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Die Illusion des Truthahns

„Blackout – kleines Handbuch zum Umgang mit einer wachsenden Gefahr“ gehört in jeden Haushalt

Von Vera Lengsfeld

Erliegen wir gerade wieder einer verhängnisvollen Truthahn-Illusion? Der Begriff geht auf den Börsenhändler und Publizisten Nassim Nicholas Taleb zurück und beschreibt den törichten Glauben eines Truthahns, der jeden Tag gefüttert und umsorgt wird, dass dieser Zustand stets so bleiben müsse. Für ihn ist ausgerechnet am Tag vor der Schlachtung die Wahrscheinlichkeit weiteren Wohlergehens am größten.

Wir verfallen der gleichen Illusion häufig bei der Beurteilung sehr komplexer Systeme, wie dem weltweiten Finanzsystem. In diesem System ereignete sich 2008 nach vielen Jahren ungebrochener Prosperität gänzlich unvermutet eine Krise, die es fast völlig zum Absturz gebracht hätte.

Und ein hochkomplexes System ist auch unser Stromnetz, zu dessen Zustand der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann am 22.10.2020 erklärte: “Die Stromversorgung in Deutschland war auch 2019 sehr zuverlässig. Wir beobachten die niedrigsten Ausfallzeiten seit Beginn unserer Erhebungen. Die Energiewende und der steigende Anteil dezentraler Erzeugungsleistung haben weiterhin keine negativen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität.”

Also alles heute und morgen in bester Ordnung? „Blackout – kleines Handbuch zum Umgang mit einer wachsenden Gefahr“ von Wulf Bennert entlarvt die Homannsche Erklärung als Truthahn-Illusion von besonderer Tragweite. Es weist auch nach, dass wirkliche Fachleute dieses Trugbild nicht teilen. Ausführlich werden in der Broschüre die bewunderungswürdige ingenieurtechnische Leistung unseres Stromnetzes und die vielfältigen Bedrohungen seiner sicheren Funktion beschrieben: zunehmende Cyberangriffe, Bevorrechtigung der schwankenden Einspeisung von Wind und Sonne mit Umkehr der Fließrichtung des Stroms im Netz, defizitäre Energieerzeugung sowie auch fehlende Sachkunde der Politik. Und wer weiß schon, dass der Einfluss von Solarstürmen auf die weltweiten Stromnetze das größte Menscheitsrisiko im Verlauf der nächsten hundert Jahre darstellt? Wer kennt wenigstens die Bewertung eines großflächigen, langandauernden Stromausfalls durch den Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung? Sie lautet:
„Aufgrund der nahezu vollständigen Durchdringung der Lebens- und Arbeitswelt mit elektrisch betriebenen Geräten würden sich die Folgen eines langandauernden und großflächigen Stromausfalls zu einer Schadenslage von besonderer Qualität summieren. Betroffen wären alle Kritischen Infrastrukturen, und ein Kollaps der gesamten Gesellschaft wäre kaum zu verhindern. Trotz dieses Gefahren- und Katastrophenpotenzials ist ein diesbezügliches gesellschaftliches Risikobewusstsein nur in Ansätzen vorhanden“/1/.

Der Blackout wird damit als eine nationale Katastrophe und tödliche Gefahr für unzählige Menschen eingeordnet – eine Warnung, die fast ungehört verhallte. Gemessen am Gewicht ihrer Aussage wirken die regierungsamtlichen Versuche einer Vorsorge inkompetent und hilflos bis zur Lächerlichkeit. So forderte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Bevölkerung 2019 auf, Rezepte einzusenden für ein „Notfallkochbuch“ mit „nahrhaften Mahlzeiten“ für den Krisenfall, also etwa bei einem längeren Stromausfall. Elektrische Küchengeräte sollen für die Zubereitung ebenso wenig benötigt werden wie Leitungswasser. Mangels Resonanz wurde der Einsendeschluss für die Vorschläge zu diesem Trockenkochbuch bereits vom 31. Mai 2020 auf den 31. August verschoben.

In erschreckender, geradezu brutaler Deutlichkeit weist eben dieses Bundesamt aber auch die Verantwortung für die Vorsorge gegen einen katastrophalen Stromausfall der Bevölkerung zu:
„Entweder lebt die Bevölkerung bewusst mit dem Restrisiko einer eingeschränkten bzw. fehlenden Versorgung im Falle eines lang anhaltenden flächendeckenden Stromausfalles, oder aber sie ergreift selbst Maßnahmen, um ein solches Risiko abzuwenden“/2/.

Das Ergreifen von Maßnahmen setzt eine genaue Kenntnis des Risikos voraus. Anliegen des „Kleinen Handbuchs“ von Wulf Bennert ist es deshalb, die Leserschaft auf aktuellem Stand zu informieren: über die vielfältigen denkbaren Ursachen eines Blackouts, über Möglichkeiten und Grenzen rechtzeitiger Vorsorge sowie über hilfreiche Verhaltensstrategien während eines länger andauernden Stromausfalls, die je nach Lebens- und Wohnsituation recht unterschiedlich sein können. Man findet in der Broschüre ein breites Spektrum verschiedener Empfehlungen, die vom richtigen Umgang mit dem Trinkwasserproblem und einer Toiletten-Notlösung über Licht im Dunkeln bis zur Auswahl des geeigneten Notstromaggregats und der möglichen Nutzung einer Solaranlage bei Stromausfall reichen. Es sind Ratschläge, die im Ernstfall das Überleben sichern können und deshalb in jedem Haushalt verfügbar sein sollten.

In seinem „Handbuch zum Umgang mit einer wachsenden Gefahr“ behandelt der Autor in allgemein verständlicher, ja sogar unterhaltsamer Weise ein extrem vielfältiges Themenspektrum. Das ist ihm auf der Basis eines besonders breiten naturwissenschaftlich-technischen Wissens möglich, welches er auch schon als Leitautor der Broschüre „Kann der Mensch das „Klima retten“?“ unter Beweis gestellt hat. Die Broschüre „Blackout – kleines Handbuch zum Umgang mit einer wachsenden Gefahr“ (68 Seiten A4, 24 Abbildungen) kann für einen Preis von 8,40 € unter www.kaleidoscriptum-verlag.de im Shop des Verlages bestellt werden.

/1/ Bericht “Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung“, Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestags (04/2011)
/2/ „Kapazitäten der Bevölkerung bei einem Stromausfall“ Empirische Untersuchung für das Bezugsgebiet Deutschland
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe 2013
(vera-lengsfeld.de)

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