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China, die Gelbe Gefahr

Wer Sunzis "Die Kunst des Krieges" kennt, weiß auch wie China tickt

Von MARIO BERTHOLD

Im vorliegenden Beitrag geht es nicht um Xi Jinpings Masterplan Made in China 2025 inklusive einer von unseren Politikern und Wirtschafts“größen“ in den letzten Jahren naiv freizügig gewährten Einkaufstour chinesischer Investoren in Deutschland und Europa, nicht um Xi Jinpings Belt and Road Initiative oder gar um dessen Ambitionen auf eine militärische Vormachtstellung in der Welt. Darüber wurde bereits viel berichtet und geschrieben, dennoch habe ich den Eindruck, dass das Thema Gelbe Gefahr nach wie vor nicht wirklich ernst genommen wird.

Ich möchte mit diesem Beitrag unserer künftigen Regierung – Wirtschaftsbosse sind selbstverständlich auch angesprochen! – einen Einblick in die meines Erachtens ziemlich rücksichtslose und unverschämte chinesische Mentalität geben in der Hoffnung, dass sie danach bereit sind, die Brisanz dieses Themas endlich zu erkennen und ernst zu nehmen.

Dazu müssen wir uns mit einem der frühesten Werke über Strategie in Sachen Kriegsführung beschäftigen. Ich spreche von Sunzi Bingfa (frei übersetzt: Die Kunst des Krieges). Verfasst vor ca. 2500 Jahren beschreibt dieses großartige Werk die unterschiedlichsten Aspekte der Kriegsplanung und -strategie sowie deren taktische Rahmenbedingungen (auch ein Handelskrieg ist ein Krieg!).

Um also die chinesische Mentalität, Denkungs- und Handlungsweise besser einschätzen zu können, sollte Sunzi Bingfa eigentlich zur Pflichtlektüre eines jeden Managers und Politikers gehören, so wie es meines Wissens auch vielerorts in Ostasien der Fall ist. Möge dem einen oder anderen nach dem Lesen meiner ausgewählten Zitate ein Licht aufgehen (alle Zitate wurden aus Sun Tsu/Die Kunst des Krieges/WBG 2008 entnommen):

Die ganze Kriegskunst basiert auf List und Tücke.
Greife den Feind da an, wo er unvorbereitet ist; schlage zu, wo er es nicht erwartet.
Ein ausgeprägter Sinn für Ehre und Mitgefühl sind ernstzunehmende Fehler eines Heerführers.
Finde heraus, wie sich der Gegner aufgestellt hat, und lege danach das Schlachtfeld fest.
Finde durch Erkundung heraus, wo der Feind stark und wo er schwach ist.
Der Grund, warum kluge Herrscher und gute Heerführer den Feind schlagen, wo auch immer er sein mag, und warum ihre Leistungen die Taten gewöhnlicher Menschen übersteigen, ist das Vorauswissen.
Wenn du nahe am Feind stehst, täusche ihm vor, du seist weit weg; wenn du vom Feind weit entfernt stehst, täusche ihm vor, du seist ganz nah.
Um den Feind aus seiner Position zu locken, biete ihm einen Köder an.
Ein Meister der Kriegsführung ist immer durchtrieben und geheimnisvoll, er hinterlässt keine Spur; durch diese Kunst lernen wir, unsichtbar und unhörbar zu sein; damit halten wir das Schicksal des Feindes in unseren Händen.
In der alten Zeit brachte sich ein guter Kämpfer zuerst in eine Position, in der er nicht geschlagen werden konnte, und wartete dann auf eine Möglichkeit, den Feind zu schlagen.
Plündere ein reiches Land aus und versorge so deine Armee mit allem Notwendigen.
Der Feind darf nie wissen, wo ich angreifen werde, denn so muss er viele Orte gegen mögliche Angriffe zur Verteidigung herrichten; wenn er aber viele Plätze zur Verteidigung einrichten muss, können diese nur schwach besetzt sein.
Diejenigen, die die Kunst der Kriegsführung beherrschen, bezwingen eine feindliche Armee ohne Schlachten, sie nehmen feindliche Städte ein, ohne sie angreifen zu müssen.
Derjenige, der schwach ist, muss sich auf den Feind vorbereiten; wer stark ist, zwingt den Feind dazu, sich auf ihn vorzubereiten.
Genau wie Wasser seine Form der Umgebung anpasst, muss sich eine Armee, um zu siegen, der Feindsituation anpassen.
Nahe am Ziel zu sein, während der Feind noch weit entfernt ist, gut versorgt zu sein, während der Feind hungert – das ist die Kunst des Maßhaltens mit der eigenen Stärke.
Mit Disziplin und Ruhe erwarten erfahrene Soldaten einen aufgelösten und durcheinanderlaufenden Feind; das ist die Kunst der Selbstdisziplin.

Epilog
Im 19. Jahrhundert nahm der Niedergang der Qing-Dynastie seinen unaufhaltsamen Anfang, indem es zu weitreichenden Handelskriegen mit westlichen Großmächten kam. Großbritannien beispielsweise überflutete das inzwischen schwache, von Warlords tyrannisierte, von Naturkatastrophen gebeutelte und politisch zerrüttete China mit Opium, was zu einer massenhaften Opiumsucht im Land führte. Als China versuchte, die Einfuhr dieser Droge zu verhindern, kam es zu den sogenannten Opiumkriegen, die China schließlich verlor.

Als Unterlegene mussten die Chinesen eine Welle von wirtschaftlichen Demütigungen und Unterwerfungen durch westliche Imperialmächte erdulden und wurden aufgrund ihrer desaströsen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse als Invaliden angesehen. Viele Ausländer nannten die Chinesen „Asiens kranke Männer“ (????), und Sätze wie “Hunde und Chinesen nicht erlaubt“ waren unter Ausländern, die viele Gebiete in China zwangsokkupierten, weit verbreitet. Dies beschädigte das chinesische Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl in tiefgreifender Weise, was verständlicherweise zu einem kollektiven Minderwertigkeitskomplex führte.

Wir können sicher sein, dass sich Chinesen heute nicht mehr als „Asiens kranke Männer“ betrachten!

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(pi-news.net) Anmerkung: Sunzis - es gibt verschiedene Schreibweisen -  "Die Kunst des Krieges" ist schon seit Jahren immer wieder Thema in der NBZ.

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