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Bei Hof, an einem Carneval…

maske, f. gesichtsverkleidung; verkleidung überhaupt. - Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm

Maske, Theater  Pompeji.

1) dasz diesz seit dem 17. jh. bei uns gemeine wort eine entlehnung aus dem französischen sei, ist allgemein angenommen und wird durch die zu jener zeit häufige schreibung masque bestätigt. nicht im zusammenhang mit seinem aufkommen steht ein früheres und schon altbezeugtes masca striga Graff 2, 877, wol auch in tala-masca, dala-masca, dala-mischa ebenda (welches letztere in mittelniederl. talmasche, talmasge larva Dief. 319b dauerte), da dieses wort beim emporkommen jenes längst vergessen war; ob eine etymologische berührung beider statt hat, ist unentschieden, und es steht einer ansicht von Grimm und Diez, die maske mit masca hexe zusammenbringt und an die fratze mit dem offenen maule der kinderverschlingerin erinnert (mythol. 1036. Diez wb. 1, 266 ff.), eine andere gegenüber, die arabischen ursprung geltend macht, abkunft von arab. maschara (sowol verspottung als verkleidete person) verficht und das wort von den sicilianischen Arabern über Italien gekommen sein läszt (vgl. Dozy Oosterlingen s. 61 ff.). die letztere wird durch eine weit verbreitete romanische form gestützt: ital. maschera, span. portug. mascara, die auch im niederl. neutrum masker gesichtslarve sich wieder findet, vgl. nachher maskerade; nur das franz. hat dem gegenüber das gekürzte masque, eigenthümlich als masculinum. bei seiner entlehnung nahm das deutsche dieses geschlecht nicht an, sondern behandelte das wort als fem., wozu sowol die schreibung, als die heimischen fratze, larve beitragen mochten.
2) maske hiesz zuerst im deutschen die von zeug gefertigte hülle des gesichts, die meist nur über stirn und nase reichte und oft den mund frei liesz, wie im französischen des 16. jh. (sie war dort unter Heinrich II von Italien her aufgekommen, ursprünglich als gesichtsschutz gegen witterungseinflüsse; tel faux visage ou masque aura seulement deux petits trous droit au milieu de l'oeil. Paré bei Littré 2, 464c), und auch schon als lehnwort des niederländischen derselben zeit (Kilian verzeichnet masche, mascke als larva, persona): als er vor einer edel jungfraw

[Bd. 12, Sp. 1703]

(die nicht der gar schönesten eine ware) vorüber gieng, und den hut vor jhr abzoge, dieselbige aber nicht hinwieder, wie gebräuchlich, jhre masken abname, ruft er jhr nach: sie dörfte das angesicht nit aufdecken, dann er hette sie ohne das nie schöner gesehen als in der masken. Zinkgref apophth. 1 (1626), 329. 330; ein wustes, ungestaltes, verhöntes, beflecktes jungfrawen-gesicht, hat zu beschönung und bemäntelung solcher unstalt, die masquen und den flur (flor) erdacht, damit sie ihr gesicht dahinter verbergen möchte. ein schönes, wohlgestaltes, himmlisches, engelisches bilde und gesicht hat solche thorheit gesehen, und alsbald nachgeäffet: und nicht betrachtet, warumb der andere unlust solche thorheit erfunden hatte: da sie vielmehr alle masquen und dücher vom gesicht solte wegkauft haben, nur das man dʒ schöne gesicht hätte sehen und loben, und lieben mögen. Philander 2 (1643), 142; ihre augen konte ich nicht sehen funklen wegen der masquen, die sie vor sich hatten. Simpl. 1, 373 Kurz; dann ich konte ihnen die mäuler unter den masquen wol sehen. 374; später in manigfacher ausbildung und für verkleidungszwecke, unter anderm zur fastnacht: man muste die heilige fastnacht feiern ... es war eines vornehmen mannes sohn zum mahler gelaufen .. und hatte begehrt, er solte ihm das gesichte ganz schwarz mahlen: denn unter der masque könte er nicht saufen. Chr. Weise erzn. 210 Braune; mit der maske gehen, eine maske vorhaben, larva tectum esse Stieler 1218; maszke, womit man das angesicht verlarvt und unkennlich macht, qua tegunt faciem flante vento frigidiore foeminae, vel ut incognitae maneant in publico. Frisch 1, 647c; Angelo (der die maske abgenommen). Lessing 2, 150; dieses herrliche dunkle auge .. das man aus der maske hervorleuchten sah. W. Hauff novellen 1, 150;

