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Dank Brexit steigen die Löhne!

In Deutschland sind Parteien trunken vor billigen Arbeitskräften

Von WOLFGANG HÜBNER

Eine besonders heilige Kuh der EU ist die „Freizügigkeit der Arbeitnehmer“ innerhalb ihres Staatengebietes. Das riesige System der prekären Arbeitseinkommen in Deutschland wäre ohne massives Abmelken dieser Kuh in Gestalt von Billigarbeitskräften aus ärmeren und armen EU-Staaten überhaupt nicht möglich. Bis zum Austritt Großbritanniens profitierten auch die dortigen Unternehmen und Arbeitgeber in hohem Maße von dieser „Freizügigkeit“. Viele hunderttausend Osteuropäer aus Polen, Lettland und anderen Staaten waren nach der EU-Erweiterung 2004 auf die Insel gegangen, um dort mehr Geld als in der Heimat zu verdienen.

Seit dem Brexit und bedingt auch durch Abwanderung von Arbeitskräften wegen Corona haben viele Osteuropäer Großbritannien verlassen. Die damit verbundenen Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt der Insel veranlasst nun die deutschen Medien zu hämischen Kommentaren und Berichten. Damit wird der Eindruck erweckt, in dem ehemaligen EU-Mitglied gehe alles drunter und drüber. Doch das ist eine völlig übertriebene, ja böswillige Darstellung der dortigen Verhältnisse. Allerdings kommt es zu Störungen genau in den Sektoren mit schlechten Arbeitsbedingungen und sehr niedrigen Löhnen, zum Beispiel beim Gütertransport oder in Fleischfabriken.

Das hat zur Folge, dass die Durchschnittslöhne in vielen Sektoren so stark gestiegen sind wie schon lange nicht mehr. Eine unerfreuliche Entwicklung für Arbeitgeber, eine umso erfreulichere für Millionen abhängig Beschäftigter. Für deutsche Kommentatoren jedoch ist das ebenso ein unerhörter Verstoß gegen die sogenannte „ökonomische Logik“ wie erst recht der Appell des konservativen (!!) Premierministers Boris Johnson für höhere Löhne. Das hat ausgerechnet die Konservative Partei in einen ganz erstaunlichen Konflikt mit den britischen Arbeitgeberverbänden geführt. Denen wird nämlich jetzt von Tory-Ministern vorgeworfen, „trunken vor billigen Arbeitskräften“ zu sein.

In Deutschland hingegen sind alle Parteien, die derzeit um die Regierungsbildung feilschen, unverändert „trunken vor billigen Arbeitskräften“. Diese werden auch und nicht zuletzt deshalb aus dem Ausland gelockt, um die Löhne und Gehälter so zu senken, dass viele Menschen hierzulande kaum mehr die rasch steigenden Lebenshaltungskosten bezahlen können, von Vermögensbildung ganz zu schweigen. Es ist gut, dass der Brexit nun offenlegt, was sich hinter der vielgepriesenen „Freizügigkeit der Arbeitnehmer“ wirklich verbirgt: Lohndumping zuungunsten der Einheimischen.
(pi-news.net)

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