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Die Preise steigen

Die Propaganda tönt: „Inflation gesunken“

Von WOLFGANG HÜBNER

Ja, es gibt noch gute Nachrichten: Die Medien verkünden den Rückgang der Inflation von 10,4 auf „nur“ noch zehn Prozent. Zwar sind 0,4 Prozent eine lächerliche Verringerung jener Teuerung, die Millionen Deutsche schwer belastet und für noch viel mehr Menschen mit erheblichen Zukunftsängsten verbunden ist. Doch den Propagandaapparaten des Machtsystems kommt es darauf an, den Bürgern zu suggerieren, alles sei im Griff und werde bald schon wieder normal werden. Wahrscheinlich ist das auch ganz erfolgreich, nur ist es ganz und gar nicht die Wahrheit.

Doch die Wahrheit ist in der Realität leicht festzustellen, schon die täglich notwendigsten Einkäufe zeigen das: Überall sind die Preise stark angestiegen, in der Regel weit mehr als nur zehn Prozent. Und zwar nicht „gefühlt“, sondern faktisch. Nur belastet das die verschiedenen sozialen Schichten sehr unterschiedlich. Wobei die einkommensschwächeren Schichten wesentlich härter von der Teuerung betroffen sind als sozial stärkere und erst recht als die wohlhabenden Bevölkerungskreise.

Es sind allein letztere, die darüber die Entscheidungsmacht und auch die mannigfaltigen Verbreitungsmöglichkeiten haben, wie von Inflation und ihren Folgen öffentlich geredet wird. Kurzum: Die am meisten unter der Teuerung leiden, haben schlichtweg keine Stimme, zumindest keine unüberhörbare. Das wird sich in den nächsten Monaten wahrscheinlich erst dann ändern, wenn viele Konsumenten die noch vorhandenen Rücklagen, soweit überhaupt vorhanden, aufgebraucht haben werden.

Schon jetzt hat laut einer repräsentativen Umfrage der Finanzauskunftei Schufa die Hälfte der Befragten in den vergangenen sechs Monaten auf Ersparnisse zurückgegriffen. Und Millionen Deutsche haben ihr Kaufverhalten bereits mehr oder weniger einschneidend verändert, um dem inflationären Druck zu begegnen. Da unser Wirtschaftssystem auf Wachstum und Konsum unbedingt angewiesen ist, wird das nicht ohne negative ökonomische Konsequenzen bleiben.

Wie man auch zynisch mit dem Problem umgehen kann, hat vor einigen Tagen ein Artikel im Feuilleton der FAZ unter der Überschrift „Inflation und Freiheit“ dokumentiert. Ausgerechnet im Zentralorgan des deutschen Großkapitals schreibt der Verfasser: „Wer freiwillig verzichtet, emanzipiert sich von Materiellem. Der mögliche Verlust des Materiellen verliert dann an Bedeutung. Materieller Verzicht kann also ein Zuwachs an Autonomie bedeuten.“

Das ist grüne Ideologie pur. Also die Ideologie einer materiell gesättigten, in sicheren beruflichen Positionen, meist im öffentlichen Dienst und Beamtentum, lebenden Schicht. Diese schaut so arrogant wie ignorant hinab auf diejenigen, die von der Teuerung in echte Bedrängnis kommen, aber keine Stimme haben. Also auf diejenigen, für die angebliche 0,4 Prozent geringere Inflation nur ein Hohn sein können.
(pi-news. net)

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