bei hof, an einem carneval,
sprach einst die maske zum gesichte:
gieb acht, wie ich hier überall
itzt deinen ruhm und stolz zernichte,
und mancher, den du sonst entfernt,
mir folgen und mir schmeicheln lernt.
Hagedorn 2, 51 (fabeln, 1. buch);

zwar hat die maske mir noch sein gesicht verhüllt,
doch solcher seelenwerth hat auch ein reines bild.
Körner d. grüne domino, 3. auftr.;
maske bei den schauspielern, und als symbol ihrer kunst: maszke der comödianten, larva, persona, ficta facies Frisch 1, 647c; der zweite knabe, mit zwei groszen masken, einer tragischen und komischen, in händen. Göthe 11, 299; zweiter knabe (hebt die komische maske empor und hält sie vor's gesicht). 301;

denn bald wird selbst das hohe heldenspiel,
der alten kunst und würde eingedenk,
von uns kothurn und maske willig leihen. 315;
schauspielkunst (mit einer doppelmaske). Schiller huldigung der künste v. 217; bildlich: er lehrte uns endlich, ... durch einen willigen abtritt von diesem schauplatze beweisen, dasz man überzeugt sei, die weisheit würde uns die maske nicht ablegen heiszen, wenn wir unsere rolle nicht geendigt hätten. Lessing 11, 28.
3) maske auch die gesamte tracht, in welche man sich verkleidet: er gieng auf den ball in der maske eines Neapolitaners, sie hatte die maske einer fischerin; ich brauche so nothwendig noch frische blumen zu meiner maske, fuhr die gärtnerin von neuem fort. Eichendorff taugenichts s. 29;

berede dich, wir beide hätten uns
auf einem ball mit masken eingefunden,
in sklavenkleider du, und ich, aus laune,
in einen purpur eingehüllt. so lange
der fasching währt, verehren wir die lüge.
Schiller don Carlos 1, 9;

komm, gib mir deinen rock und mütze;
die maske musz mir köstlich stehn.
Göthe 12, 92;
der seeheld von unbezwinglichem verlangen getrieben die geliebte noch einmal zu sehen, geht leidenschaftlich .. nach hofe, zum hochgefeierten weihnachtsfeste; und zwar als greis, in bärenfelle gekleidet, ein hülfsbedürftiger. das hofgesinde neckt und beleidigt ihn, aufgeregt beweist er seine kraft, und aus der rohen thierischen maske tritt ein heldenjüngling hervor. 46, 300; sobald ich mich in das gewand der thorheit kleidete, blieb es nicht blosz bei der maske, sondern die narrheit durchdrang mich sogleich durch und durch. 19, 296; es wird wenige stände und nationen geben, davon er nicht schon die maske getragen (der Armenier im geisterseher). Schiller hist.-krit. ausg. 4, 231; in A. Gryphius' Cardenio

[Bd. 12, Sp. 1704]

und Celinde spricht Olympia, nachdem sie erfahren dasz ein geist ihre gestalt und ihr gewand getragen:

soll ich zu eigner schand und eines andern pein,
hör an gerechter gott! der geister maske sein. 1 (1698), 244.

