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Döner-Streit in der EU

Ist das Kochkunst oder kann das weg?

(www.conservo.wordpress.com)

Von Alex Cryso

2017 entbrannte der so genannten „Dönerstreit“ innerhalb der Europäischen Union. Dabei ging es darum, den bislang bedeutendsten Kulturimport vom Bosporus endgültig aus dem Speiseplan der Einheimischen zu verbannen. Vor allem die Zusätze an Phosphaten gingen wohl über das erträgliche Maß hinaus. Bereits Ende 2018 sollten Nägel mit Köpfen gemacht werden, doch dann grätschen unter anderem die Sozialdemokraten und die Grünen rein, um den Döner vor seinem europaweiten Verbot zu bewahren. Das Abstimmungsergebnis in Brüssel fiel jedoch nur denkbar knapp zu gunsten des fettigen Fladenbrotes aus.

Unterdessen verwandeln sich immer mehr Straßenzüge in regelrechte Dönermeilen. Dort, wo früher mit Pizza, Sushi, Schnitzel und Chop Suey noch echte Vielfalt herrschte, da reiht sich nun ein Sultan Grill an das nächste Kebab House. Zwar ist der Dönerstreit inzwischen etwas abgeflacht, jedoch noch lange nicht vom Tisch. Hauptgrund war damals der Nachweis, dass erhöhte Phosphat-Konzentrationen Schäden im Herz, den Nieren und im Kreislauf verursachen können. Außerdem erhöht sich das Osteoporose-Risiko genauso wie das der Schlaganfälle. Im Döner haben diese Zusatzstoffe die Funktion, das Wasser zu binden, den Geschmack zu verstärken und trockenes Fleisch noch saftiger zu machen.

Leider gilt: „Ohne Phosphate würde die Drehspieße in sich zusammensacken und wären innen noch roh, selbst wenn die Außenseite schon fast verbrannt wäre“, erklärte die EU-Abgeordnete Renate Sommer (CDU) auf Facebook. Würde man den Zusatz verbieten, breche eine ganze Branche in sich zusammen, zumal es keine technischen Alternativen gibt. In Weimar ging dies schon so weit, dass der Döner nicht mehr Döner heißen darf, sondern „Drehspieß im Fladenbrot“ genannt werden muss: Die Inhaltstoffe entsprechen nicht mehr der Norm, auf die originale Rezeptur wurde schon lange verzichtet. Der Beschluss erfolgte 2019 durch das städtische Lebensmittel-Überwachungsamt.

Der erste Döner in unseren Breitengraden wurde in den Siebzigerjahren in Berlin verkauft, bereits 2011 gab es über 16.000 Dönerbuden in ganz Deutschland. Rund 500 Tonnen Fleisch werden jeden Tag in den EU-Mitgliedstaaten konsumiert, 80 Prozent aller Fleischmengen werden alleine in Deutschland produziert. Dabei sind nicht nur die Phosphate der einzige fragwürdige Bestandteil, der einem den Appetit verderben kann. So kaufen die meisten Betreiber von Dönerbuden ihr Fleisch tiefgefroren beim Großhändler. In dem Fleisch sind wiederum bis zu 22 Zutaten (unter anderem Paniermehl, Emulgatoren, Geschmacksverstärker und Hefeextrakt), wobei nicht wenige von Trickserei sprechen.

Hier wurden schon erhebliche Mängel gegen das Reinheitsgebot festgestellt. Und: Je öfter das Fleisch durch den Wolf gedreht wird, desto schlechter lässt sich die Qualität prüfen. 2006 kam es sogar zu einem Gammelfleisch-Skandal, weil eine Firma aus Baden-Württemberg drei Tonnen Schlachtabfälle und verdorbene tierische Substanzen zu Spießen verarbeitete. Um entsprechend preiswert und in Massen zu verkaufen, nehmen die meisten Händler keine Rücksicht auf Qualität. In Ländern wie Tschechien sind die Phosphate hingegen schon längst verboten.

Natürlich wird niemand davon krank, wer nur mal einen Döner isst. Und wer sich an den Film „Supersize Me“ erinnert, in dem sich ein Amerikaner einen Monat lang nur von den Nahrungsmitteln von McDonald´s ernährt, der wird auch noch in ganz anderen Lebensmittelbereichen das eine oder andere Manko feststellen. Dennoch sollte die Islamisierung nicht auch noch auf dem Speiseteller stattfinden, zumal schon ein einziger Fleischspieß einen Fettgehalt von 21 Prozent besitzt, was einem gesamten Schweinebauch entspricht.

Wieso sollte bei all der Kritik ausgerechnet der Döner verschont bleiben? In Baden-Württemberg will man jedoch gegen Corona noch ungeimpfte Schülerinnen und Schüler mit einem Döner-Gutschein als Belohnung locken. Das schlug der dortige Minister für Soziales und Integration, Manfred Lucha (Grüne), vor. Doch wen beschleicht beim Betreten der Dönerbude nicht das ungute Gefühl von dem, was unter der Ladentheke oder im Nebenzimmer noch so alles verkauft werden könnte? Nur zum Fußballgucken der Spiele von Besiktas oder Galatasaray kommt bestimmt nicht jeder dorthin…

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