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Abschussliste

Baedeker für Bomber Harris zur Vernichtung deutscher Städte

(tutut) - "Mit diesem Baedeker plante die RAF die Vernichtung deutscher Städte", schreibt Sven Felix Kellerhoff in der Welt. "Um die deutsche Rüstungsindustrie zu treffen und die Moral der Zivilbevölkerung zu erodieren, führten die Alliierten den Bombenkrieg. Vor allem kleinere Städte wurden fast vollständig zerstört".

Für ihren Bombenkrieg gegen das Deutsche Reich hat die Royal Air Force von Spezialisten eine detaillierte Zielliste zusammentragen. Dieser "Bomber’s Baedeker“ ist jetzt erstmals online zugänglich. Allein die Wahl des Namens sei als Provokation gedacht gewesen, weshalb die britischen Behörden nichts dagegen gehabt hätten, dass Kriegskorrespondenten in London ihre Leser in der mehr oder minder fernen Heimat darüber informierten. „Bomber’s Baedeker for Air Ministry – Facts about Enemy Towns“ überschrieb der Australier Godfrey Blunden Ende November 1943 seinen Bericht über die geplante Luftoffensive des Bomber Command der Royal Air Force (RAF) für die wichtigste australische Zeitung "The Argus" aus Melbourne. In der Fachliteratur zum Luftkrieg ist "Bomber’s Baedeker“ ein Begriff.

Nun ist dieser "Bomber's Baedeker digitalisiert vom Institut für Europäische Geschichte, Mainz, im Internet in zwei Bänden frei zugänglich. Wer will, kann sich nun ein Bild machen von seiner Stadt, wie die Briten sie sahen: Als Ziel auf einer Abschussliste. Soweit Terror gegen die Zivilbevölkerung mit den Bombenangriffen verbunden war, muss von Kriegsverbrechen gesprochen werden.

Hier die in "Bomber's Baedeker" eingetragenen Kriegsziele Tuttlingen, Rottweil, Oberndorf und Schramberg:

Wikipedia informiert: Sir Arthur Travers Harris, 1. Baronet GCB OBE AFC, genannt Bomber-Harris, (* 13. April 1892 in Cheltenham; † 5. April 1984 in Goring-on-Thames) war ein hochrangiger Offizier der Royal Air Force, zuletzt im Rang eines Marshal of the Royal Air Force. Während des Zweiten Weltkriegs war er ab Februar 1942 Oberbefehlshaber des RAF Bomber Command und gehört wegen der von ihm angeordneten Flächenbombardements deutscher Städte zu den umstrittensten Personen des Luftkriegs im Zweiten Weltkrieg.

Unter seiner Führung wurden von der RAF zahlreiche deutsche Städte schwer zerstört, so bei der Operation Gomorrha gegen Hamburg im Juli/August 1943, Kassel (22. Oktober 1943), Leipzig (4. Dezember 1943), Frankfurt am Main (22. März 1944), Darmstadt (11. September 1944), Braunschweig (15. Oktober 1944), Nürnberg (2. Januar 1945), Magdeburg (16. Januar 1945), Dresden am 13./14. Februar 1945 sowie Pforzheim (23. Februar 1945), Mainz (27. Februar 1945), Würzburg (16. März 1945), Hanau (19. März 1945) und Hildesheim (22. März 1945).

Bei den Flächenbombardements wurden – neben den im Stadtgebiet befindlichen Industrieanlagen – die Zivilbevölkerung und die Infrastruktur der Stadt primäres Ziel der Angriffe. Seiner Meinung nach sollten ganz bewusst zivile Ziele angegriffen werden, um die Moral und den Widerstandswillen der deutschen Bevölkerung zu brechen (sogenanntes Moral Bombing). Zu Beginn der Bombardierungen äußerte sich Harris zu seiner Motivation: „Die Nazis starteten (‚entered‘) den Krieg mit der ziemlich kindischen Vorstellung, dass sie jeden anderen nach Belieben bombardieren könnten und niemand würde zurückbomben. In Rotterdam, London, Warschau und an beinahe einem halben Hundert anderer Stätten führten sie ihre ziemlich naive Theorie aus. Sie säten Wind und jetzt ernten sie Sturm“. In seinen Memoiren schrieb er später: „Trotz all dem, was in Hamburg geschehen ist, bleibt das Bomben eine relativ humane Methode“.

Neben den Bombenangriffen auf Deutschland wurden insbesondere in Italien mehrere Großstädte bombardiert, was etwa in Mailand, Neapel und Palermo beträchtliche Schäden auch in Wohngebieten verursachte.

Nach dem Krieg
Denkmal für Arthur Harris in London

Am 15. September 1945 schied Harris im Streit mit dem neuen Premierminister Clement Attlee aus der Royal Air Force aus und zog sich verbittert nach Südafrika zurück. Seine Ehrungen durch die Ernennung zum erblichen Baronet, of Chipping Wycombe in the County of Buckingham, am 24. Januar 1953 (eine Erhebung zum Peer hatte er abgelehnt) sowie die Enthüllung eines von Veteranen finanzierten Denkmals 1992 vor der Kirche St Clement Danes in London durch die Königinmutter Elizabeth waren in der britischen Bevölkerung stark umstritten. Innerhalb von 24 Stunden wurde das Denkmal mit roter Farbe überschüttet und später noch mehrfach beschädigt, woraufhin es für mehrere Monate unter Bewachung stand.[3][4] In diesem Zusammenhang ist auch von Bedeutung, dass seine Luftkriegs-Strategie für die Besatzungen der Flugzeuge verlustreich war. Nahezu 45 % kehrten nicht heim, insgesamt kamen 55.573 Flieger bei den Angriffen auf Deutschland um. Auch deswegen wurde Harris oft „Butcher“ (engl. für Metzger oder Schlächter) genannt.

Militärhistorische Wertung

Die historische wie rechtliche Qualifizierung der alliierten Luftkriegsstrategie und damit der Position Harris’ wird unterschiedlich bewertet. Nach sachlichen oder militärischen Kriterien war die gezielte Zerstörung von Wohngebieten und Innenstädten umstritten. Zwar waren militärisch gesehen die strategischen Folgen des Luftkriegs allgemein erheblich, da angesichts der Angriffe die deutsche Rüstungsproduktion zu umfangreichen produktionsbehindernden Verlagerungen gezwungen wurde – laut Albert Speer führten die alliierten Luftangriffe bei den Luftfahrzeugen zu einer Halbierung der möglichen Produktion. Über eine Million Soldaten wurden bei der Flakartillerie eingesetzt und fehlten dadurch an den Fronten, zusätzlich wurde eine halbe Million Behelfspersonal herangezogen, darunter viele Jugendliche als Flakhelfer.

All dies war aber in erster Linie auf die gegen die Rüstungsindustrie geführten Tagangriffe der USAAF und nicht auf die gegen die Zivilbevölkerung gerichteten und von Arthur Harris verantworteten Nachtangriffe der Royal Air Force zurückzuführen.

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