4) maske, der träger einer solchen (2 und 3), vermummter, verkleideter: eine maske kömmt bereits um die planke gesprengt. Lessing 2, 149; geschwind entfernen sie sich. die maske musz sie nicht sehen. ebenda; einen groszen illuminierten saal ... worin viele masken tanzen. Schiller Fiesko 1, 4; (sie) sahen einen schlanken, schöngewachsenen mann, der, als Sarazene gekleidet, sich durch die einfache pracht seines kostüms wie durch gang und haltung vor gemeineren masken auszeichnete. W. Hauff novellen 1, 151;

das nachtgepräng erleuchteter paläste,
der masken scherz, wo mummerei und list
verliebte paart, gepaarten günstig ist.
Hagedorn 1, 57;

dich, maske, kenn ich; nur vorbei! 127;

zwar nicht karneval stets, doch hats der masken genug,
und in den masken der freuden genug.
Arndt ged. (1840) 247;

als maske nahm ich schon dein kleines herz gefangen,
jetzt sieh mich unmaskirt!
Körner d. grüne domino, 6. auftr.;
von der dramatischen muse, als trägerin der maske (nr. 2 a. e.):

der scherzenden, der ernsten maske spiel ..
vereinigt uns aufs neu in diesem saal.
Schiller Wallenstein, prolog.

5) maske gern als bild für verstellung, list, heuchelei; in mehr oder weniger festen formeln.
a) eine maske nehmen, tragen u. ähnl.: dasz man oft masken nehmen müsse, um seinen feinden zuzukönnen. Schiller räuber 4, 2; wenn sie mich jetzt fragen: was denkt Fiesko zu Genua? werdet ihr eure maske noch länger tragen, oder was soll ich antworten? Fiesko 2, 15; tugend? rief der alte ungläubige: beim himmel, ein schöner nahme! .. einige .. haben eine schöne maske daraus gemacht, die sie geschwinde vors gesicht nehmen, so oft sie absichten auf die dienste, oder den beifall, oder den beutel, oder die weiber und töchter der ehrlichen blödsichtigen kauze haben, welche gesichter und masken nicht zu unterscheiden wissen. Wieland 8, 113;

nur dasz frei ohne scham das laster hier regiert,
und dort sich dann und wann mit schönen masken ziert.
Lessing 1, 191;

die sorge nistet gleich im tiefen herzen, ..
sie deckt sich stets mit neuen masken zu,
sie mag als haus und hof, als weib und kind erscheinen,
als feuer, wasser, dolch und gift.
Göthe 12, 41.

b) eine maske ablegen, abziehen, abwerfen, fallen lassen u. ähnl.: jetzt legten sie auf einmal die maske ab, und fielen von allen seiten auf ihre feinde. Möser osn. gesch. 1, 147; dasz er sich gegen diesen (vater) bisher verstellt, daran hat er sehr wohl gethan .. aber nun, sollte ich meinen, könnte er die maske schon nach und nach ein wenig aufheben. Lessing 1, 357; er rüstet sich in aller eile, um nach Prag aufzubrechen, wo er willens ist, endlich seine maske abzuwerfen, und sich öffentlich gegen den kaiser zu erklären. Schiller hist.-krit. ausg. 8, 344; gedacht gewagt. ich zog die maske ab und handelte jedesmal wie mirs ums herz war. Göthe 19, 298; endlich lassen sie also die maske fallen! Immermann Münchh. 3, 150;

herr fürst! ich lass die maske fallen — ja!
ich habe vollmacht, alles abzuschlieszen.
Schiller Wallensteins tod 1, 5;

dann können wir die maske von uns werfen,
den hiesigen truppen den gethanen schritt
zugleich mit dem erfolg zu wissen thun. 3, 4;

laszt nach und nach die masken fahren,
und gebt ihm euer wesen blosz.
Göthe 41, 146;

aber als er fern sich sieht von Bagdad,
läszt er ruchlos jede maske fallen.
Platen 330;
einem die maske abziehen: jemanden die masque abziehen, seinen hinterhalt und verstellung offenbaren. Nehring hist.-pol. lex. 737; etwas ... das uns gelegenheit geben mag, den betrügern die maske abzuziehen. Wieland 8, 162.
c) etwas ist eine maske: das ist eine maske, eine listige verstellung. Adelung; falsche worte gelten zum höchsten wenn sie masken unserer thaten sind. Göthe 8, 64; ich nahm meine zuflucht zu einer ohnmacht ... dasz ich nicht laut lachte. aber bald wird mir meine maske unerträglich. Schiller kab. u. liebe 3, 6;

