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Blumen sonnen sich am Karpfen

Zwischen Kunst und Acker auch ein bisschen Natur unter Schutz

(tutut). Es ist ein unaurottbarer Irrtum, dass Sonnenblumen ihre Köpfe stets der Sonne entgegenhalten. Nein, sie schauen stets gen Osten, scheinen ihre eigene Religion zu haben. Pittoresque sehen sie ja auch aus am Hohenkarpfen, diesem Gugelhupf im Voralbland, der dem Riesen der Baar gegenüber, dem Lupfen, zweifellos die Schau stiehlt. Oft ist es aber gar nicht so schlecht,  wenn Natur und Landschaft eher in Ruhe gelassen werden und nicht für allerlei menschliche Vergnügungen Kulisse bieten müssen. Denn dass der Hohenkarpfen neben Acker und Kunst auch Essen, Tagen und Schlafen bietet, lässt fast vergessen, dass er eigentlich auch ein Naturschutzgebiet ist.
Unter der Rubrik "Themenpark Umwelt" veröffentlicht das Umweltministerium folgende Informationen über den Hohenkarpfen:
"Der Hohenkarpfen (im Volksmund auch nur Karpfen genannt) ist ein 912 m ü. NN hoher Zeugenberg auf der Baarhochebene bei Hausen ob Verena. Die nächstliegenden größeren Städte sind Spaichingen und Tuttlingen. Aus der flachwelligen Braunjura-Landschaft des Albvorlandes ragt der Hohenkarpfen als nahezu symmetrischer Bergkegel hervor und bildet so einen weithin sichtbaren, markanten Landschaftspunkt.
Aufgrund seiner Form wird der Berg oft als vulkanische Bildung angesehen. Dies ist aber nicht der Fall. Der geologische Aufbau des Hohenkarpfens entspricht dem der unmittelbar angrenzenden Schwäbischen Alb. An seiner Basis reicht der Hohenkarpfen im Süden und Westen bis in die Opalinustone (= Schichten des Braunjura) hinein. Darüber lagert die vollständige geologische Schichtenserie bis hin zu den Kalksteinen des Weißjura im Gipfelbereich. Zwischen Oberem Braunjura und dem Weißjura lagert eine gewaltige Weißjuraschuttdecke aus wenig homogenem, scherbigem Material. Der Gipfel trägt eine steile, kegelfömige Kuppe (Zeugenberg), bedingt durch die verwitterungsresistenten, harten Oxford-Jurakalke (hier: Weißjura ß).
Die am Aufbau des Hohenkarpfens beteiligten geologischen Schichten bedingen durch ihre wechselnden Kalk- und Tongehalte unterschiedliche Böden mit unterschiedlichen Mächtigkeiten und Wasserspeicherungsfähigkeiten und prägen somit die Gesetzmäßigkeiten des Vegetationsmosaiks, das den Berg überzieht. Die nach allen Himmelsrichtungen schroff abfallenden Hänge der Weißjura-Bergkuppe tragen einen Magerrasen, der in seiner Artenzusammensetzung und in seinem Artenreichtum dem auf der Alb verbreiteten Halbtrockenrasen (Gentiano-Koelerietum) sehr ähnlich ist.
In den unteren, weniger steilen Teilen wurde dieser Trockenrasen früher beweidet, wie u.a. einige schöne baumförmige Exemplare des Wacholders (Juniperus communis) bezeugen. Die Flächen unterhalb des Gipfels wurden nur mäßig oder gar nicht beweidet, da die Hänge selbst für Schafe zu steil sind. Seit 1984 steht der Hohenkarpfen unter Naturschutz. Die Schutzgebietsfläche beträgt 13,5 ha. Durch die Lage im Regenschatten des Hochschwarzwaldes, ist das Klima am Hohenkarpfen ausgesprochen kontinental mit sehr kalten Wintern, warmen, sonnigen Sommern aber geringen Niederschlägen.
Dort, wo der Schuttmantel der Weißjuragesteine den Braunjura überdeckt und die Braunjura-Tone Feuchtigkeit stauen, wachsen Märzenbecher (Leukojum vernum), Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides), Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), Türkenbund (Lilium martagon), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava) und Bingelkraut (Mercurialis perennis). Zahlreiche Heuschrecken- und Schmetterlingsarten finden hier ideale Lebensräume.
Um den Hohenkarpfen ranken sich zahlreiche Sagen und religiöse Mythen, u.a. der Kult der heiligen Verena. Der Heiligen sind Schluchten, Quellen, Berge, Hügel und Kultsteine geweiht, an denen die Menschen Heilung suchen und spirituelle Rituale ausüben.
Überregionale Bekanntheit besitzt auch die Kunststiftung Hohenkarpfen, die ein Museum am Fuße des Bergkegels unterhält und mit deren Stipendien auch einige Kunstinstallationen im freien Gelände auf dem Hohenkarpfen errichtet wurden".
 
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