Springe zum Inhalt

Auch Tuttlingen war mal badisch

1806 verwalteten Militär und Beamte aus Baden die Stadt

Mit diesem Plakat wird für eine Ausstellung zu 900 Jahre Haus Baden geworben. Die Großherzogskrone von 1811 ist nie getragen worden, sie wurde nur als Dekoration für Beerdigungen verwendet.

(tutut). Eine Urkunde aus dem Jahr 1112 macht es möglich, dass jetzt 900 Jahre Baden gefeiert werden. Damals soll erstmals ein Markgraf von Baden erwähnt worden sein. Mit den Landen, die sich heute für badisch halten, hat dies alles nichts zu tun. Gleichzeitig wird aber im Zusammenhang mit diesem Hausjubiläum auf großen Plakaten eine Ausstellung im Badischen Landesmusuem in Karlsruhe angekündigt. Dass zum heutigen Landkreis Tuttlingen auch einstige badische Landesteile gehören ist bekannt. Selbst der Tuttlinger Stadtteil Möhringen weist immer wieder stolz auf seine badische Vergangenheit hin. Kaum bekannt sein dürfte allerdings, dass die altwürttembergische Kreisstadt Tuttlingen selbst einmal badisch war.
Auch wenn es nur für  ein paar Monate war: Im Jahr 1806 fiel Tuttlingen an Baden. In diesem Zusammenahng, dies bestätigt Kreisarchivar Dr. Schuster, wurden badische Soldaten und Beamte nach Tuttlingen versetzt. Die Stadtoberen Tuttlingens wollten aber lieber württembergisch bleiben und setzten sich dafür auch nachdrücklich ein. Mit Erfolg.
Heute gehört der Kreis ja zum Regierungsbezirk Freiburg, theoretisch also zu Südbaden. Praktisch allerdings nicht, denn die damaligen Verwaltungsreformen sind auf vielen Ebenen nicht mitvollzogen worden, man denke nur an Verbände und an den Sport.
Das mit dem badischen Tuttlingen kam so: Durch den Reichsdeputationshauptschluss (darin wurde festgesetzt, dass die weltlichen Fürsten abgefunden werden sollten, denen im Rahmen der Revolutionskriege Besitz verloren gegangen war, u.a. durch Säkularisation kirchlicher sowie durch Mediatisierung kleinerer weltlicher Herrschaften) vom 25. Juli 1803 erhielt Baden  als Entschädigung für seine verschiedenen Abtretungen vor allem auf der linken Rheinseite die Bistümer Konstanz und Speyer, die  Abteien Reichenau und Öhningen, Petershausen, Schwarzach usw., die Ämter Ettenheim, Oberkirch, Bretten, Ladenburg und Heidelberg mit Heidelberg und Mannheim und mehrere Reichsstädte und zugleich die Kurwürde. Auch Kehl, von Frankreich annektiert,  wurde wieder an Baden abgetreten und die Grenze zwischen Baden und Frankreich bestimmt.
Das neue Kurfürstentum Baden umfaßte nun 131 Quadratmeilen mit 438 000 Einwohnern und wurde durch Tauschvertrag mit Hessen-Darmstadt noch mehr abgerundet. Es wurde in drei Provinzen aufgeteilt,wobei überall die badische Verwaltung eingeführt wurde, auch die Universität Heidelberg erhielt eine neue Organisation.
Kurfürst Karl Friedrich musste 1805 die Franzosen militärisch unterstützen.Ohne dass schon eigene Truppen gestellt worden waren, bekam er im Frieden von Preßburg den größten Teil des Breisgaus und der Ortenau, die Stadt Konstanz, die Komturei Meinau, die Herrschaften Ebringen und  Norsingen. Am 5. Mai 1806 erklärte sich der Kurfürst zum unumschränkten Souverän des Landes, indem er die ständische Verfassung des Breisgaus aufhob, die im Altbadischen längst erloschen war.

Innerhalb des Tuttlinger Stadtgebiets weist dieser "Grenzpfahl" auf den Übergang zum "badischen" Stadtteil Möhringen hin.
Kurprinz Karl, Enkel des Kurfürsten, hatte sich im April 1806 mit der Prinzessin Stephanie de la Tascher-Pagerie, einer Adoptivtochter Napoleons, vermählt, und am 12. Juli 1806 trat der Kurfürst dem Rheinbund bei, indem er sich verpflichtete, diesem 8000 Mann zu stellen.
Gleich darauf erhielt er die Grafschaft Bondorf, die Städte Bräunlingen, Villingen und Tuttlingen, die Komtureien Heitersheim, Beuggen und Freiburg und einen Teil der Lande der mediatisierten Fürsten und Grafen von Leiningen, Löwenstein-Wertheim, Salm und Auersperg. Im August 1806 legte der Kurfürst nach Auflösung des Deutschen Reiches (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation) seine Kurwürde nieder und nahm den Titel eines Großherzogs an.