Springe zum Inhalt

„Der deutsche Untertan“

Von der Entwöhnung des eigenen Denkens

(www.conservo.wordpress.com)

Von Peter Helmes

Es gibt eine Unzahl von Büchern, gute, spannende oder langweilige. Bei den meisten darf man getrost feststellen: Lesen lohnt nicht! Umso mehr verdienen Bücher Aufmerksamkeit, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das aber gilt nur für die wenigsten, nämlich diejenigen, die man nicht mehr aus der Hand legen möchte – gerade auch, wenn es sich um „Sachbücher“ handelt.

Mit seinem neuen Buch „Der deutsche Untertan“ ist Josef Kraus, ehemaliger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, ein solches Werk gelungen. Es ist verständlich geschrieben, in bestem Deutsch verfaßt, hat Tiefgang und „nimmt den Leser mit“ – will heißen: Man möchte gar nicht aufhören zu lesen. Kraus schreibt über ein Thema, das zwar schon viele andere Autoren beschäftigt hat, aber ihm gelingt es unübertrefflich, den geistigen Übergang, ja Umbruch unseres Landes, von einer Demokratie zur Demokratur so treffend zu beschreiben, daß jeder, der aufnahmefähig und -willig ist, die Probleme versteht.

Das Buch ist außerordentlich sorgfältig geschrieben, mit 544 Fußnoten für 314 höchst beachtenswerte Textseiten – und schon damit ein Werk, das Vorbildcharakter hat. (Man denke nur an A. Baerbocks zusammengestümpertes Œvre.)

Kraus ist zwar Lehrer von Beruf, aber er belehrt nicht, sondern diagnostiziert, woran unser Land derzeit – und schon seit Längerem – krankt. Das beginnt beim nahezu sprichwörtlichen deutschen Untertanengeist – schon Heine, Tucholsky u.v.a. schrieben darüber –, der gepaart ist mit einem Verlust eines antitotalitären Grundkonsenses und der letztlich in der politischen, linksgesteuerten Praxis beim Entzug demokratischer Freiheiten endet, gefördert durch eine scharfe Intoleranz der sich selbst als tolerant Empfindenden. Die freie Meinung ist einem „allgemeinen Meinungsdiktat“ unterworfen.

Die Mitwirkenden an diesem Meinungsdiktat sind links zu verorten: eine erdrückende Vielzahl der Medien, der Politiker, der Kirchen sowie der NGOs – also der „Influencer“ und Meinungsmacher. Das Ergebnis ihrer Wühlarbeit, ihrer maßlosen Freude an Vorschriften und Verboten, ist eine „cancel culture“, wie wir sie noch nicht gekannt hatten. Somit ist die eigentlich nötige Eigenverantwortung einer allgemeinen Bevormundung gewichen.

Krankes deutsches Bildungssystem
Unsere Bildungspolitik, und damit unsere Bildungslandschaft, sind von dieser Entwicklung in verheerendem Ausmaß betroffen. Das deutsche Bildungssystem hat unübersehbare Schwächen und schwächelt immer stärker. Die „allgemeine Hochschulreife“ z.B. umfaßt offenbar mitnichten mehr die Beherrschung der deutschen Sprache, schon gar nicht der Rechtschreibung. Und nur herzinfarktwilligen Sprachliebhabern kann ich die Lektüre verschiedener Blogs empfehlen: Den oft guten Inhalten steht ein geradezu unglaubliches Deutsch gegenüber, und das auch von Akademikern. Und so geht das täglich, nicht nur im Rundfunk oder in Blogs. Merke: Wer mit seiner Sprache schlampig umgeht, geht auch mit seiner Heimat so um. Aber das paßt dann wieder zu den Gutmenschen!

Gleichmacherische Bildungsamateure
„Wie der Herr, so´s Gescherr“, sagt der Volksmund. Vorsichtig geschätzt darf man davon ausgehen, daß rund Zweidrittel unserer Lehrer der linksgrünen Güteklasse angehören. Vielleicht sind zehn Prozent noch „normal“ (dem Rest ist alles wurscht). Einige dieser „normalen“ Pädagogen bestätigen übereinstimmend die Probleme im Unterricht und den verheerenden Einfluß gleichmacherischer Bildungs-Amateure. Wären es doch wenigstens nur Amateure! Aber es sind Hasardeure, die unserer Jugend das Wichtigste wegnehmen bzw. vorenthalten: eine gute Bildung!

Die Folge der Entwicklung sehen wir seit Jahren überdeutlich, in zunehmender Intensität: „An ihren Früchten kann man sie erkennen“ – ein un- oder kaum gebildetes Volk kann keine großen Werke vollbringen, ihm mangelt es an Vorausschau und Mut. Das ist der Boden, auf dem „Untertanen“ gedeihen.

Dieser Geist fördert nicht selbstständig denkende Menschen, sondern ist Humus für einen weit verbreiteten Untertanengeist. Kraus bietet einen auch weit zurückgreifenden Überblick über die Entwicklung des Untertanentums, und gar mancher Leser wird sich dabei wiederfinden, so er sich eine Spur selbstkritischen Geistes bewahrt hat. Kraus legt die Misere schonungslos, aber niemanden verletzend, offen.

Kraus – und das ist ein besonderer Nutzen seines Werkes – beläßt es nicht bei der Kritik. Er zeigt ebenso deutlich die Lösungsansätze, die einen Mentalitätswandel voraussetzen: Freiheit, Eigenverantwortung und Unternehmertum! Dies ist zugleich ein Weckruf gegen Realitätsverweigerung und Denkfaulheit, der uns aus der Lethargie reißen soll, ja muß.

Dieses Buch werde ich gewiß nicht wieder aus der Hand legen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.