte er es, für den Rest seines Lebens noch ein ganz fröhlicher Mensch zu sein und seinen Kindern viel Liebe mitzugeben. Eine starke Lebensleistung.“

War Atze Schröders Vater also eher Täter oder eher Opfer? Oder gar beides? Möglicherweise wurden die Zuschauer bei „Lanz“ Zeugen des missglückten Versuches eines Nachgeborenen, einem schier unauflöslichen Gefühlsknäuel Ausdruck zu verleihen, jener typisch deutschen Mischung aus Scham über die im Namen des eigenen Volkes begangenen Verbrechen und der Trauer über das Leid, das der eigenen Familie im Krieg widerfahren ist. Dieses Knäuel wirkt auch deshalb so verworren, weil man über seinen zweiten Bestandteil – das Leid, das den eigenen Eltern/Großeltern widerfahren ist und von diesen nicht selten unausgesprochen und unbewältigt an Kinder und Enkel „weitervererbt“ wurde – nicht öffentlich reden kann, ohne dafür sofort von zwei Seiten unter Beschuss genommen zu werden.

Die eine Seite wittert darin eine Relativierung der NS-Verbrechen, die andere Seite würde diese gern durch Kriegsverbrechen der Alliierten übertrumpfen. Wer am Jahrestag der Bombardierung Dresdens Trauernde mit „Bomber Harris, do it again!“-Plakaten verhöhnt, ist nicht besser als die Rechtsextremisten mit ihrem „Bombenholocaust“. Im Übrigen verbrannten im Feuersturm von Dresden nicht nur „Nazis“ (zu denen für die linken Demonstranten vermutlich alle damals lebenden Einwohner der Stadt zählen, vom Säugling bis zum Greis), sondern auch Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Tausende namenloser schlesischer Flüchtlinge (man werfe dazu einen Blick in die Tagebücher von Viktor Klemperer!). Wer – wie 2018 der damalige AfD-Vorsitzende Alexander Gauland – die NS-Zeit als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichnet, weckt berechtigte Sorge, die Naziverbrechen kleinreden zu wollen und trägt dazu bei, dass in einer sich immer stärker aufheizenden politischen Atmosphäre eher die gesamte deutsche Geschichte wie ein Vogelschiss gegenüber den zwölf Jahren Nazi-Herrschaft erscheint.

Deutschland hat mit Hitlers rassistisch grundiertem Vernichtungskrieg gegen Juden und Slawen eine Bestie aus Hass und Verrohung geweckt, die sich am Ende des Krieges gegen die Deutschen selbst gewendet hat. Eigene Schuld und eigenes Leid sind untrennbar miteinander verbunden. An beides muss erinnert werden. Denn „das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“, wie ein anderer Vorgänger des jetzigen Bundespräsidenten einmal richtigerweise bemerkte. Diese Erinnerung für politische Zwecke zu instrumentalisieren, wird in Israel übrigens strafrechtlich verfolgt. Bei uns in Deutschland sollte die Instrumentalisierung der NS-Zeit zumindest gesellschaftlich geächtet werden.
(vera-lengsfeld.de)

Linksgrün-ideologische Klimaschutzziele statt nachhaltiger Energieversorgung

Bekanntlich beschloss die CDU-geführte Bundesregierung im Jahre 2011 nach der Havarie eines veralteten Atomreaktors im japanischen Fukushima, Deutschlands hochmoderne Kernkraftwerke bis 2022 stufenweise abzuschalten. Hinter dieser Entscheidung standen vor allem machttaktische Erwägungen:

Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte den sich abzeichnenden Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg unter ihrem populären Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann in letzter Sekunde vereiteln, indem sie mit dem Atomausstieg eine Kernforderung der Öko-Partei sozusagen über Nacht abräumte.

Doch Merkels Ritt auf der populistischen Angstwelle wider die Kernkraft ist bekanntlich in die Hose gegangen – und die Bürger teuer zu stehen gekommen!

Und dabei wird es nicht bleiben:
Die Folgen dieses einmaligen Experiments werden alle Bürger früher oder später zu spüren bekommen.

Die Frage ist längst nicht mehr, ober er kommt, der Blackout, sondern wann!

Was ist ein Blackout?
Unter einem »Blackout« versteht man »den plötzlichen, überregionalen und länger andauernden Stromausfall großer Stromnetze«. Bezogen auf Europa, wo die Stromsysteme auch im Zuge der Energiewende und dem Bedeutungszugewinn wetterabhängiger Energieträger wie Sonne und Wind immer stärker vernetzt werden, würde sich ein Blackout binnen weniger Sekunden transnational über weite Teile Europas ausbreiten. Man spricht dann von einer »europäischen Großstörung«. Einen Stromausfall, der mehrere Länder über mehrere Stunden gleichzeitig betraf, gab es in Europa zuletzt im November 2006. Kritiker befürchten allerdings, dass die Gefahr eines Blackouts wegen der Energiewende und der Stilllegung konventioneller Kraftwerke künftig erheblich zunehmen wird. Sie glauben: Die Frage ist nicht, ob es zu einem Blackout kommt, sondern wann!

