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Die SED-Linke und ihr Naziproblem

Die SED war die erste Partei, die nach dem Krieg aktiv um ehemalige NSDAP-Funktionäre warb

Von Vera Lengsfeld

Vor wenigen Tagen hat der Erste Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion der Linken verkündet, man wolle Dokumente über die Nazi-Verstrickung der Union herausgeben. Es soll sich um Dokumente über den Fall Hans Globke, Kanzleramtschef der Regierung Adenauer handeln. Damit fällt die Linke in die Kalte Kriegs-Propaganda zurück. Über die gesicherten, veröffentlichten Erkenntnisse, dass die Staatssicherheit der DDR in großem Umfang Naziakten manipuliert hat, um Kampagnen gegen bundesdeutsche Politiker zu fahren, sagt Korte nichts. Was er natürlich auch verschweigt ist, dass die SED-Linke (zur Erinnerung, die Linke ist die viermal umbenannte SED) selbst im Glashaus sitzt. Die SED war die erste Partei, die im Nachkriegsdeutschland aktiv um ehemalige NSDAP-Funktionäre geworben hat. Die ganze Liste ehemaliger NSDAP-Funktionäre ist im “Braunbuch der DDR” von Olaf Kappelt nachzulesen.

Einen Einblick, wie gravierend das Naziproblem der Linken ist, gibt der folgende Artikel meines Lesers Hans-Jürgen Wünschel.

*** Wer wissenschaftlich versuchte, nationale und sonstige Sozialisten und Kommunisten mit ihren innigen Verbindungen zum Nationalen Sozialismus zu benennen wie Professor Dr. Michael Wolff­sohn, Bundeswehruniversität München, wurde und wird von unseren Haltungsmedien kaltgestellt, aus den TV-Programmen verbannt. Dabei wollte er doch nur in seinem lesenswerten Buch „Die Deutschland-Akte“, 1995, anhand der Quellen aus der DDR nach­prüfen, ob der frühere Vorsitzende der KPD Karl Radek nicht Recht hatte, der die „braune Masse als Reservoir des Kommunismus“ wähnte. Warum musste Wolffsohn auch die Legen­de unserer bundesrepublikanischen Intellektuellen entlarven, die DDR sei antifaschistisch und ju­denfreundlich gewesen? Warum musste er auch nachweisen, dass nach 1945 viele Nazis in der SED-Partei und in hohen Ämtern des DDR-Staates gesessen haben?

Über 240 ehemalige Nazis hatten hohe und höchste Stellen im SED-Staat inne. Über 50 ehemalige NSDAP-Mitglieder waren Abgeordnete der Volkskammer der DDR u.a. ein NS-Gaustudentenführer, ein Oberscharführer der SA, 12 NSDAP-Mitglieder wurden Kandidaten des Zentralkomitees der SED. Viele Minister der DDR waren NSDAP-Angehörige. Stuka-Oberst Hans Ullrich Rudel war gefeierter Redner in der D“D“R und stand auf der Gehaltsliste der SED. Einige Offi­ziere der Waffen-SS waren Mitglieder im sozialistischen „Führungsring ehemaliger Soldaten“. Bis heute verschwiegen wird die Tatsa­che, dass die SED, also der freiwillige Zu­sammenschluss von KPD und SPD in der DDR, eine stattliche Anzahl von National­sozialisten bis in höchste Ämter belohnte, wenn sie der Partei zu willen waren: „Die SED ruft dich zur Mithilfe am Neuanfang Deutschlands! Sie ruft dich dann, wenn du nicht aus materiell-egoisti­schen Gründen, sondern aus Überzeugung und Idea­lismus einstmals zur NSDAP gegangen bist, wenn du dorthin gingst im Glauben, das Gute, den Sozialismus zu finden. Dann komme zu uns. Denn was Hitler dir versprochen hat und niemals hielt, das wird die die SED geben.“

Wie sieht es seit 1945 mit der Unterwanderung der SED durch Nationale Sozialisten aus? Dieses Thema ist bis zum heutigen Tag ein politisches Tabu! Warum die AfD keine historische Kommission einsetzte, um dieses Tabu zu brechen ist eines der großen Geheimnisse dieser angeblich alternativen Partei! Bestand bzw. besteht die Linkspartei nicht immer noch aus alten SED-Kadern, die auch nach 1945 dem Totalitarismus huldigten und ihm zujubeln? War nicht die Partei des Natio­nalen Sozialismus bis zum 8. Mai 1945 die führen­de sozialistische Bewegung auch im Bereich der späteren DDR? Hatten nicht Millionen Wähler der KPD und SPD 12 Jahre zuvor für die natio­nale Variante des Sozialismus gestimmt und waren zu ihr übergelaufen? Einige Kurzbiographien von SED-Genossen aus der Dissertation von San­dra Meenzen, „Die SED – Arbeitermythos und Staatspartei. Zusammensetzung und Rekrutierung der Parteimitglieder und des Funktionärsapparates, 2015“ dokumentieren das Tabu.

