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Angst vor der Linkspartei?

Die Union hat sich erbärmlich feige dem gesamtlinken Diktat gebeugt, die AfD auszuschließen

Von WOLFGANG HÜBNER

Der Wahlkampf, soweit das überhaupt einer ist, treibt lust-, aber nicht maskenlos seinem Finale entgegen. Da die vier Parteien, die unter sich die künftige Regierungskoalition ausmachen werden, verbindliche Aussagen zu den wichtigsten Problemen umfassend meiden, muss mal wieder das alte „Rote Socken“-Thema aus der Schublade geholt werden.

Das betreiben vor allem die von Niederlagenängsten gepeinigte Union, einige Medien, doch auch etliche Zitterkonservative, die lieber die Laschet-Kröte schlucken wollen als die Linkspartei als Mehrheitsbringer von SPD und Grünen. Abgesehen davon, dass ein möglicher Kanzler Olaf Scholz nicht bei Trost wäre, sich auf eine Koalition mit Linken einzulassen, von denen er in der eigenen Partei schon jede Menge hat: Zwei Minister der Linkspartei wären in einer Rot-Grün-Roten-Regierung mit Sicherheit die Pflegeleichtesten.

Überhaupt keinen Grund und schon gar keine Berechtigung haben CDU/CSU, Panik ob einer möglichen Regierungsbeteiligung der Linkspartei zu verbreiten. Erstens soll dieses Manöver nur dazu dienen, die von denselben Unionsparteien unendlich oft enttäuschten konservativen Wähler ein weiteres Mal zur Stimmabgabe für Merkels Ruine zu verleiten. Und zweitens hat sich die Union erbärmlich feige dem gesamtlinken Diktat gebeugt, die AfD von jeder Koalitionsvariante auszuschließen.

So dumm ist Scholz in Sachen Linkspartei selbstverständlich nicht. Denn mit dieser als Schreckgespenst kann er unter Umständen den Preis der künftigen Koalitionspartner, seien es Grüne, FDP oder gar CDU/CSU, noch gut herunterhandeln. Dass sich etliche Medien an dem Schmierentheater beteiligen, gehört zum bundesdemokratischen Showbusiness, ist also nicht weiter wichtig.

Bedenklich ist das abermalige Zittern und Zagen in manchen sich konservativ dünkenden Kreisen. Geradezu krampfhaft wird dort nach Gründen gesucht, um nicht endlich AfD oder wenigstens eine der vielen kleinen Parteien zu wählen. Stattdessen bevorzugt man dort lieber eine FDP, die unter Christian Lindner jederzeit ins Bett mit SPD und Grünen springen wird.

Oder, noch schlimmer, man will es dann doch noch einmal mit der Union versuchen, die mit der FDJ-Funktionärin Angela Merkel an der Spitze Deutschland mehr nach links gerückt hat als das die ziemlich zerstrittene Linkspartei je hätte bewerkstelligen können. Wer mehr Angst vor diesem linken Chaoshaufen hat als vor Scholz/Kühnert, Baerbock/Habeck und Laschet/Söder, kann nicht viel begriffen haben von den politischen Realitäten in Deutschland.
(pi-news.net)

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