Woran erkennt man einen Blackout?
Fällt der Strom großflächig aus, sind die Betroffenen im Regelfall auch von der Informationsversorgung durch Rundfunk, Fernsehen und Internet abgeschnitten. In dieser Situation ist es wichtig zu erkennen, ob es sich um eine lokale und zeitlich begrenzte Unterbrechung der Energieversorgung oder einen echten Blackout handelt.

Letzteres ist dann anzunehmen, wenn folgende Indikatoren gleichzeitig auftreten:
• Kein Strom – alle strombetriebenen Geräte sowohl innerhalb wie außerhalb des Hauses sind ausgefallen.
• Kein Handynetz und Internetzugang.
• Kein Empfang privater Radiosender, weil die ihren Sendebetrieb ohne Strom im Regelfall nicht aufrechterhalten können – anders als die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die einen Versorgungsauftrag haben und deshalb ihr Programm auch bei einem Blackout noch für einige Tage ausstrahlen können.

Das gemeinsame Auftreten der genannten Ereignisse ist ein Alarmsignal, auf das Sie reagieren müssen, sofern Sie Vorbereitungen für diese Extremsituation getroffen haben.

Welche Folgen hat ein Blackout im Alltag?
Schon in den ersten Minuten nach einem großflächigen Stromausfall sind chaotische Zustände zu erwarten.

• Das elektrische Licht sowie alle Geräte und andere Annehmlichkeiten des täglichen Lebens, die Strom benötigen, funktionieren nicht mehr. Das gilt auch für Herd und Kaffeemaschine, weshalb keine warmen Getränke und Speisen mehr zubereitet werden können. Kühlschrank und Gefrierschrank fallen ebenfalls aus. Schon nach wenigen Stunden beginnen die dort aufbewahrten Lebensmittel zu verderben. Sofern das Wohnhaus über einen Fahrstuhl verfügt, ist auch der außer Betrieb.

• Im Winter fällt die Heizung, im Sommer Klimaanlage und Ventilatoren aus. Das ist bei Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes oder extremer Hitze nicht nur unangenehm, sondern kann gesundheitlich angeschlagenen Menschen erhebliche Problemen bereiten, die in Einzelfällen auch zum Tod führen.

• In den oberen Etagen von Mehrfamilienhäusern oder in höher gelegenen Gebäuden ist die Versorgung mit Frischwasser schon kurz nach dem Stromausfall eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich, weil die Pumpen nicht mehr funktionieren. Das betrifft auch die Toilettenspülung. Nach etwa einer Woche kommt überhaupt kein Wasser mehr aus den Leitungen. Die Menschen müssen sich dann über Notbrunnen versorgen, die in Deutschland für jeden Bürger in einer Entfernung von maximal zwei Kilometern erreichbar sind und die sich vor allem im Umfeld von Krankenhäusern und Altenheimen befinden.

• Dramatisch sind die Folgen für die Kommunikation: Computer lassen sich nicht einschalten, weshalb kein Zugriff auf das Internet mehr möglich ist. Auch Telefone, die heute zumeist Strom benötigen, sind außer Betrieb. Selbst Handys sind nur noch kurzzeitig nutzbar, weil Sender und Empfänger der Mobilfunknetze lediglich für 60 bis 120 Minuten mit Notstrom versorgt werden, bevor auch sie ausfallen. Bis dahin sind die Netze wegen der großen Zahl von Anrufen allerdings völlig überlastet. Gewünschte Gesprächspartner sind deshalb kaum erreichbar.
Auch nach dem Ende des Blackouts dauert es gerade in städtischen Ballungsräumen eine längere Zeit, bis die elektronische Kommunikation wieder störungsfrei funktioniert, weil das Wiederhochfahren der Systeme die Technik erheblich belastet.

• Einige Stunden nach dem Stromausfall ist auch der fernmündliche Austausch zwischen Behörden nicht mehr möglich. Das gilt etwa für Polizei und Feuerwehr. Die Einsatzkräfte werden nur noch auf persönlichen Zuruf über Notfälle informiert, was die Reaktionszeiten deutlich verlängert. Das verschlechtert die Sicherheitslage der Bevölkerung, die Kriminalität steigt. Im Extremfall kann es zumindest in einigen Stadtteilen und Regionen zu einem völligen Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung kommen.

• Auf den Straßen funktionieren weder Ampeln noch die Straßenbeleuchtung bei Nacht. Straßenbahnen bleiben stehen, Züge können nicht mehr weiterfahren. Die Folgen sind ein Verkehrschaos sowie ein deutlicher Anstieg der Unfallzahlen. Einsatzwagen von Polizei und Feuerwehr stehen ebenso im Stau wie Lieferfahrzeuge. Logistik und Warenverkehr brechen zusammen, und damit die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern des täglichen Bedarfs.

• In den Supermärkten findet – solange noch Waren vorhanden sind – ein improvisierter Verkauf mit Hilfe von Taschenlampen und Handkassen statt.

