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CSD 2020 in Freiburg – Bunte Vielfalt mit klarer Botschaft

19.09.2020 Grußwort der Stadt Freiburg, übermittelt durch Julia Söhne, Stadträt_in und Fraktionsvorsitzende der SPD im Gemeinderat

Liebe alle,

ich darf euch alle ganz herzlich im Namen von Oberbürgermeister Martin Horn grüßen, der heute sehr gerne auch dabei gewesen wäre, aber leider mit allen anderen Bürgermeister_nnen auf Finanzklausur ist. Leider können wir heute nicht demonstrieren, diskutieren und feiern. Die vielen Menschen, die sonst dicht an dicht auf der Straße unterwegs sind und sich in den Armen liegen wird es dieses Jahr nicht geben. Und trotzdem ist es großartig, dass wir heute hier so viele sind und gemeinsam ein Zeichen setzen.

Der CSD heißt für mich: sich zeigen, sich engagieren und kämpfen. Gemeinsam für etwas einstehen. Und auch eine Botschaft senden an all diejenigen, die die Rechte von LSBTIQ* missachten. Die zwar im Bundestag eine lesbische Fraktionsvorsitzende haben, aber unsere Gesellschaft auseinander zweien wollen, die Homosexuellen das Ehe-Recht entziehen wollen und über trans-Menschen und "Gender-Gaga“ schimpfen. An diese Menschen, senden wir die Botschaft: Wir sind hier und machen uns stark, für all jene, die ihre sexuelle Identität verstecken müssen. Seit mehr als 50 Jahren gehen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Inter* sowie Trans*Menschen, Queere und viele mehr auf die Straßen und zeigen Jahr für Jahr, dass es mehr als Mann und Frau und ein von Heterosgeprägtes Alltagsleben gibt.Und solange „schwul“ noch immer das am meisten benutze Schimpfwort auf dem Schulhof ist, werden wir das auch weiterhin tun! Euer Motto “Abwehrkräfte stärken... gegen Nazis, Covid-19 und andere gefährliche Bedrohungen.” Finde ichauch deshalb gerade in diesen Zeiten besonders wichtig.

Und klar ist auch: esgibt noch viel zu tun: Beim Adoptionsrecht, wir brauchen endlich ein anständiges Transsexuellen Gesetz. Ich find ́s furchtbar dass schwule Menschen kein Blut spenden dürfen unddieser krassen Diskriminierung so ausgesetzt sind. Ich finde: der Kampf für gleiche Rechte für LSBTIQ Sternchen ist ein Kampf für die starke Demokratie und deshalb ist es schön, dass so viel unterschiedliche Menschen heute hier sind und gemeinsam kämpfen.

Mein schwuler Stadtratskollege, Walter Krögner ist gemeinsam mit Lina Wiemer Cialowicz einer der wenigen, der in der Politik offen mit seiner sexuellen Orientierung umgeht. Ich wünsche mir, dass es mehr Walter Krögners und Linas gibt. Dass es keine Rollespielt, welches Geschlecht man hat und wen man liebt! Und ich möchte heute auch ein Zeichen der internationalen Solidarisierung setzen und Unterstützung senden an all jene, denen bis heute in vielen Ländern der Welt ein gleichberechtiges und selbstbestimmtes Leben als Lesben, Schwule und Transgender verwehrt ist. Die von strafrechtlicher Verfolgung, Inhaftierung, Misshandlung und Folter oder sogar von der Todestrafe bedroht sind. So wie zum Beispiel in unserer Partnerstadt Isfahan.

Das soll aber nicht ablenken davon, dass selbst das weltoffene und tolerante Freiburg von heute keine diskriminierungsfreie „Insel der Seligen“ ist. Wenn Betty BBQ auf ihren Stadtrundgängen angegangen und beschimpft wird ist das nur ein Zeichen von vielen, dass wir auch hier in Freiburg noch einiges zu tun haben. Deshalb find ich ́s umso wichtiger, dass wir, auch wenn wir in diesem Jahr nicht wie gewohnt auf den Straßen und Plätzen demonstrieren können, hier in Freiburg ein Zeichen setzen.

Und ich bin froh, dass die Stadt im diesjährigen Jubiläumsjahr eine tolle Sichtbarkeitskampagne „Ich bin Freiburger_in“ unterstützt hat und 12 Freiburger_innen ihr Gesicht gegeben haben und eindrucksvoll über ihr Leben als gleichgeschlechtliches Elternpaar, lesbische Frau, schwuler Mann oder Transgender-Jugendlicher erzählt haben. Vielfalt macht stark und das ist gut so! Deshalb danke an alle Organisator_nnen vom CSD und setze darauf, dass wir hoffentlich im nächsten Jahr wieder gemeinsam, laut und bunt miteinander unter der Regenbogenflaggefeiernund diskutierenkönnen. Julia Söhne
(Stadt Freiburg. freiburg.de)

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