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Die Luft(gewehr)nummer von Chemnitz, Teil 2

Moral von der Geschicht: Glaub Merkel und den Medien nicht

Von PLUTO

Hierzulande wird ja fast täglich von interessierter politischer Seite eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Dahinter steht meist die Absicht, etwas aufzubauschen oder kleinzureden, abzulenken oder den Focus auf vermeintlich gefährliche Subjekte zu richten. Erinnern Sie sich noch an die Horrormeldung von Merkels Generalbundesanwaltschaft? Die wollte der Öffentlichkeit den Facebook-Chat von acht depperten Sachsen und einem (!) Luftgewehr als „Umsturz Deutschlands“ eintrichtern. Jetzt haben „Investigativ“-Journalisten einiger Merkel-Medien nochmals aufwendig nachermittelt. Trotz bemühter Recherche gelang es ihnen nicht, der Story „Butter bei die Fische“ zu geben. Heraus kam lediglich eine weitere Luftnummer.

PI-NEWS hat sich diesbezüglich die aufwendigen Reportagen der Hannoverschen Allgemeinen vom 5.10. (SPD-Madsack-Konzern) und Welt am Sonntag (Springer) vom 7.10. vorgenommen. Beide Zeitungen opferten jeweils zwei volle politische Premium-Seiten ihrer Print-Ausgaben, um die magere Anklage des Bundesanwalts möglichst pompös anzufetten. In der Verwertungsbilanz für die Leser blieben jedoch nur mühsam zusammengeschusterte Verschwörungsphantasien und viel heiße Luft übrig.

Zur Erinnerung: Eine „mutmaßliche“ Rechtsterrorgruppe „Revolution Chemnitz“ soll den rechtsradikalen Umsturz der Bundesrepublik geplant haben, wie die Bundesanwaltschaft am 2.10. bestätigte. Folgende „Bewaffnung“ wurde sichergestellt: Glasflaschen, Quarzhandschuhe, Elektroschocker, ein Luftgewehr, Schlagstöcke, Computer. Die Gruppe wollte am „Tag der Einheit“ zuschlagen, nachdem sie vorher schon mal „im Testlauf“ einem Iraner eine Kopfplatzwunde zugefügt hatte. Sieben Figuren wurden verhaftet, der Rädelsführer war schon Tage vorher aus dem Verkehr gezogen worden.

Zur weiteren Aufdeckung der dürftigen Behörden-Hinweise hatten HAZ und WamS ihre härtesten Spürhunde auf die Fährte der Umstürzler gesetzt, darunter das sagenhafte RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Das offensichtliche Ziel: den Schulterschluss zwischen Rechtsterroristen und dem radikalisierten Bürgertum aufzudecken; mindestens aber eine Nähe der vermeintlichen Terroristen zu Pegida und der AfD anzudichten, wenn möglich das Menetekel einer neuen, diesmal rechtsradikalen RAF an die Chemnitzer Wände zu werfen.

Aber wo nichts ist, muss man tief graben. Wenn der Volksmund davon spricht „aus einer Mücke einen Elefanten zu machen“, nennt das der Witterung aufnehmende Reporter „Recherche“. Und so wühlten sich die HAZ-Schreiber zehn Jahre in Zeiten zurück, in der zwei der heute Angeklagten als Heranwachsende schon mal in einer Kameradschaft namens „Sturm 34“ Ausländer und Linke terrorisiert haben sollen und mit Bewährung davon kamen. Aus diesem Gebräu von Scheinwahrheiten und Verdächtigungen, dem Gemenge aus lauter Konjunktiven sollte für den geneigten Leser wohl folgendes hängenbleiben: aus Prügel-Skinheads sind in der zweiten Generation Strategie-Terroristen erwachsen. Als Stichwortgeber griff die HAZ dabei gern auf die Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz zurück, früher Mitglied der FDJ-Kreisleitung und der SED und als solche besonders vertrauenserweckend. Sie warnt kassandrahaft vor rechten Netzwerken, zum Beispiel in der Biker-Szene.

