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"Wir sind ein Haus an zwei Standorten"

Klinikzukunft: Kreistag für Umorganisation und Erhalt von Spaichingen

Hier in Spaichingen werden auch in Zukunft Patienten willkommen sein. Allerdings ambulant.
(tutut). Nach zweistündiger Sitzung in der Spaichinger Stadthalle verabschiedete der Tuttlinger Kreistag einstimmig, was nicht nur  das Landratsamt als Beschluss vorgeschlagen hatte: Der Kreis behält sein Klinikum - an den zwei Standorten Tuttlingen und Spaichingen. Landrat Stefan Bär: "Wir sind ein Haus an zwei Standorten". Das war auch aller langer Reden der Fraktionen kurzer Sinn. Nur die CDU tat sich etwas schwer, meldete weitere Fragen an, sah noch Antworten offen und hätte sich u.a. auch  Vorgespräche mit Firmen der Medizintechnik gewünscht.  Kein Wunder, hat sie doch Jahrzehnte die Verantwortung getragen für ein Klinikum, welches seit ein paar Jahren  rote Zahlen schreibt. Denn mit dem Standortbeschluss verbunden ist eine Umorganisation, die vor allem Spaichingen betrifft und trifft. Denn das dortige Krankenhaus wird praktisch zum Ärztehaus für ambulante Fälle, wenngleich in Regie der Kreises und nicht in privater Hand. Vorgeschlagen hat dies ein vom Kreis beauftragtes Gutachten als eine von drei Zukunftsvarianten für die beiden Häuser. Eine davon hätte die Schließung von Spaichingen bedeutet.


Alle Hände gingen hoch, als der Kreistag einstimmig nach zweistündiger Sitzung ein Klinikum mit zwei Standorten, so die Formel, beschloss.


Klinikmitarbeiter vor allem aus Spaichingen äußerten bereits vor der Stadthalle ihre Sorgen um die Zukunft ihres Hauses und plädierten für die vom Kreistag verabschiedete Variante. Oben links Mdl Leo Grimm, der auch dem Kreistag angehört.

Einmütig im Ziel, aber unterschiedlich in der Betonung, plädierten die Fraktionssprecher Anton Stier (CDU), Rudolf Wuhrer (Freie Wähler), Willi Kamm (SPD), Hans-Martin Schwarz (Offene Grüne Liste) und Paul Haug (FDP) vor rund 120 Zuhörern für die von Landrat Stefan Bär (Freie Wähler) als Kreisvorschlag favorisierte Variante des Hauses mit zwei Standorten.  Für diese hatte sich auch auch die Mehrheit des Spaichinger Gemeinderats erwärmt, sie entspricht in etwa dem, was vor Monaten der Spaichinger Bürgermeister und Kreisrat, Hans-Georg Schuhmacher  (CDU), der urlaubsbedingt an der Sitzung nicht teilnahm, vorgeschlagen hatte. Dafür hatte er verbale Prügel von Amtskollegen und vor allem von der CDU einstecken müssen. Landrat Bär zitierte aus einem Brief des Spaichinger Bürgermeisters, während dessen Stellvertreterin Isabella Kustermann, auch FWV-Kreisrätin, kurz die Meinung der überwiegenden Mehrheit der Spaichinger Gemeinderäte zum Klinikum verdeutlichte.
Jahrzehnte waren die Veränderungen im Kranenhauswesen in Deutschland ignoriert worden, wenn es um den Standort Spaichingen ging, fast im Stil von "Die Rente ist sicher". Aber gerade die Wiederholung von der Wiederholung hätte Zweifel wecken müssen an der Standortsicherheit, wenn gleichzeitig überall Krankenhäuser zumachebn mussten, sich umorganisierten oder in paivate Hände übergingen. In den vergangenen Jahren gab es schon Einschnitte in Spaichingen, beispielsweise verschwand die Frauenabteilung.
Nun wird im Kreis Tuttlingen angestrebt, was eine Gutachtenvariante vorschlägt, die  auch die Ärzteschaft mehrheitlich bevorzugt, letztich auch die beiden Ärztlichen Direktoren, wobei der Spaichinger nur schweren Herzens zustimmte, denn er hätte sich für Spaichingen weiterhin eine stationäre Einrichtung gewünscht. Der stationäre chirurgische Unternehmensteil wird in Spaichingen zugunsten des Standortes Tuttlingen aufgegeben. Dafür soll ein ambulantes OP-Zentrum eingerichtet werden, wo künftig alle ambulanten Eingriffe erfolgen. Für Operationen, die eine längere Verweildauer erforderlich machten, soll ausschließlich Tuttlingen zuständig sein. In dieser Art Privatarztpraxis soll auch künftig der in Spaichingen noch tätige Chirurg arbeiten.
Zugleich soll der Bereich der Altersmedizin ausgebaut werden, was auf Kosten bestehender Abteilungen  wie etwa die Diabetologie gehe, die nur noch eine Übergangszeit Bestand haben werde. Der Standort Spaichingen soll darüber hinaus durch eine Notfallambulanz gestärkt werden, wofür sich auch Mitarbeiter vor dem Eingang der Stadthalle einsetzten. Alle Sprecher machten deutlich, dass für eine zeitnahe und möglichst am Gutachten orientierten Umsetzung des Vorschlags sind.
Landtat Stefan Bär  mahnte "Handlungsbedarf" an, denn seit fünf Jahren sei die Wirtschaftsbilanz negativ. Die Spaichinger Entscheidung wertete der Kreistag als Grundsatzentscheidung, ohne schon auf Details einzugehen, als "Zielvorgabe" für beide Standorte" (Bär). Die nun verabschiedete Variante werde in Spaichingen rund 300 000 Euro kosten gegenüber 2,6 Millionen, welche eine Variante mit stationärer Abteilung der Chirurgie und enormen Umbauten verschlungen hätte. De Einsparungen würden in Tuttlingen dringend gebraucht. Angesichts vieler Vorgespräche , auch mit dem Sozialministerium, äußerte sich der Landrat optimistisch zu einer Verwirklichung dieser verabschiedeten Variante und der Zukunftsfähigkeit des Klinikums.
Veranständnis äußerte Bär, wenn es jetzt in Spaichingen und Umgebung Enttäuschung geben sollte, allerderdings werde es diese wohl auch in Tuttlingen geben. Er hoffe aber auf Verständnis für diese Lösung, zugunsten des Kreises und der Bevölkerung für die Lösung eines Hauses an zwei Standorten. Sowohl Mitarbeiter wie Patienten müssten mit Veränderungen rechnen.Es gehe darum,ihr Vertrauen zu behalten bzw.zu gewinnen. Dass politische Entscheidungen andernorts schuld seien an einer Entwicklung, welche zu einem Krankenhaussterben geführt hätten, wurde mehrmals in der Sitzung betont. Trotzdem, so der Tenor, sei man sich bewusst, auf Veränderungen sich einstellen zu müssen. Tuttlingen brauche Spaichingen, noch bestehe Handlungsfreiheit , um eine wirtschaftliche, finanzierbare und realisierbare Lösung zu erreichen.