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Die Freiheit – ein deutsches Schicksal

Eingekerkert in einem Museum - Nur Homburg/Saar widmet ihr und einem Südbadener ein riesiges Ehrenmal

Der Freiheitsbrunnen in Homburg/Saar.

(tutut) - Es stand noch nie gut um die Freiheit in Deutschland. Weder 1848, als Revolten es nicht zur Revolution schafften, noch 1989, als ein sozialistisches System an eigener Schwäche zusammenbrach, nachdem es 40 Jahre geschafft hatte statt nur 12 wie sein Vorgänger. Das Bundesarchiv hat der Freiheit im Rastatter Schloss 1974 ein Museum eingerichtet, während 1832 die Ruine des Hambacher Schlosses Ziel eines Freiheitsmarsches war, der spätestens 1848 in Tod, Gefängnis oder Flucht mit Auslandsasyl endete. Und jetzt, in diesen Tagen? Die Auswanderung von Deutschen aus Deutschland nimmt zu.

Siebenpfeiffer zum Ersten...

Herausragende Persönlichkeit dieses patriotischen Drangs nach Freiheit und deutscher Einheit im 19. Jahrhundert war der Lahrer Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer, Jurist, Journalist, Zeitungsverleger, der wie meist als Prophet im eigenen Land unerwünscht war und es in der Geburtsstadt bis heute ist, welche der größten Persönlichkeit ihrer Geschichte am Stadtrand eine kleine Sackgasse widmet. Ansonsten gönnt Lahr lieber einer ortsfremden kommunistischen Hochverräterin eine Ehrentafel am Rathaus,  während deren Heimatstadt Schopfheim solche Erinnerung nicht kennt, dafür ein badisches Revolutionsmal von Peter Lenk beherbergt mit Erwin Teufel als siebenfachen preußischen Feindsoldaten.

Siebenpfeiffer zum Zweiten...

Homburg/Saar, drittgrößte Stadt des Saarlands mit 43 000 Einwohnern,  lässt Siebenpfeiffer viermal auftreten im Freiheitsdenkmal, Herausgeber der Zeitschriften "Rheinbayern" und "Der Bote aus Westen" (später: Westbote), Mitbegründer des Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins auf dem „1. Schülerfest“, Initiator, Verfasser der Einladung zum Hambacher Fest. Er ist als  Zeitungsmacher an der Druckpresse zusammen mit Johann-Georg-August-Wirth zu sehen, zweiter Hauptredner des Hambacher Festes, Herausgeber der Zeitschrift "Deutsche Tribüne", ebenfalls Mitbegründer des Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins, Herausgeber der Festzeitschrift. Außerdem sitzt Philipp Jakob Siebenpfeiffer in einem Wagen zum Hambacher Schloss, gleichzeitig folgt er ihm zu Fuß, außerdem ist er beim Aufrichten eines Fahnenmastes mit Schwarz-Rot-Gold dabei. Nicht zu vergessen, dass es eine Siebenpfeiffer-Stiftung gibt, die jedes Jahr einen Journalismuspreis auslobt, ein Siebenpfeiffer-Haus und eine Siebenpfeiffer-Straße.

Siebenpfeiffer zum Dritten...

Im Mai feierte Homburg den 175.Todestag Siebenpfeiffers, gestorben am 14. Mai 1845 "in der Irrenanstalt des Herrn Tribolet zu Bümpliz" (Bern), am 12. November 1789 in Lahr geboren, Jura-Studium in Freiburg, als Landcommissär erster Landrat im damals bayerischen Homburg, heute noch Kreisstadt. Seit der französischen Revolution und französischer Annektierung waren dem "Kanton" Homburg Freiheitsrechte geblieben, die es sonst In Deutschland kaum gab. Angekündigt wurde nun auch der 11. Band der "Schriften der Siebenpfeiffer-Stiftung“.

Und zum Fünften von hinten).

Unter der Federführung von Prof. Dr. Willi Kreutz von der Universität Mannheim enthält das Buch auf 200 Seiten Beiträge namhafter Wissenschaftler aus verschiedenen europäischen Ländern, die sich mit Flucht und Exil nach dem Hambacher Fest 1832 beschäftigen. "Wir haben uns also einem historischen Thema zugewandt, das durchaus brandaktuelle Bezüge hat“, informierte der Stiftungsvorsitzende. Darin enthalten ist auch ein Beitrag, der sich mit Siebenpfeiffer in seinem Exil in der Schweiz befasst. Stiftungsmitarbeiter Martin Baus zeichnet dabei die Flucht der "liberalen Ikone" und Freiheitskämpfers aus dem Gefängnis nach und zeigt auf, wie Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass Siebenpfeiffer zusetzten. Auch die letzten Lebensjahre Siebenpfeiffers, die er wegen Demenz-Erkrankung in einer für damalige Verhältnisse modernen Pflegeeinrichtung bei Bern zubrachte, sind ebenso Thema wie sein Tod und das weitere Schicksal seiner Tochter Cornelia, die im Juli 1826 in Homburg geboren wurde.

Für Oktober ist ein wissenschaftliches Kolloquium geplant. Es soll im Landesarchiv Speyer unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriele Clemens (Saarbrücken) und Prof. Dr. James Brophy von der Universität Delaware in den USA stattfinden. Im Mittelpunkt dieser Tagung stünden dann jene Verleger und Drucker, die Publizisten wie Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth erst die breite mediale Wirkung ermöglichten.

Das 1992 errichtete Freiheitsdenkmal in Homburg, ein Freiheitsbrunnen, stammt vom Aachener Bildhauer Bonifatius Stirnberg, der u.a. auch den Musikantenbrunnen in Donaueschingen und die Apostelskulptur der Autobahnkapelle bei Leutkirch geschaffen hat.

Zur Erinnerung an den Mauerfall hat der Freiheitsbrunnen noch Zuwachs bekommen.

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