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Die Hypermoral der Corona-Moralisten

Wer den Tod nicht akzeptieren will, muss das Leben abschaffen

Von WOLFGANG HÜBNER

Alle, die sich kritisch zum nicht enden sollenden Lockdown äußern, müssen mit dem Vorwurf rechnen, herzlos zu sein und für die Rückkehr zur Normalität über die Leichen künftiger Corona-Opfer gehen zu wollen. Dieser Vorwurf wird umso aggressiver erhoben, je lauter die Kritik an den staatlichen Zwangsmaßnahmen zum Ausdruck kommt. Damit sollen diejenigen, die sich diesen Zwangsmaßnahmen nicht länger unterwerfen wollen und das aus existenziellen Gründen auch nicht länger können, mit der Waffe der Hypermoral in die Defensive getrieben, am besten sogar stumm gemacht werden. Selbstverständlich ist dieses Vorgehen anmaßend und verwerflich, allerdings bislang auch erfolgreich.

Es ist deshalb ein näherer Blick darauf notwendig, wie überzeugend und glaubwürdig die Verfechter dieser Hypermoral tatsächlich sind. Dazu bedarf es einer grundsätzlichen Feststellung: Nicht die Sterblichkeit des Menschen ist ein Skandal, auch nicht die von dem Virus bewirkte Sterblichkeit, die in Deutschland nachweislich nicht zur Übersterblichkeit geführt hat. Unerträglich ist vielmehr die Skandalisierung dieser speziellen Sterblichkeit, die verbunden ist mit der völligen Ignoranz gegenüber den seelischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Eindämmungsversuche der Virusverbreitung. Spätestens nach den zahlreichen Sterbefällen in Alten- und Pflegeheimen hat zumindest die Politik jedes Recht verwirkt, den Moralhammer zu schwingen. Denn die Missstände in diesem sozialen Sektor bestehen seit langem und haben nun tödliche Folgen.

Wie ist zu reagieren auf die Hypermoral aus ethischen Motiven, seien sie nun ehrlich oder nur vorgetäuscht? Zu empfehlen ist eine offensive Argumentation: Ja, die überfällige Beendigung des Lockdowns ist mit dem Risiko behaftet, dass es zu Krankheits- und auch Todesfällen kommt, die bei Beibehaltung der Zwangsmaßnahmen vielleicht hätten vermieden werden können. Entscheidend ist jedoch, wie hoch das Risiko veranschlagt wird, also ob die Zahl der zu befürchtenden Krankheits- und Todesfälle als erheblich oder gering eingeschätzt wird. Nach bisherigen Erkenntnissen wird die Zahl in Relation zu den sonstigen Krankheiten und Todesursachen gering sein. Mit der angelaufenen Impfkampagne müsste, Wirksamkeit des Impfstoffs vorausgesetzt, die Zahl sogar sehr gering sein.

Weder der Gefahrenherd Verkehr noch die Gefahren durch schädliche Nahrungsmittel oder Berufsstress, allesamt auch massenhafte Krankheitserzeuger und Todbringer, werden stillgelegt, staatlich bekämpft oder ökonomisch verpönt. Diese und noch andere Gefahrenherde für Menschen gelten als normale Lebensrisiken, deren Opfer von der Gesellschaft stillschweigend in Kauf genommen werden. Warum soll also für ein Virus, das kein Massensterben verursacht und medizinisch eingedämmt werden kann, kein Lebensrisiko mehr gelten?

Bleibt noch das letzte Argument der Lockdown-Befürworter und „Zero Covid“-Radikalen: Jedes Leben zählt! Ja, gewiss. Doch leider (oder glücklicherweise) sind wir Menschen allesamt sterblich. Diese Sterblichkeit, ob verursacht von Krebs, Herzversagen, Altersschwäche oder eben einer unglücklich verlaufenden Virusinfektion, müssen wir ertragen. Deshalb gilt: Wer den Tod nicht akzeptieren will, muss das Leben abschaffen. Und wer vor dem Tod zumindest erträglich leben will, der darf einem Virus nicht die Macht geben, die seine Profiteure schon zu lange mit verlogener Hypermoral missbrauchen.
(pi-news.net)

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