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Clan bleibt an der Macht

Putschversuch in Zentralafrika gescheitert

Von  Volker Seitz

Seit der Unabhängigkeit vor über 50 Jahren gab es in afrikanischen Staaten mehr als 100 Staatsstreiche oder Putschversuche. Im zentralafrikanischen Gabun ist im Januar 2019 ein weiterer Militärputsch fehlgeschlagen. Präsident Ali Bongo Ondimba (59) hatte am 24. Oktober letzten Jahres in Saudi Arabien einen Schlaganfall erlitten und ist seither nicht nach Gabun zurückgekehrt. Seit Ende November 2018 wird er in einem Militärkrankenhaus in Marokko behandelt. Von dort äußerte er sich erstmals öffentlich in einer vierminütigen Ansprache zum Jahreswechsel. Angaben über seine Rückkehr machte er nicht.

Regierungssprecher Guy-Bertrand Mapangou sagte laut AFP, dass der Präsident in „einigen Wochen oder einigen Monaten“ zurückkehren wird. Der Militärputsch wurde niedergeschlagen, aber der Präsident ist nicht nur gesundheitlich, sondern auch politisch angeschlagen. Sollte sich sein Gesundheitszustand nicht bessern, ist nicht ausgeschlossen, dass andere Mitglieder des Bongo-Clans nach der Macht greifen.

Trotz einiger Fortschritte in Gabun nimmt die Armut weiter zu und betrifft ein Drittel der etwa 2 Millionen Einwohner. Trotz reicher Ölvorkommen sind Teile der Bevölkerung verarmt. Auf dem Korruptionsindex von „Transparency International“ liegt Gabun auf dem Platz 101 von 176. Die Familie Bongo regiert Gabun seit über 50 Jahren. Omar Bongo war von 1967 bis zu seinem Tod 2009 an der Macht. Er starb in Barcelona, weil staatliche Kliniken in Gabun in einem erbärmlichen Zustand sind.

Die Schmiergeldmaschine zwischen Frankreich und Gabun
Die Familie Bongo gilt als typisches Beispiel für die Françafrique-Politik, mit der Paris versuchte, nach der Unabhängigkeit der Ex-Kolonie Einfluss auf die Politik und Zugriff auf Rohstoffe zu behalten. Omar Bongo, Frankreichs bester Freund im postkolonialen Afrika und 1967 mit kräftiger Nachhilfe des Elysees an die Spitze des kleinen Staats gekommen, hat das Spiel zum gegenseitigen Vorteil sogleich begriffen. Ehemalige Kolonialbeamte übernahmen wichtige Ämter in der neuen Regierung und Verwaltung Gabuns, und Frankreich prägte weiterhin die Politik des unabhängigen Staates. Bis zu seiner Privatisierung 1994 war der Ölmulti Elf Aquitaine die Schmiergeldmaschine zwischen Frankreich und Gabun. Wirklich aufgeklärt wurde das Gestrüpp aus Geld und Politik bis heute nicht.

Französische Medien berichteten, dass die Familie Bongo mindestens 39 Immobilien in Paris und Nizza besitzt. Allerdings untersucht die französische Justiz den Erwerb von Immobilien, die aus „unrechtmäßigen Gewinnen“ (Biens mal acquis) stammen. Hintergrund sind Klagen von mehreren Anti-Korruptions-Verbänden wie Sherpa und Transparency International. Sie prangern die Veruntreuung öffentlicher Gelder durch zahlreiche Mitglieder der Familie Bongo an.

(Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe ist am 21. September 2018 erschienen. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.)

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