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Die Give-Box kommt zu spät

Das System ist kommunalpolitisch noch ausbaufähig

(tutut). Spaichingen, so rühmen ihre Macher,  sei die erste Kleinstadt mit Give-Box. Aber, und dies wird die  Bevölkerung sicher aufatmend zur Kenntnis nehmen, hinein passt der Ort nicht. Für ein weiteres System der Abfallentsorgung ist die gelbe Schachtel allerdings viel zu schade.
Zumindest kommunalpolitisch gesehen ist die Angelegenheit sehr ausbaufähig. Man stelle sich vor, zur Bürgermeisterwahl, zum Beispiel, wäre die Give-Box bereits in Spaichingen aufgestellt gewesen. Hätten dann drei Stadträte den Löffel abgeben müssen, weil sie nicht vorhatten, ihre eigene Suppe auszulöffeln? Sie hätten sich doch bloß in die Give-Box begeben müssen. Vielleicht würde sie jemand abgeholt oder gar eingetauscht haben.
Angesichts des Massenansturms zur Nominierung von Bundestagskandidaten könnten diese Veranstaltungen von den Parteien doch einfach in solche Tauschschachteln verlegt werden. Platz ist bekanntlich in der kleinsten Box. Ein Burgbacher hinein, ein  Kauder heraus - oder umgekehrt. Politiker wirklich mal zum Anfassen. Dann bräuchten die vor lauter Verzweiflung nicht in die Museen streben.
Als politischer Veranstaltungsort könnte die Give-Box ebenfalls Karriere machen, zumal Geben seliger denn Nehmen sein soll. Die meisten gutbesuchten Parteiversammlungen könnten darin bequem untergebracht werden. Man stelle sich vor, wie das politische Leben neuen  Auftrieb bekäme: Der eine geht ohne Meinung hinein und kommt mit einer Meinung heraus, der andere liefert drinnen seine Meinung ab und verzichtet auf einen Tausch, während ein Dritter mit einer ganz neuen diese Wechselstube verlässt.
Ein Experte für Kommunalpsychologie könnte natürlich in der neuesten Spaichinger Errungenschaft schon allein in der Farbe Gelb eine Tendenz erkennen. Denn warum ist der Kasten nicht grün, nicht schwarz, nicht rot, nicht kleinkariert, sondern gelb? Vielleicht spielt ja auch Blau eine Rolle, ohne dass sich jemand dazu eindeutig bekennen wollte?  Gelb und vor allem in Kombination mit Schwarz ist in der Natur eine Warnfarbe, man denke nur an  Warnzeichen vor Gefahren wie Hochspannung oder auch an das Zeichen für Blinde. Im Sport bedeutet Gelb eine Verwarnung, während ansonsten unter Gelb die Post abgeht, was nun leicht zu Verwechslungen führen könnte, denn es gibt schon Boxen in der Stadt, die für Pakete aufgestellt worden sind.
Was passiert, wenn die Give-Box voll ist? Wird die Stadt eine spezielle Abfuhr organisieren? Wer kommt für die Kosten auf? Handelt es sich um Spaichinger Problemmüll oder nur um Sondermüll aus einem Sommerloch? Auf die Antworten darf die Stadt gespannt sein. Vielleicht löst Pater Pius ja auch diesen Fall.