• Erst nach etwa acht Stunden hat der Katastrophenschutz auf allen Ebenen seine Arbeit aufgenommen, um der Bevölkerung zu helfen.

• Viele Menschen werden versuchen, sich mit offenem Feuerstellen wie etwa Campingkochern eine warme Mahlzeit zuzubereiten. Dadurch steigt die Gefahr von Bränden, die außer Kontrolle geraten können. Weil die Feuerwehr wegen des Zusammenbruchs der Kommunikation und der chaotischen Verkehrssituation allenfalls verspätet an den Einsatzort gelangt, können sich solche Feuer zur Großbränden ausweiten.

• Ohne Strom können die Zapfsäulen der Tankstellen keinen Treibstoff mehr abgeben. Von den 14.000 Tankstellen, die es in Deutschland gegenwärtig gibt, sind nur 15 mit einem Notstromaggregat ausgestattet. Und die werden Benzin und Diesel – so weit noch vorrätig – in erster Linie an Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr abgegeben.

• In der Viehwirtschaft fällt die automatisierte Stalltechnik aus. Da eine manuelle Versorgung der Tiere mit Nahrung und Wasser in der Massentierhaltung kaum möglich ist, verenden Millionen von Kühen, Schweinen und Hühnern. Das kann vor allem in den Sommermonaten schnell zu Seuchen führen, weil es oftmals nicht möglich sein wird, die Tierkadaver rechtzeitig und ordnungsgemäß zu entsorgen. Milchkühe, die nicht mehr maschinell gemolken werden können, erleiden furchtbare Schmerzen und müssen nach spätestens zwei Tagen notgeschlachtet werden. Auch bei der Nahrungsmittelerzeugung in Treibhäusern, die nach einem Blackout nicht mehr mit Lüftung und Heizung versorgt werden können, ist mit erheblichen Ausfällen zu rechnen. Tritt eine längere Stromunterbrechung in der Erntezeit auf, sind die Landwirte mangels Treibstoff nicht mehr in der Lage, ihre Feldfrüchte einzubringen.
Auch Wochen und Monate nach einem Blackout ist deshalb mit Engpässen bei der Lebensmittelversorgung zu rechnen, was zu steigenden Preise führt. Körperlich geschwächte Menschen müssen zudem mit gesundheitlichen Problemen rechnen.

• Gegen Ende der ersten Woche nach einem großen Stromausfall werden lebenswichtige Güter wie Nahrungsmittel und Medikamente knapp. Bei vielen Menschen sinkt deshalb die Hemmschwelle zur Anwendung von Gewalt, es kommt zu Unruhen und Plünderungen. Werden im Zuge dieser Ausschreitungen Ladengeschäfte ganz oder teilweise zerstört, wird die Versorgungslage über das Ende der Krise hinaus verschärft, weil die beschädigte Infrastruktur zunächst instandgesetzt werden muss, bevor der Warenverkauf wieder aufgenommen werden kann.

Bei einer längeren, über viele Tage bzw. mehrere Wochen andauernden Unterbrechung der Energieversorgung drohen Chaos und Anarchie.

Übrigens: Einer Studie zufolge würde ein Blackout in Deutschland bereits in der ersten Stunde einen Schaden von 600 Millionen Euro verursachen. Dauert der Stromausfall länger, sind die Kosten nicht mehr zu beziffern!

Das Wiederhochfahren der komplexen Infrastruktur unserer modernen Gesellschaft und die vollständige Wiederherstellung der Versorgung der Bevölkerung nach einem Blackout dauern Wochen und zum Teil Monate. Die mittelbaren Folgen eines solchen Ereignisses können sogar noch Jahre später spürbar sein.

Unser Tipp: Bereiten Sie sich und ihre Familie rechtzeitig auf eine solche Katastrophe vor. Informieren Sie sich, was bei einem Blackout zu tun ist, um diesen GAU möglichst unbeschadet zu überstehen. Bedenken Sie, dass Ihr PC bei einem Stromausfall nicht funktioniert und Sie sich deshalb keinen Rat im Internet holen können.

Wir empfehlen deshalb: Legen Sie sich sachkundige Literatur für Ihren Bücherschrank zu, auf die Sie im Fall der Fälle jederzeit zurückgreifen können, auch ohne Strom. Wir empfehlen das Standardwerk Bedrohung Blackout von T. C. A. Greilich. Der Autor war viele Jahre in Krisen- und Katastrophengebieten sowie in Entwicklungs- und Schwellenländern tätig.

Er weiß deshalb aus eigener Erfahrung, was es heißt, wenn es ständig an Strom mangelt oder die Elektrizität ganz ausfällt – und gibt deshalb viele wertvolle Tipps für die Praxis.

Ein Sachbuch mit hohem Nutzwert für den Leser!
» E. & E. Hamer: Der große Crash-Ratgeber, 269 Seiten, 22,99 Euro
» Udo Ulfkotte: Was Oma und Opa noch wussten, 233 Seiten, 7,99 Euro
» T. C. A. Greilich: Bedrohung Blackout, 256 Seiten, 19,99 Euro
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(pi-news.net)