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Das Ende vom Lied

Skandal, Skandal: die dritte Strophe vom Ave Regina

(tutut) - "Skandal (Skandal) im Sperrbezirk - Skandal Skandal um Rosie" sang die bayerische Rock-’n’-Roll-Band "Spider Murphy Gang" 1981. Es war ihr einziger Nummer-1-Hit. Neue Deutsche Welle. Am Fuße des Dreifaltigkeitsbergs, noch kein Sperr-, wenngleich Meinungsmonopolbezirk,  werden andere Wellen gekräuselt von einer "Redaktionsleiterin", manchmal sogar "unterm Berg", die hin und wieder vor sich hin plätschern oder gar lauen Windhauch im Wasserglas ihrer Erzeugerin verursachen. Als ihre eigenen wohl schon unzähligen Nummer-1-Hits. Am 7. Juli war es mal wieder soweit. Kein Skandal im Sperrbezirk, sondern Bericht aus der Spaichinger Stadthalle. Skandal auch nicht um Rosie, sondern um Regina.

Zwei Strophen hat das Liedchen, welches im "Blauen Salon" dem Song vom "Heubergbähnle" Konkurrenz hätte machen können, wenn es das einstige Spaichinger Nachtkabarett mit  Apfelblüten-Kabinett noch gäbe zum Amüsement von Wiener Würstchen in der einstigen K- und K-Metropole an der schönen blauen Prim, soweit sie sich nicht vor dem Tageslicht in der Kanalisation versteckt. Versickerung überall.

Wie es in Märchen so zugeht, wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie noch heute auf das Ende vom Lied. Hat es sie so verstört, dass der Texterin zum Verrecken einfach die dritte Strophe nicht einfallen will? Als Qualitätsjournalistin mit linksgrüner Schreibseite scheint Regina Braungart nun eine Blockade ergriffen zu haben. Dabei hat sie Jugendlichen in einer nach Erwin Teufel noch zu dessen Lebzeiten benannten Berufsschule mal erklärt, was sie in Wirklichkeit umtreibt mit sich selbst: "Mit Journalismus die Welt erklären - Professioneller Journalismus ist wichtig in einer Demokratie: Das lernten die Berufsschüler bei einem Vortrag von Redaktionsleiterin Regina Braungart".

Wie klingt es nun, das Lied von der Wacht am Berg? 1. Strophe, 7. Juli 2020, mit gehörigem Corona-Abstand aus einer Gemeinderatssitzung in der Stadthalle: "Spaichinger FDP-Gemeinderat geht Ex-Kollegen im Streit 'an die Gurgel'“ Lesedauer: 7 Min Regina Braungart Redaktionsleiterin". Dann folgt eine Nacherzählung. Welterklärung, ohne selbst dabei zu sein.  Wird wohl das sein, was ihr Chef unter Qualitätsjournalismus versteht. Vergleichbar mit dem beschwerlichen Gang über eine Spaichinger Hühnerleiter, der unlösbaren Sisyphusarbeit Spaichinger Grüner und einer Welterklärerin.

"In der Pause zwischen öffentlicher und nichtöffentlicher Sitzung hat, so mehrere Quellen, Gemeinde- und Kreisrat Leo Grimm (FDP) seinen Kreistagskollegen und früheren Spaichinger Gemeinderat Hermann Polzer (Grüne) tätlich angegriffen. Der Grund: Polzer hatte ihn im Gespräch mit dem Blogger Jochen Kastilan aus Lahr fotografieren wollen". Seriöser Journalismus nennt seine Quellen und fragt Betroffene, wie beispielsweise ihren Vorgänger in der Redaktionsleitung während 20 Jahren, den sie sehr wohl nicht nur als "Blogger aus Lahr" kennt, sondern sogar in der Redaktion Gelegenheit hatte, eventuell etwas zu lernen. So aber setzt sie eine Zeitung in die Welt über ein Gespräch, das gar nicht stattgefunden hat. Zeitung heißt Nachricht und nicht Märchen, das aber geht bei ihr frei nach Gonzo so: "Und so stand Kastilian (wer Namen falsch schreibt, disqualifiziert sich selbst) mit Grimm gegen 21.45 Uhr im Gespräch nach der öffentlichen Ratssitzung beisammen". Aus welchen Quellen trinkt sie ihre Weltklärungen? Islam heißt Frieden, Holocaust in Spaichingen, was kommt als Nächstes?  Können der Verlag, der Chefredakteur erklären, was sie  unter Qualitätsjournalismus verstehen? Oder weiter so - bis wohin?

