Springe zum Inhalt

Die schlechte alte Zeit

Als Kaiser Friedrich III. im Tuttlinger Straßenkot steckenblieb

(tutut). Wenn gar nichts geht vor lauter Düsternis, dann klärt angeblich die Besinnung auf die Vergangenheit auf. Nostalgisch verbrämen lässt sich alles. Kein Wunder, dass die gute alte Zeit herhalten muss, wenn Denkfaulheit und Unbildung bequemer sind, als den Verstand einzuschalten. So glaubte doch wohl die Schwäbische Zeitung tatsächlich, mit altem aus Chroniken abgekupferten Gruscht neue Leser gewinnen zu können. Ausgerechnet. Nicht mal auf Fasnetsumzügen sind alte Kamellen gefragt. Wem nichts mehr einfällt, versucht's halt mit Einfalt.
Wie die gute alte Zeit wirklich war, nämlich eine schlechte alte, kann jeder erkennen, der mal über die römische Zivilisation von vor 2000 Jahren gestaunt hat und entgeistert war über den Rückfall in die Primitivität im gottesstaatlichen Mittelalter.
Ein sicherlich nicht einmal besonders krasses Beispiel ist aus dem Tuttlingen des 15. Jahrhunderts überliefert. Dirk Maxeiner und Michael Miersch schildern es in ihrem Buch "Öko-Optimismus" über "Die schlechte alte Zeit". Da heißt es: "Im 15. Jahrhundert beschwerte sich Kaiser Friedrich III., dass bei einem Besuch im schwäbischen Tuttlingen sein Pferd im Straßenkot steckenblieb".
Seit der Antike seien alle Aufforderungen der Obrikgkeit, die Nachttöpfe nicht aus den Fesnstern zu entleeren, vergeblich verhallt.Trotz hoher Strafen. So habe Ferdinand I. von Aragonien angeordnet, "dass jene, welche bei Tag oder Nacht Unrat, Mist, Schutt usw an anderen als den bezeichneten Orten ablagern, ergriffen und in die Galeere geschickt oder durch die ganze Stadt gepeitscht werden sollen" ("Öko-Optimismus").
Oft scheint es nicht nur so, dass sich da in der Einstellung der Menschen kaum etwas geändert hat. Man sehe sich mal etwas näher die Straßenränder an oder wilde Müllablagerungen, sei es in der Landschaft oder einfach vor überquellenden Containern. Wer wünschte sich da nicht einen Ferdinand I. her?