Natürlich wird nichts unversucht gelassen, die AfD ins Spiel zu bringen. Die Rechtsterroristen seien auf der Demonstration von AfD und Pegida am 1. September in Chemnitz mitmarschiert, weiß die HAZ aus „sicherer Quelle“, nämlich aus Netzfragmenten á la „Antifa Zeckenbiss“. Ob die AfD-Prominenten Björn Höcke (Thüringen) und Andreas Kalbitz (Brandenburg) davon wussten, dafür wollen die HAZ-Spürnasen ihre Hände lieber nicht ins Feuer legen. Aber wenn man genug mit Dreck wirft, bleibt immer etwas hängen.

Mit läppischen Könnte-Sein-Halb-Wahrheiten geben sich die Sonder-Ermittler der WamS erst gar nicht ab. Für sie steht mit der „Revolution Chemnitz“ eine neue RAF – nur rechtsgedreht – in den Startlöchern. Rechtsextreme verstünden sich heute als Avantgarde eines Befreiungskampfes. Wenn Baader-Meinhof Kaufhäuser anzündeten, dann lasse sich der derzeitige Fortschritt der Radikalisierung an der ausgehobenen Terrorzelle „Revolution Chemnitz“ ablesen, lautet der Tenor der WamS-Rechercheure. Ihre Mutmaßungen basieren auf einer vertraulichen Analyse des Bundeskriminalamtes. Der Leser fragt sich besorgt, wie es denn nur möglich ist, dass WamS-Mitarbeiter über vertrauliche Behördenunterlagen verfügen, diese auch noch nach außen tragen, ohne dafür belangt zu werden?

Aber wer für das Gute kämpft, muss sich in Deutschland offenbar keine Sorgen haben. Strafbewehrt ist lediglich das Verhalten eines Justizmitarbeiters, der unerlaubt Haftbefehle nach draußen schmuggelt. Aufschlussreich ist aber an dem Vertraulich-Papier, dass die Ermittler des Bundeskriminalamtes offenbar leichtes Spiel mit dem Aushorchen der Umstürzler hatten. Diese hatten auf Facebook gechattet, sich halbautomatische Waffen für 800 Euro zu besorgen. Und die Kriminalisten hatten mitgelesen. Hatten sie vielleicht auch einen V-Mann plaziert? Wer weiß….

Doch weiter im WamS-Text. Nach den bahnbrechenden Erkenntnissen der Reporter entzündete der Funke zwischen echten Rechtsradikalen und aufgewühlten Bürgern im Zuge des Chemnitzer Mordes an Daniel Hillig. „Die Aufgewühlten duldeten die Rechtsextremisten an ihrer Seite“, lautet das sensationelle WamS-Fazit. Zur Bestätigung ihrer These haben die Rechercheure sogar mit zehn (!) Chemnitzern gesprochen, die in der Brückenstraße herumsaßen. Diese nähmen hin, dass es passiert und gäben den Rechtsextremisten das Gefühl, Teil einer größeren Bewegung zu sein, bastelten sich die „Investigativen“ der WamS ihre Verschwörungstheorie zusammen. Der Leser wird`s schon irgendwie schlucken.

Eine Verbindung von „Revolution Chemnitz“ zur AfD konstruiert die WamS nicht. Dafür hat sie ihren Text mit einer großformatigen Grafik geschmückt, der das Netzwerk der radikalen Rechten in Mitteldeutschland aufzeigen soll. Zu sehen sind kühne Striche und Pfeile mit Portraits im Briefmarkenformat, die den Verbindungs-Bogen schlagen zu allerlei „rechtem Geschmeiß“. Lutz Bachmann (Pegida) ist da abgebildet. Und der marschierte ja bekanntlich Seit an Seit mit Björn Höcke durch Chemnitz. Und hinterdrein die Nazis. Na also!
(pi-news.net)

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