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Die deutschen „Funktionseliten“

Verantwortungslos, planlos, maßlos und mutlos

(www.conservo.wordpress.com)

Ein Jahresrückblich 2018 von Dieter Farwick BrigGen a.D. und Publizist )

In den letzten Tagen des turbulenten Jahres 2018 wird von besorgten Staatsbürgern die Frage nach den tieferen Ursachen des erkennbaren deutschen Niedergangs gestellt. Dabei geht es nicht primär um Zahlen – wie z.B. dem tiefsten DAX-Stand seit zwei Jahren. Wenn man die Sonde tiefer ansetzt, erkennt man den Paradigmenwechsel, der sich in Deutschland seit Jahren stetig entwickelt hat und sich zur Zeit rasant ausbreitet: Der Wechsel von der Verantwortungsethik zur Gesinnungsethik in nahezu allen Berufsfeldern und in fast allen Lebensbereichen.

Der Verfasser hat 39 Jahre als Berufsoffizier in einem beruflichen Umfeld gelebt und gearbeitet, in dem die Aussagen der Beurteilenden zu „Verantwortungsbewußtsein“, „Verantwortungsfreude“ und „Entscheidungsfreude“ eine wegweisende Rolle gespielt haben. Wer in diesen und anderen relevanten Kriterien – wie z.B „Menschenführung“ – keine Spitzenwerte in den im Abstand von zwei Jahren von verschiedenen Vorgesetzten in unterschiedlichen Verwendungen schriftlichen Beurteilungen erzielte, hatte kaum Chancen auf Spitzenverwendungen mit aufsteigender Verantwortung. Das ist ein nostalgischer Rückblick auf klar erkennbare Charakter- und Führungseigenschaften mit bekannten Messlatten.

Heute gewinnt man zu häufig den Eindruck, dass es den Vertretern der Funktionseliten weniger um die Sache, sondern mehr um die eigene Karriere mit hohem Gehalt und hohen Boni.

„Generalisten“ stellten die Mehrheit in der militärischen Führungsspitze. Sie mussten „Spezialisten“ führen können – mit Hilfe der „ Auftragstaktik“, die Ziele vorgab, dem Ausführenden jedoch das „Wie?“ weitgehend überließ. Eine Führungsphilosophie, die nach dem 2.Weltkrieg auch in der deutschen Wirtschaft mit Erfolg praktiziert wurde.

Die Delegation von Aufgaben verlagert jedoch nicht die Verantwortung des Auftraggebers nach unten. Seine Verantwortung ist unteilbar.

Innerhalb von Behörden und zwischen Behörden hat sich ein Krebsgeschwür gebildet: Die weit gestreute Zuständigkeit, die auch der Rückversicherung dient, ist häufig nicht an Verantwortung gekoppelt. Im Falles des Mörders vom Breitscheidplatz im Dezember 2017 , Amri, soll es ca. 20 verschiedene Behörden in Bund und Ländern gegeben haben, die die Ermordung von 12 unschuldigen Weihnachtsmarktbesuchern und zahlreichen Verletzten nicht verhindert haben, weil sie zwar zuständig waren, jedoch keine Verantwortung gefühlt haben, das Gesetz des Handelns zu ergreifen.

In den letzten Jahren kommt ein weiterer Grund für das Wegducken hinzu: Die ausufernde Politisierung der Beamten und Angestellten, die das Primat der Politik als Diktat verstehen, was zum vorauseilenden Gehorsam oder zur Passivität führt.

Nach diesen einleitenden Bemerkungen sollen die Auswirkungen an einigen besonders markanten Beispielen aufgezeigt werden. Diese Liste kann beliebig ergänzt werden:......(Lesen!)

Zusammenfassung und Ausblick
Wer hat die Verantwortung für diese unsägliche Situation in Deutschland übernommen? Deutschland hat bei der Aufnahme und Integration der Asylbewerber in den ersten Arbeitsmarkt versagt. Kein Politiker und kein hoher Beamter der Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern sind zur Verantwortung gezogen worden. Auch niemand hat sie aus Schuld- und Schamgefühl aus eigenem Entschluss übernommen.. Die weit gestreute „ Zuständigkeit“ vernebelt die Verantwortung. Noch arbeiten zahllose Kommissionen daran, Licht in das Dunkel zu bringen.

Was ist getan worden, um auf einen erneuten Massenansturm von Asylanten und Flüchtlingen nach Deutschland vorbereitet zu sein? Es gibt glaubwürdige Horrorzahlen, die weit über die Zahlen von 2015 und 2018 hinausgehen. Wer ist für dieses Versagen wieder verantwortlich? Die Bundesregierung und die nachgeordneten Behörden.

Die Hauptverantwortlichen der letzten Misere sind heute weitgehend noch im Amt mit hohen Werten bei Umfragen. Nach schweren Verlusten bei Wahlen hat sich die Kanzlerin entschieden, um Ballast abzuwerfen, auf den Vorsitz der CDU zu verzichten. Eine Trendwende der Gesamtpartei ist noch nicht in Sicht. Das Ergebnis der Wahl zur Parteivorsitzenden hat die Stimmung in der Partei „ Weiter so!“ bestätigt.

Reue, Scham oder Schuldgefühl der Kanzlerin? Keine Spur. Sie macht weiter bis zum bitteren Ende – spätestens 2021.

Die Uhr in der Welt- und Europapolitik wird für Deutschland nicht angehalten – auch nicht für das gespaltene Europa. Die juristische Aufarbeitung der hier aufgezählten Gesetzes- und Vertragsbrüche wird Jahre dauern – mit fraglichem Ergebnis.

Nach Auffassung des Verfassers muss es in Deutschland einen Ehrenkodex und Ehrengerichte geben, die ein moralisches Urteil – bis zur Entfernung aus dem Amt – fällen können. Sie sind für die verschiedenen Berufsgruppen zu bilden. Sie ersetzen keine juristischen Verfahren, aber sie sind handlungsfähig.

In seinem Beruf hat der Verfasser Tugenden erlebt wie Verantwortungsfreude, Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungsfreude“ gekoppelt mit Loyalität (als Zweibahnstraße), Ehrgefühl, Demut und Toleranz. Sie bilden einen moralisch-ethischen Handlungsrahmen, der in Deutschland nur noch wenig Beachtung findet. Er sollte bei der Auswahl von Spitzenverwendungen in Politik. Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Militär wieder stärker beachtet werden. Mit kosmetischen Korrekturen ist wenig zu erreichen.

Nur mit einer geistig-moralischen Wende kann Deutschland mittelfristig Leistung und Ansehen zurückgewinnen.

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