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Der Staat auf der Anklagebank

Hanau, Würzburg und der entscheidende Unterschied

Von WOLFGANG HÜBNER

Völlig zu Recht werden von vielen Menschen die sehr unterschiedlichen politischen und medialen Reaktionen auf die Mordtaten in Hanau am 19. Februar 2020 und Würzburg am 25. Juni 2021 kritisiert. Die Tat von Hanau, von einem 43-jährigen Deutschen auch mit dem Mord an der eigenen Mutter begangen und mit Selbstmord abgeschlossen, gilt als „Rechtsterrorismus“, der „Rassismus“ in Deutschland bezeugen soll. Die Messermorde in Würzburg, von einem abgelehnten Asylbewerber aus Somalia begangen, werden als bedauerliche Tat eines psychisch gestörten 24-jährigen Mannes bezeichnet.

Die Angehörigen der Hanauer Tat erhalten vom Land Hessen hohe Entschädigungen. Die Angehörigen der Würzburger Tat werden wahrscheinlich darauf verzichten müssen, denn das Massaker soll keinen terroristisch-islamischen Hintergrund gehabt haben. Und die Hanauer Opfer haben allesamt Namen und Bilder, für die Würzburger Opfer sind Namen und Bilder offiziell unerwünscht (siehe Video hier). Höchste staatliche Repräsentanten haben sich vielfach und anklagend zu der Hanauer Tat geäußert, zu der Würzburger Tat gibt es nur eisiges Schweigen oder allgemeine Trauerformulierungen.

All das ist ebenso erschreckend wie empörend. Doch dabei tritt der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Ereignissen in den Hintergrund: Die Schuldfrage. Die Beantwortung dieser Frage steht mittlerweile bereits so gut wie fest, soll aber tunlichst nicht analysiert und auch besser nicht diskutiert werden. Grund genug also für einen näheren Blick darauf. Zuerst Hanau: Den umfangreichen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zufolge handelt es sich bei dem zehnfachen Mörder um einen Einzeltäter ohne Mittäter oder gar rechtsextremistisches Netzwerk. Sein Vater war bekanntlich sogar bei den Grünen Wahlkandidat gewesen.

Ein Fall von vollständigem Staatsversagen
Die Tat war offenbar die tödliche Konsequenz aus einer jahrelang gewachsenen individuellen schweren Psychose mit ausländerfeindlicher Prägung, die vor der Tat niemand diagnostiziert hatte und wohl auch niemand feststellen konnte. Hätte der Täter überlebt, wäre ihm Schuldunfähigkeit gewiss gewesen. Das alles macht nichts an den Morden besser, aber macht auch die Opfer nicht zu Märtyrern von deutschem „Rassismus“. Nun also Würzburg: Auch der junge Somalier ist wahrscheinlich psychisch so gestört, dass eine Schuldunfähigkeit ebenfalls wahrscheinlich ist. Bei der Schuldfrage ist das aber nicht der Hauptaspekt. Denn dieser Fall ist ein Fall von vollständigem Staatsversagen!

Versagt haben der Bund, das Land Bayern und die Kommune Würzburg. Versagt haben die Justizbehörden, versagt hat auch der Teil der Deutschen, der 2015, als der Würzburger Täter nach Deutschland gelangte, die „Willkommenskultur“ gefeiert, aber bald an vielen der „Willkommenen“ jedes Interesse verloren hat. In einer hervorragenden Recherche der FAZ-Redakteurin Karin Truscheit mit dem Titel „Kein Angriff aus heiterem Himmel“ (leider nach zwei Absätzen hinter Bezahlschranke), aktualisiert am 8. Juli 2021, wird akribisch dieses Versagen nachgewiesen. Und es wird leider auch deutlich: Niemand in Politik, Polizei und Justiz wird sich verantwortlich fühlen, niemand wird für den Tod von drei Frauen, den schweren Verletzungen der anderen Opfer, niemand wird für das unsägliche Leid der Angehörigen schuldig gesprochen werden. Und zwar deshalb, weil der deutsche Staat auf der Anklagebank sitzen müsste!
(pi-news.net)

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