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„Bildungssystem schwer angeschlagen!“

Virusmaßnahmen fördern weiteren Absturz

Von WOLFGANG HÜBNER

Seit weit über einem Jahr belasten die mit der Virusgefahr begründeten Zwangsmaßnahmen von Bund und Ländern folgenschwer den Bildungssektor. In diesem sah es bekanntlich schon vor dem März 2020 nicht gut aus, besonders nicht in den für die Zukunft des rohstoffarmen Deutschlands so wichtigen natur- und ingenieurswissenschaftlichen Bereichen. Für diese sind gute bis sehr gute Leistungen in Mathematik unerlässlich. Doch gerade in diesem Fach, in dem sich mit Schummelei und Schwätzerei nichts erreichen lässt, steht Deutschland laut PISA-Studie von 2018 alles andere als hoffnungsvoll da.

In Mathematik verfügten demnach mehr als ein Fünftel der 15-Jährigen lediglich über rudimentäre Kenntnisse. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die am Mindestniveau scheitern, war im Vergleich zu 2012 von 18 auf 21 Prozent gestiegen. 79 Prozent erreichen das Mindestniveau oder mehr. Eine der beiden höchsten Kompetenzstufen schaffen in Deutschland 13 Prozent der Getesteten. Der Trend ist negativ, denn 2012 zählten noch 17 Prozent zu den Leistungsstarken. Am stärksten abgefallen sind in Deutschland die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler in den Naturwissenschaften. 20 Prozent scheitern in PISA 2018 an den Mindestanforderungen. Der Anteil der besonders leitungsschwachen Jugendlichen hat im Vergleich zu PISA 2015 zugenommen.

Im Vergleich zu ostasiatischen Ländern wie Japan, Korea und China sind diese Ergebnisse noch wesentlich besorgniserregender. Denn in diesen Staaten entstehen die künftigen Bildungseliten im sogenannten MINT-Bereich, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Nur wer dort führend ist, bestimmt die Entwicklungen und Patente der Zukunft. Deutschland wird es mit Sicherheit nicht sein. Dazu haben die Zwangsmaßnahmen der Politik keinen unwesentlichen Beitrag geleistet. „Das Bildungssystem ist schwer angeschlagen“, klagt folglich auch Olaf Köller, Direktor des IPN Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik. Denn die Gruppe der besonders leistungsschwachen Schüler betrug schon 2019 rund 25 Prozent, die Spitzengruppe hingegen nur 6 Prozent.

Das ist viel zu wenig, um auch nur mittelfristig ohne bedeutenden Begabtenklau aus dem Ausland den benötigten Nachwuchs an Ingenieuren und Informatikern heranzubilden. Hinzu kommt die hohe Studienabbruchrate von deutschen MINT-Studierenden. Nicht weniger dramatisch ist die Situation von Schülern aus sogenannten „benachteiligten“ Verhältnissen. Waren diese schon vor der Viruskrise die Sorgenkinder des deutschen Bildungssystems, so sind sie seit Beginn der Zwangsmaßnahmen die ganz großen Verlierer. Es wird deshalb künftig viele junge Menschen geben, die sogar für die schwindende Zahl von einfachen beruflichen Tätigkeiten ungeeignet sein werden. Weder in der Politik noch in der Pädagogik hat das bislang zu vernehmbaren Protesten geführt: Die dort tätigen „Eliten“ haben in der Regel ihre Kinder an Privatschulen untergebracht.
(pi-news.net)

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