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Das Zittern der Globalisten

In der Not haben nationale Bedürfnisse Vorrang vor internationalen Verpflichtungen oder Geschäften

Von WOLFGANG HÜBNER

Vor nichts haben die Profiteure und Ideologen des Globalismus mehr Angst als vor der Blamage ihrer vermeintlich besten Legitimation als die wahren Menschheitsfreunde: nämlich den Vorteilen ihrer Ökonomie. Denn die globalistische Ökonomie befreie ja immer mehr Menschen aus größter Armut, mache viele Waren billiger und verknüpfe Nationen und Kulturen durch ein Netz wirtschaftlich vorteilhafter Beziehungen ständig stärker.

Das verringere, so wird verbreitet, die Gefahr von internationalen Konflikten oder gar Kriegen, helfe gegen „Klimawandel“ und Pandemien. Natürlich, das wird durchaus nicht verschwiegen, gebe es dabei auch Verlierer. Doch insgesamt sei der Gewinn aus der globalistischen Ökonomie für die Mehrheit der Menschheit größer.

Keine dieser Behauptungen löst bei näherer Prüfung unangefochten das ein, was sie verspricht. Denn in immer stärkerem Maße spaltet die Globalisierung Gesellschaften auf der ganzen Welt in wenige Gewinner und viele Verlierer; verursacht die Produktion und der Transport von Waren einen hohen ökologischen Preis; werden gewachsene nationale und kulturelle Identitäten erschüttert und zerstört; wachsen die Spannungen zwischen Staaten mit konkurrierenden ökonomischen und militärischen Interessen. Und nun, in der weltweiten Viruskrise, erweisen sich sogar globale Lieferketten als höchst anfällig.

Dazu reicht auch noch ein gigantisches Containerschiff, das sich im Suezkanal quer stellt und diesen blockiert, um die ganze, fein ausgefädelte Logistik des Warentransportes durcheinander zu bringen. Immerhin lässt sich solch ein unliebsamer Zwischenfall mit erheblichem Aufwand beheben. Doch der von der Virusangst provozierte Beweis der faktischen Brüchigkeit der internationalen Lieferketten wirft einen tiefen Schatten auf die angeblich größte Errungenschaft der globalen Ökonomie.

Keine Einbahnstraße, sondern Sackgasse
Wenn „billig, noch billiger“ und „just in time“ nicht mehr funktionieren, dann steigen zum Beispiel erst die Erzeugerpreise in Deutschland stark an, automatisch gefolgt von den Verbraucherpreisen. Und dann müssen plötzlich nagelneue Qualitätsautos berühmter deutscher Marken mit unvollständiger, noch nachzuliefernder Elektronik auf den Markt gebracht werden. Denn gerade in der Viruskrise hat sich gezeigt: In der Not haben nationale Bedürfnisse Vorrang vor internationalen Verpflichtungen oder Geschäften. Das ist auch normal und gut so. Doch für die Globalisten stellt das eine Todsünde dar.

Denn wenn Staaten und Nationen erkennen, wie verletzbar sie ökonomisch sein können und dass mit der Globalisierung schwere kulturelle und soziale Verwerfungen verbunden sind, dann lassen sich Fragen oder gar Bewegungen nicht mehr unterdrücken, die eine ganz andere Welt wollen. Selbst die auf massiven Außenhandel getrimmte deutsche Ökonomie kann dann in Legitimationsnot geraten: Welchen Nutzen bringen all die Exporterfolge, wenn die Renten im internationalen Vergleich ebenso schlecht dastehen wie Durchschnittsvermögen und Wohneigentum? Und mit dem Massenexport billiger, aber kaum integrierbarer Arbeitskräfte die Homogenität der Bevölkerung, eine sehr wichtige Produktivkraft, zerstört wird?

Ohne Zweifel gibt es nicht wenige Deutsche, die von der Globalisierung großen und größten Gewinn haben (bzw. zu haben glauben). Aber sie fühlen nicht weniger Grund zum Zittern wie die oft von ihnen korrumpierten Ideologen und Lobredner der Globalisierung. Denn diese Globalisierung, das erweist sich nun, ist keine Einbahnstraße, sondern wahrscheinlich eine Sackgasse mit einer massiven Mauer am Ende.
(pi-news.net)

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