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Der Retter der Enterbten?

Badische Zeitung hält Guido Wolf für CDU-Hoffnungsträger

(tutut). Klar, unter Blinden ist der Einäugige König. Unumstritten war der Tuttlinger Landrat und MdL Guido Wolf (wer?) nicht, als es darum ging, schnell für den schillernden Willi Stächele einen Ablöser zu finden, nachdem dessen Aktivität  bzw .Passivität beim EnBW-Aktien-Rückkauf als verfassungswidrig eingestuft worden war. In einer 60 Jahre regierenden Partei ist es nach deren Entmachtung allerdings schwierig,  jemand zu finden, der vorzeigbar ist, ohne dass vielleicht irgendwo irgendwelches Belastungsmaterial herumliegt.
Also kam man auf ein unbeschriebenes Blatt, zumindest für den Landesrest außerhalb Tuttlingens. Plötzlich wird ein Landtagspräsident mangels anderer Alternativen zum Geheimtip oder, wie die Badische Zeitung schreibt, zum "raren Hoffnungsträger" der CDU. Guido Wolf als Retter der Enterbten?  Dies ändert nichts daran, dass Landtagspräsident nur ein Landesgrüßaugust ist, weit unter der politischen Macht eines Landrats selbst von Tuttlingen, auch wenn die Schwäbische Zeitung als Hauspostille nicht müde wird, den MdL ständig als Landtagspräsidenten zu handeln, selbst wenn er sich nur unter Narren mischt. Irgendwann, wenn Wolf die Dinge nicht klarstellt, könnte der öffentliche Missbrauch des Präsidentenamtes für einen MdL Rücktrittsforderungen auslösen.
Nun also gibt die Badische Zeitung, die sich zur Propagandaplattform von Grün-Rot gewendet hat, Guido Wolf Platz zur Darstellung. Welche Hoffnungen sieht die BZ durch ihn, "eine der überraschendsten Karrieren der jüngeren Landespolitik" geweckt, außer dass er Gedichtle schreibt und sie Schülern in Fridigen vorträgt? Immerhin ist Wolf kürzlich erst auch schon 50 Jahre alt geworden. "Noch zu Beginn dieser Legislaturperiode war Wolf bei der Wahl für den Vorsitz des CDU-Arbeitskreises Innenpolitik einem Parteifreund unterlegen. Als dann Ersatz für den zurückgetretenen Landtagspräsidenten Willi Stächele benötigt wurde, schlug seine Stunde - nicht zuletzt, weil neben Stächele auch alle anderen Mitglieder der Regierung Mappus wegen des EnBW-Deals als 'verbrannt' galten", schreibt die BZ und stellt fest: "Nun, nach knapp 100 Tagen im Amt, stellen sich Parteistrategen sogar die Frage, ob das protokollarisch zweithöchste Amt im Land Wolfs letzte Karrierestation sein muss".
Dass er geschildert wird beim Auftritt in einer Klasse in Frdingen, wo der Rektor ihm als "einen von uns" schmeichelt, geschenkt. Die BZ: "Der Jurist mit der markanten Brille galt in Planspielen der CDU lange als Außenseiter. Er spielte darin, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Nebenrolle, weil er keiner parteiinternen Gruppierung klar zuzuordnen ist. Doch das Bild wandelt sich. Was vor der CDU-Wahlschlappe als Schwäche galt, kommt ihm nun zugute - der Ruf, keinem Lager verschrieben zu sein". Das mit dem Einäugigen hatten wir ja schon. Seine innerparteiliche Aufgabe sehe er auch darin, "zwischen den uns zugedachten Lagern zu integrieren", schreibt das Blatt. Es folgt eine websitebekannte Lebensgeschichte ohne besondere Höhen, und der Hinweis, er wolle eigene Akzente setzen. Wer sagt dies in der Politik nicht?
Worin liegt nun die CDU-Hoffnungsträgerschaft des kleinen Unbekannten aus Tuttlingen? Darüber verschreibt sich die BZ Spekulationen: "Es gibt Parteigänger, die ihn mit dem Präsidentenamt für ausreichend gefordert halten. Aber es gibt auch jene, die in Wolf neben Hauk und Parteichef Thomas Strobl einen potenziellen Spitzenkandidaten für die Wahl 2016 sehen. Zumal, wenn es erneut gegen Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann gehen sollte, der auch wie ein Bürgerpräsident auftritt und sich so den Oppositionsangriffen bisher erfolgreich entzieht".
Irgendwie verlaufen sich dann Zeitung und Wolf in dessen Revier: "Er will über den Parteien stehen und zugleich seiner Partei helfen". Ob die BZ einem neuen Politikmärchen auf der Spur ist? Oder haben wir es nur mit einer Zweitausgabe von Grimms Märchen zu tun, wo der Wolf Kreide zur Hilfe nimmt beim Versuch, Geißlein zu fangen? Eine Maske mit einem Wolfskopf kann ihm da allerdings nur hinderlich sein.

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