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Das neue deutsche Bilderverbot

Wenn Trauer ein Gesicht bekommt

Von WOLFGANG HÜBNER

Seit 2015 ist bekannt, dass Angela Merkel lieber die deutschen Grenzen für hunderttausende Migranten aus aller Welt öffnet als „unschöne Bilder“ zu riskieren. Spätestens seit dem terroristischen Berliner Weihnachtsanschlag 2016 wissen wir auch: Bilder von den Opfern islamischer oder migrantischer Gewalttaten in Medien und im Netz sollen nach Möglichkeit, zur Not auch unter Repressionsandrohung, verhindert werden.

Begründet wird das in der Regel mit dem Hinweis, es sei Rücksicht auf die Gefühle der Angehörigen zu nehmen. So argumentieren besonders gerne Politiker, die ansonsten gar nicht genug Bilder von sich verbreitet sehen möchten.

Nun ist Rücksicht auf die Gefühle der Angehörigen eines Verstorbenen allemal geboten und zu respektieren. Wenn allerdings in Würzburg etliche Menschen von einem Messermörder angegriffen und dabei drei Frauen einen schrecklichen Tod erleiden, gibt es selbstverständlich nicht nur eine öffentliche Anteilnahme an der Tat, sondern auch ein zutiefst menschliches Interesse an denjenigen, die zu Opfern wurden. Menschen wollen nicht nur eine Zahl erfahren, nämlich die der Ermordeten und Verletzten, sondern auch deren Gesichter sehen, deren Namen kennen.

Das hat nichts mit Sensationsgier zu tun, sondern mit dem Bedürfnis, Betroffenheit und Trauer sinnlich zu intensivieren. Dass Betroffenheit und Trauer sich beim Anblick der Bilder aus Lebzeiten der nun Toten verstärkt, dass auch Wut und Zorn auf die Mordtat damit wächst, ist einer schlichten Tatsache geschuldet: Menschen sind emotionale Wesen. Gerade Politiker leben von Emotionen, spielen damit, manipulieren sie zum eigenen Vorteil. Sie kennen also die Macht der Bilder gut genug, um sie auch zu fürchten. Und sie fürchten offenbar die Bilder der Opfer in Würzburg und anderswo.

Nur so lässt sich erklären, dass die „Polizei Unterfranken“ die Verbreitung des Fotos der Traueranzeige für das jüngste, knapp 25-jährige Würzburger Opfer Stefanie W. in den sozialen Netzwerken als „nicht richtig“ und „nicht hilfreich“ (!!) bezeichnet.

Denn die Anzeige war mit einem Bild der hübschen, lebensfrohen Stefanie versehen. Die Angehörigen waren es also, die ganz bewusst der am Mittwoch beerdigten Stefanie ein Gesicht geben wollten. Das Foto der Anzeige wurde inzwischen millionenfach verbreitet, ebenso das Gesicht einer anderen ermordeten Frau in der BILD-Zeitung.

Für Angela Merkel mag das „nicht hilfreich“ sein. Und für den politisch abhängigen Chef der „Polizei Unterfranken“ auch nicht. Doch wir Davongekommenen sind dankbar für das Bild. Denn es gibt unserer Trauer ein Gesicht. Wer das fürchtet, verdient unsere Verachtung.
(pi-news.net)

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