Karl-Heinz Bartsch (1923-2004). NSDAP 1940-1945. Unteroffizier der Waffen-SS. SED 1949 Mitglied der SED 1954–1960. Mitglied der SED-Bezirksleitung Erfurt; 1963 stellvertre­tender Landwirtschaftsminister, Vorsitzender des Landwirtschaftsrats beim DDR-Ministerrat, Mitglied des Präsidiums des Minister­rats, Kandidat des Politbüros und Mitglied des ZK. 1963 sämtlicher Ämter enthoben wegen Verschwei­gens seiner SS-Vergangenheit; 1981–1988 LPG-Vorsitzender eines Färsenaufzuchtbetriebs.

Bentzien, Hans (1927–2015). NSDAP 1944-1945. SED 1946. 1961–1965 Minister für Kultur.

Biermann, Wolfgang (1927–2001). NSDAP 1944. SED 1956, ab 1976 Mitglied des Zentralko­mitees der SED, Generaldirektor im VEB Werkzeugmaschinenkombinat „7. Oktober“ in Berlin.

Blecha Kurt (1923-2013). NSDAP 1941-1943. SED 1946, 1958–1989 Leiter des Presseamtes beim Vorsitzenden des Ministerrates.

Bock, Siegfried (*1926). NSDAP 1944-45. SED 1956. Bis 1984 DDR-Botschafter in Rumänien und anschließend bis 1990 Leiter der Abteilung Rechts- und Vertragswe­sen im Ministerium für Auswärtige Angelegenhei­ten, ab 1976 Mitglied des Zentralkomitees der SED.

Eichler, Heinz (1927–2013). NSDAP 1944. SED 1946 1971 Sekretär des Staatsrates der DDR; bis 1989 Präsidiumsmit­glied der Volkskammer der DDR und Sekretär des Staatsrates.

Ewald, Manfred (1926-2002). NSDAP 1944. SED 1946. 1952 bis 1960 Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport; 1961 Präsident des Deutschen Turn- und Sport­bunds (DTSB), ab 1973 Präsident des NOK der kommunistische DDR, ab 1963 Mitglied des ZK der SED.

Gerstner, Karl-Heinz (1912-2005). NSDAP 1935-1945. SED, Chefreporter der Berliner Zei­tung.

Ernst-Joachim Gießmann (1919-2004). NSDAP 1937-1945. SED, Staatssekretär für das Hoch- und Fachschulwesen.

Großmann, Ernst (1911–1997). NSDAP, 1938–1945; Mitglied der SS 1940 in einem SS-Toten­kopf-Verband, Bewacher im KZ-Sachsenhausen; SED, Mitglied des ZK der SED, 1959 ausgeschlossen wegen Falschangaben zur Vergan­genheit. LPG-Vorsitzender in Merxleben.

Gerhard Kegel (1907–1989). NSDAP 1934–1945. SED ab 1946; 1950/51 stellvertretender Chefredakteur „Neues Deutschland“, 1967–1971 Kandidat des ZK der SED, 1973–1976, Bot­schafter beim Sitz der UN in Genf.

Lang, Otto (1906–1984). NSDAP seit dem 1. April 1933. SED; Abgeordneter des Bezirkstages Erfurt, Generalintendant des Nationaltheaters Wei­mar.

Litz, Bruno (1925-2005). NSDAP 1943–1945; SED, 1982–1989 Minister für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft.

Merkel, Curt Heinz (1919–2000). NSDAP 1938-1945. SED Handels- und Versorgungsminister bis 1963; 1969 bis 1986 Direktor der HO-Bezirks­direktion Berlin.

Müller, Fritz (1920–2001). NSDAP 1938–1945. SED, Abteilungsleiter Kaderfragen im ZK der SED 1960–1990.

Nier, Kurt (*1927). Mitglied der NSDAP im Gau Sudetenland; SED 1946, stellvertretender DDR-Außenminister.

Schill, Gerhard (1925–2000). NSDAP 1943-1945. SED 1946, 1961 Oberbürgermeister von Dresden.

Schmieder, Werner (*1926). NSDAP 1944. SED ab 1950; 1952–1953 Minister für Land- und Forstwirtschaft, Minister für Finanzen der kommu­nistische DDR 1980/1981

Steger, Otfried (1926–2002). NSDAP 1944. SED 1946, 1965–1983 Minister für Elektrotechnik und Elektronik

Trappen, Friedel NSDAP 1942–1945. SED, DDR-Botschafter in Chile und anschließend stellvertretender Leiter der Abteilung Internationale Verbindungen im SED-Zentral­komitee

Weitz, Hans-Jürgen NSDAP 1942–1945; Mitglied der SS. SED, 1981 Botschafter in Ägypten, vorher im Irak und in Kuwait, zeitweise auch führender Mitarbeiter im DDR-Außenministerium.

Weiz, Herbert (* 1924). NSDAP 1942–1945. /SED ab 1945/46, 1958 ZK der SED, 1967 stellvertretender Vorsitzender des DDR-Ministerrates.

Werner Winkler (1913–1964). NSDAP 1931-1945. SED, Minister für chemische Industrie seit dem 26. November 1955; stellvertretender Vor­sitzender der Staatlichen Plankommission

Mitglieder der Grünen Partei und selbstverständlich Minister der SPD waren oder sind auch fest im To­talitarismus verankert. Das sollte einmal aufgearbeitet werden!

­ Es ist nicht zu fassen! ***
(vera-lengsfeld.de)

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