[Bd. 12, Sp. 1705]

diesz cabinet ist keines von den zimmern
der königin, wo man das biszchen maske
noch allenfalls zu loben fand. don Carlos 2, 8;

sie verlieren die geduld,
weil du so krumme wege machst —
was sollen diese masken? Piccol. 2, 5;

dasz ich der heuchelei dürftige maske verschmäht.
Göthe 1, 330;
und maske wird der wahrheit entgegengesetzt: war es entweder wahrheit oder maske. Schiller hist.-krit. ausg. 9, 364; oder, in noch scharfer bildlichkeit, dem gesicht: welche gesichter und masken nicht zu unterscheiden wissen. Wieland 8, 114; die maske, welche sie vorzunehmen für gut fanden, sah einem natürlichen gesichte so ähnlich, dasz Agathon selbst dadurch betrogen wurde. 3, 91.
d) gern mit präpositionen; unter der maske: dasz er mich unter der maske der liebe und aufrichtigkeit hintergeht. Gellert 3, 74; unter der lächelnden maske der freundschaft. Wieland 2, 81; der schändliche misbrauch, den man zu beförderung aller dieser absichten mit den ehrwürdigen nahmen der religion, des königlichen ansehens und des allgemeinen besten trieb; die unzähligen auftritte von ungerechtigkeit, betrug, verrätherei, undankbarkeit, raubsucht, giftmischerei, u. s. w. welche unter diesen ehrwürdigen masken gespielt wurden. 6, 332; falsche teufel unter der maske von engeln. Fr. Müller 3, 153; wir hatten viel noth dabei, unsre niedergeschlagenheit unter die maske der heiterkeit zu verstecken. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 117; ein geübtes ohr höre den Deutschen, den Italiäner, den Engländer unter seiner französischen maske gar wohl heraus. Göthe 26, 53; — in der maske, hinter der maske: zugleich liebte ich mein zaudern, weil es mich in der nähe des kindes hielt, dessen maske mich verdrosz, und das mir doch in dieser maske reizender vorkam als jemals. 24, 283; nur wenn er (der als sergeant schreibende) in der folge, bei höchstbedeutenden weltereignissen mitwirkend oder zuschauend wiederholt auftritt, verwundern wir uns zuerst, schütteln dann den kopf und glauben endlich einen höhern sinn, einen weitern verstand, einen freier umschauenden blick hinter der maske zu entdecken. 45, 274;

ihre tugend schreckt den armen paladin.
mit welchem grunde, soll der leser bald erfahren;
wir haben sie lange genug in ihrer maske gesehn,
und, um die wahrheit nicht zu sparen,
wir lieszen von ihrer maske uns keine nase drehn.
Wieland 4, 268 (n. Amadis 11, 31);
ohne maske: in der gesellschaft der bösen, wo das laster sich ohne maske zeigt. Göthe 36, 81;

und dasz ich endlich nun hier ohne fürhang spiele,
und ohne maschke dir nur zeige, was ich bin.
Hoffmannswaldau bei
Steinbach 2, 30.

6) maske, auch vom menschlichen gesicht bis zu den haaren, nach seiner form (vgl. larve 4, sp. 208):

ein aufsatz a la Horria (kopfputz)
verkürzt der maske länge zum ovale (das übermäszig lange gesicht einer sterbenden).
Gotter 1, 69;
davon ausgehend todtenmaske, der abgeformte gesichtstheil eines todten; gipsmaske, wachsmaske eines todten.
7) maske, in der baukunst, ein auf schluszsteinen von gewölbebogen angebrachtes menschengesicht. Eggers kriegslex. 2, 163.
8) in der befestigungskunst ist maske die vorderste brustwehr einer verdeckten batterie.
9) maske am pferde, eine blässe, welche den ganzen theil des vorderkopfes einnimmt.
10) maske, bei den fleischern, die lederhülle, welche dem zu schlachtenden ochsen um stirn und augen gelegt wird.

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