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Armin Laschet – Wer?

„Wir brauchen eine neue Gründerzeit“ - Armin Laschets "DomGedanken" am 12.8.2020 in Münster

Für einen abwägenden und in Europa abgestimmten Umgang mit der Corona-Pandemie aus einer christlichen Grundhaltung heraus sowie für ein verantwortungsvollen Verhalten jedes Einzelnen hat sich am 12. August im St.-Paulus-Dom Münster der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet ausgesprochen. Laschet war der erste Referent der diesjährigen DomGedanken, einer vom Münsteraner Domkapitel veranstalteten fünfteiligen Vortragsreihe. Er sprach unter dem Titel „Mit Tatkraft und Zuversicht“ über die Corona-Krise als politische Aufgabe.

Das Interesse am Vortrag des Ministerpräsidenten war groß: Rund 250 Plätze bot der Dom unter Corona-Bedingungen, diese waren im Nu ausgebucht gewesen. Viele weitere Interessierte verfolgten den Abend dank der Liveübertragung des Bistums Münster im Internet.

Insgesamt stehen die DomGedanken 2020 unter dem Oberthema „Zurück zum Leben mit Corona – Fünf Abende der Hoffnung“. Für die Veranstalter sagte Dompropst Kurt Schulte eingangs: „Uns allen ist klar: Wir müssen weiterhin mit Corona leben, und wir wollen auch leben, uns dem Leben zuwenden.“ Dazu sollten bei den diesjährigen DomGedanken Entscheider und Verantwortliche, denen Schulte ausdrücklich für ihre Arbeit dankte, Gedankenanstöße geben.

Der Ministerpräsident tat genau das. Wegen Corona habe man erstmals seit Bestehen des Grundgesetzes Grundrechte fundamental einschränken müssen im Interesse des Gesundheitsschutzes. In diesem Zusammenhang dankte Laschet den Religionsgemeinschaften in Nordrhein-Westfalen (NRW), die – beginnend mit den Kirchen an Ostern – von sich aus auf ihre Gottesdienste verzichtet hätten.

Laschet erläuterte die schwierige Abwägung zwischen berechtigten Interessen, die politischen Entscheidungen vorausgehen müsse. Viele Fragen zur Pandemie seien bis heute nicht beantwortet, trotzdem müsse man mit dem Virus leben. „Diese schwierige Verantwortung kann man nirgendwo lernen, weil sie mit der Pandemie erst aufgetreten ist“, sagte Laschet.

Er verwies auf das christliche Menschenbild als Entscheidungsgrundlage, die ihn getragen habe: Zwar sei demnach jeder Mensch frei, aber diese Freiheit trage nur bis zu den Grenzen der Freiheit der anderen. Bei aller Individualität seien Menschen aufeinander angewiesen.

Die Politik müsse „in einer solchen Krise einen breiten Blick haben“ und Experten befragen. Bis ein Impfstoff gefunden sei, gehe es darum, einerseits Menschen zu schützen und andererseits soziales und öffentliches Leben wieder möglich zu machen. Dabei müsse sich das Handeln an den Prinzipien Verhältnismäßigkeit, Differenzierung und Eigenverantwortung ausrichten. „Wenn Infektionszahlen sinken, müssen Grundrechtseingriffe zurückgenommen werden, wenn Infektionszahlen steigen, müssen Schutzvorkehrungen verstärkt werden“, sagte Laschet.

Die Folgen der Pandemie zu bekämpfen, werde dem Land viel abverlangen. Laschet sah darin aber auch Chancen für Verbesserungen in der Gesellschaft, unter anderem in den Bereichen Digitalisierung und digitale Verwaltung, faire Arbeitsbedingungen und Gehälter sowie europäische Zusammenarbeit. „Wenn wir diese Lehren mitnehmen, haben wir das Richtige aus der Krise gelernt“, sage der Ministerpräsident. Und stellte für Deutschland und Europa gleichermaßen fest: „Wir brauchen jetzt eine neue Gründerzeit.“ Für diese könne, wie bei der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, das christliche Menschenbild ein guter Kompass sein.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer belohnten Laschets Ausführungen mit viel Applaus, ebenso die musikalische Begleitung durch die Dombläser Münster.
(Katholische Kirche Bistum Münster, 13.08.2020)

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