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7-38-55

Eine Stimme genügt zum politischen oder gesellschafltichen Selbstmord

(gh). Da tritt einer auf wie Musterknabe vor dem Weihnachtsmann. Wenn er sein Gedichtchen aufgesagt hat, bekommt er eine Belohnung. Beifall vom Publikum, wie man es sich vom SWR4-Seniorennachmittag vorstellt. Ob so jemand das Zeug zum politischen Leader in Baden-Wrttemberg hat? Wohl kaum. Dazu genügen Stimme und Inhalt nicht.
Was mag eine Regierungspartei geritten haben, eine wie sie zur bildungspolitischen Sprecherin zu machen? Von Sprechen keine Spur. Eine stimmliche Zumutung, die nicht nur der Person, sondern auch ihrer Partei schadet.
Eine Stimme genügt tatsächlich, um gesellschaftlichen oder politischen Selbstmord zu begehen. Die Stimme war's in erster Linie, durch die ein Oettinger als MP nicht lange im Land gelitten war. Bei ihm ist sicher Hopfen und Malz verloren, aber wer das Problem erkannt hat, kann daran arbeiten. Durchaus mit Erfolg.Die Stimme hat einem Mappus zuletzt geschadet. Für seinen Sturz waren andere Gründe maßgeblich.
Es war der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian, auf den eine bedeutende Erkenntnis zur menschlichen Kommunikation zurückgeht, welche die Stimme betrifft. Seither sollten allen Menschen, für die öffentliche Wirkung wichtig ist, auf seine 7-38-55-Regel achten. Denn die bedeutet, dass es nur zu 7 Prozent auf den sprachlichen Inhalt ankommt, zu 38 Prozent aber auf den stimmlichen und zu 55 Prozent auf den mimischen Ausdruck.
Wenn Stimme und Mimik nicht zum Inhalt passen, dann geht dieser unter. Natürlich kann daraus keine allgemeingültige Regel abgeleitet werden. Noch genießt ja der neue Ministerpräsident zum Beispel besonderes Image, obwohl der Inhalt seiner Reden und die türenknarzige Stimme je länger je mehr negativ wirken. Noch scheint sein Pfund die Mimik eines Landesopas zu sein. Das kann sich aber schnell ändern. Je mehr die Regierung möglicherweise für politische Schlamassel stehen sollte, wird er nicht als jemand herauszuhalten sein, der mit dem Ganzen nichts zu tun habe.
Es kommt also nicht so sehr darauf an, was einer oder eine sagt, sondern wie sie es sagen. Da haben Frauen ein ganz besonderes Problem, welches aber auch mit Quoten nicht aus der Welt zu schaffen ist. Wer die Bedeutung der Stimme im Berufs- oder politischen Leben nicht ernst nimmt, muss sich nicht wundern, wenn er stets den Kürzeren zieht. An der Stimmwirkung kann gearbeitet werden. Die Bedeutung der Stimme sollte nicht unterschätzt werden.