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Der Kanzlerkandidat des Zentralorgans

FAZ favorisiert Markus Söder

Von WOLFGANG HÜBNER

In den letzten Wochen konnten die drei CDU-Kandidaten für den künftigen Parteivorsitz auf jeweils einer ganzen Seite in der FAZ ihre Vorstellungen präsentieren. Eine spannende Lektüre war das nicht, denn weder Friedrich Merz noch Armin Laschet noch Norbert Röttgen wollten bei ihrer inhaltlichen Präsentation im linksliberal abgerutschten Zentralorgan des deutschen politisch-ökonomischen Machtkomplexes zu viel Profil riskieren.

Derweil leistete in Bayern ein Nichtkandidat ununterbrochen Überstunden darin, sich dem maskierten und verängstigten Publikum als starker Mann zu empfehlen. Das hat seine Wirkung auch in der sich selbst als „Zeitung für Deutschland“ anpreisenden FAZ nicht verfehlt: Am Mittwoch wurde im Leitartikel unter dem Titel „Der vierte Mann“ Markus Söder recht unverblümt als geeigneter Kanzlerkandidat der Union publizistisch in Stellung gebracht.

Das ist kein nebensächlicher Vorgang, der nur einer Vorliebe bestimmender Kräfte in der FAZ zuzuordnen wäre. Tatsache ist vielmehr, dass im deutschen Machtkomplex damit nicht nur eine Vor-, sondern auch eine Richtungsentscheidung getroffen wurde. Merkels Nachfolger soll nicht der unzeitgeistige Friedrich Merz, nicht der zu schwammige Armin Laschet und auch nicht der steife Norbert Röttgen werden, sondern der opportunistische Scharfmacher Markus Söder, am liebsten zusammen mit einem Vizekanzler Robert Habeck. Diese Entscheidung, die eine Linke, wenn es sie in Deutschland noch gäbe, als eine des „Kapitals“ brandmarken würde, ist allerdings problematisch.

Denn im Gegensatz zu den drei CDU-Kandidaten, von denen nur einer, nämlich Merz, unbedingt auch Kanzlerkandidat werden will, ist die Präferenz für Söder nicht ohne Risiko und Nebenwirklungen. Der Corona-Einpeitscher und Impfzwang-Befürworter Söder wird nämlich weit mehr als seine CDU-Rivalen polarisieren und spalten. Für alle Merkel-Feinde wäre ein Kanzler Söder gewiss die Pest nach der nur mühsam überstandenen Cholera. Und für wirtschaftsliberale und konservative Kreise dürfte es einige Überwindung bedeuten, sich für jenen Politiker zu erwärmen, der von Beginn seiner Karriere an nur eine einzige nie geänderte Überzeugung demonstrierte: die von der eigenen Bedeutung und Berufung zur Macht.

Doch genau so einen glaubt der deutsche Machtkomplex jetzt zu brauchen. In den kommenden ökonomischen und gesellschaftlichen Turbulenzen wird ein harter, wendiger und von keinen hinderlichen Skrupeln oder gar ethischen Prinzipien angekränkelter Politiker an der Spitze benötigt. Da stört es offenbar auch nicht mehr, dass Söder einen erkennbar unseriösen Hang zur arroganten Selbstüberschätzung und auch zum Vernichtungswillen gegenüber politischen Gegnern hat. Die bayerische AfD, aber auch Kräfte in der CSU, können ein Lied davon singen.

Immerhin hat nun Friedrich Merz die Gefahr realisiert. Seine jüngsten Äußerungen zu den gigantischen Hartz IV-Kosten für Merkels Gäste und zu seiner Art, Weihnachten im Zeichen von Corona zu feiern, kann zumindest als Versuch gewertet werden, dem neuen Grünen-Fan Söder Paroli zu bieten. Doch wenn er das Rennen um die Kanzlerkandidatur noch gewinnen will, muss Merz sich nicht nur gegen fast die gesamten auf Linie gebrachten Medien mit der FAZ an der Spitze durchsetzen, sondern nun auch politisch voll ins Risiko gehen. Eigentlich eine „Mission Impossible“.
(pi-news.net)

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