Springe zum Inhalt

Auf der Straße der Bausünden

Flachdachmanie in Spaichingen ist keine neue Krankheit


Wer hat neben dem historischen Amtsgericht (links) diesen Klotz zu verantworten? Auf der Lücke rechts daneben stand ein denkmalgeschützes Gebäude, das wie viele Baudenkmäler das Zeitliche gesegnet hat. Hier hat die "Lebenshilfe" vor, zu bauen: mit Flachdach?
(tutut). "Bebauungspläne im heutigen Sinn gab es früher nicht. Es wurden lediglich die Baufluchten entlang  der Straße in Stadtbauplänen festgelegt.  Die in langer Handwerkstradition entwickelten wenigen Haustypen mit ihren ortstypischen Detailausbildungen führten ohne weitere Vorschriften dazu, dass jedes Gebäude zwar individuell gestaltet war, sich aber gleichzeitig harmonisch in das Gesamtbild einfügte", schreibt der frühere Stadtbaumeistrer Hans Klugmann in der "Spaichinger Stadtchronik.

Das moderne Gebäude der Sparkasse (links) muss sich nicht verhüllen, denn es ist architektonisch durchaus in die vorgegebene Bebauung der Hauptstraße eingepasst worden. Was von dem älteren Haus daneben, in dem die Deutsche Bank residiert, nicht gesagt werden kann. Es verschandelt das ganze alte Stadtzentrum mit der Pfarrkirche.
Etwaige "Ausreißer" hätten seinerzeit der "Bau-und Feuerschauer" und später der Stadtbaumeister verhindert, welcher an der  Palnung aller Gebäude beteiligt gewesen sei. Sein Votum habe eine Gestaltungssatzung ersetzt. Notfalls sei die Baugenehmigung unter gestalterischen Auflagen erteilt worden.

Ein Klotz aus der Vergangenheit, dessen Jahre auch shcon gezähltsein dürften, falls sich ein Käufer findet. Bisher ist hier auf dem einstigen Gelände der Klavierfabrik Sauter ein Hotel im Gespräch.
Erst Mitte des 20.Jahrhunderts, so Klugmann in seiner geschichtichen Betrachtung über die bauliche Entwicklung Spaichingens, seien Gestaltungsvorschriften und detaillierte Bebauungspläne erforderlich geworden, "und zwar umso mehr, als sich das Bauen von der ursprünglichen Handwerkstradition entfernte und zudem ganze Neubauviertel auf der grünen Wiese entstanden".

Hier ist schon vor längerer Zeit eine Industriebrache bebaut worden: Es geht auch ohne Flachdach.
Nun, so der Hans Klugmann, sei Stadtplanung notwendig geworden, "um die Funktionsfähigkeit der Erschließung und die Geschlossenheit des Gesamtbildes zu sichern".
Was die Neubaugebiete Spaichingens betrifft, mag dies zwar stimmen, wenngleich heutige Neubaugebiete nach den Worten eines internationalrenommierten Stadtplaners als die "Sanierungsgebiete der Zuknft" gebrandmarkt worden sind. Wer heute einen Friedhof besucht, wird aber unschwer Parallelen zur Baukunst in Neubaugebieten feststellen können.
Was aber die "ortstypische" Gestaltung der historisch gewachsenen Spaichinger Hauptstraße betrifft, muss irgendwann der Blick hierfür verlorengegangen sein. Es ist eine Straße der Bausünden geworden, an der weiter fleißig gewerkelt wird. Die Flachdachmanie erreicht zur Zeit gerade einen neuen Höhepunkt.