Wo hat sie, die Umstrittene, als Pausenfüller noch Zeilen geangelt und dabei übersehen, dass der Vorsitzende der Spaichinger Grünen und Kreisrat offenbar heimlich zwei Personen fotografieren wollte und dabei Geschubse wie auf dem Sportplatz auslöste, denn sein Versuch verstieß nicht nur gegen Anstand, sondern auch gegen §201a StGB: Fremde Personen zu fotografieren ist laut Gesetz verboten. Wieder einmal das Pferd von hinten aufgezäumt und rücklings bestiegen. Dabei war es mausetot. Ende ohne Geländer. Weiter im Text des freien Flunkerns einer Dichterin, frei von allem, was Journalismus ausmacht, ein Offenbarungseid: "Unter den Zuhörern auch der frühere Berater Leo Grimms im Landtag, der umstrittene Blogger, der Rentner Jochen Kastilan, der seit Herbst 2011 von Lahr aus das Spaichinger politische Geschehen auf seinem Blog aus der Perspektive des 'Schuhmacher-Lagers' kommentierte". Lieber Rentner  ohne arbeitsfreie Tage, als früh vergreist  auf Dümmlichkeitswettbewerben.  Da erklärt eine ihre eigene enge kleine Welt unterm kleinkarierten Spießergrünkäppchen , die mit der Realität nichts zu tun haben muss, denn sonst würde sie ja wohl vor dem Schreiben nicht nur nachdenken, sondern auch nachfragen. Recherche nennt das Journalismus, der sich Sorgfaltspflicht verpflichtet sieht.

Was sie nicht gesehen hat, worüber sie aber schreibt, dafür benennt sie Zeugen wie den Fraktionsvorsitzenden der Grünen oder gar den neuen Bürgermeister, dem kurz zuvor eine ganze Seite "Sonderveröffentlichung" gewidmet wurde. Und er, am anderen Ende der Stadthalle, hat auch, hoppla!, was gesehen: "Bürgermeister Hugger sagte auf unsere Anfrage, er habe vorne im Saal gesessen, als die laute und emotionale Auseinandersetzung los ging, weshalb er nichts detailliert gesehen hatte".

Nachdem das alles in der Zeitung stand, hat er auch was gelesen, und schon ist es da, das alte Problem mit sogenannten Zeitzeugen. Denn im Anzeigenblatt "Südfinder" der Schwäbischen Zeitung, deren Redaktionshalterin in Spaichingen die Schreiberin ist, erinnerte sich der Bürgermeister, veröffentlicht am 15.Juli, plötzlich genau an das, was er nicht gesehen, pardon: gesehen hatte:  "..Hugger habe das Geschehen von seinem Platz aus verfolgt, sagt er.."

Und nun zur zweiten Strophe des Lieds von Regina Braungart, veröffentlicht am 17. Juli, mit Portraitfoto, ohne den Betroffenen dazu offenbar zu befragen, was Gerichte inzwischen bei einstweiligen Verfügungen mit saftigen Strafen belegen, weil dies als Verstoß gegen journalistische Regeln geahndet wird: "Nach dem Zwischenfall im Gemeinderat kommt auf Leo Grimm ein Ermittlungsverfahren zu. Lesedauer: 2 Min Regina Braungart Redaktionsleiterin - Die Staatsanwaltschaft hat nach Kenntnis der Berichterstattung dieser Zeitung vom 8. Juli ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung gegen den Spaichinger FDP-Stadt- und Kreisrat Leo Grimm eingeleitet". Haben Leser*in gut aufgepasst? "...nach Kenntnis der Berichterstattung dieser Zeitung vom 8. Juli". Lesen die jeden Tag in Rottweil das Spaichinger Blatt, oder war da jemand so freundlich, und hat Lesehilfe geleistet?

Die Tage und Monate gehen, der Winter kommt, Ende Oktober ist's, und noch immer ertönt nicht Reginas Ave als dritte Strophe. Erst Skandal, Skandal in Spaichingen,  mutmaßlches Geschrei und Geschrieb von Grünschnäbeln - und nun das: Nix. Keine Nachfrage. Denn sonst wüssten Zeitungsleser mehr und würden  mit der Nachricht aller Nachrichten bedient: Die Staatsanwaltschaft hat die
Ermittlungen eingestellt. Wer aber will das denn wissen? Passt nicht!

Nun alle zusammen das Lied, o Heimat, welches einst Regina Braungart hat gesungen:
"Liebe Leute, wir haben so ein ruhiges Städtle, so schöne Dörfer, so eine begnadete Lebensqualität. In der sollen wir baden und sie genießen und: dankbar sein".

Danke, Danke, Danke! Zeitung? "Es wär' so schön gewesen,
es hat nicht sollen sein". Ein letztes Halali nicht nur vom Grüselhorn aus Lahr als NBZ, sondern auch vom Trompeter vom Säckingen. Normalerweise ist jeder Ton hier zu viel für Gewäsch diverser Art,  doch noch immer soll es Leute geben, die für Wahrheit halten, was in der Zeitung steht und bezahlen das sogar.

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