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Ein paar Bürger mehr hätten es ruhig sein können

Ihre Ausgewählten standen ihnen im Landtag fest zur Verfügung

Die Bevölkerung war nicht in Gefahr durch das Bürgerfest...im Gegenteil.
(tutut). Stell Dir vor, es ist Bürgerfest, und kein Bürger geht hin. So war es natürlich nicht, als auf den Samstag der Landtagspräsident mit unübersehbarer Präsenz eigener Duftmarken auf Prospekten und Einladungen zum Bürgerfest in den Landtag gerufen hatte. Der von der Landesregierung ein bisschen zu aufdringlich hervorgehobene 60. Landesgeburtstag spielte nur eine geringe Nebenrolle. Die Bürger kamen, aber nicht in den Scharen, in denen sie diese Chance hätten nutzen können und sollen.

Volkspurzelbäume?
Es war mehr als ein Tag der offenen Tür des Landtags, ein kunterbuntes Programm mit Abgeordneten in verschiedenen aktiven Rollen. Mal politisch, mal unterhaltend, aber nie abgehoben. Dazu gab es allerlei Beiwerk an Volksvorführungen, Informationen und natürlich auch an Ess- und Trinkbarem aus baden-württembergischen Genießerlanden.

Sie war so frei und machte Musik: die FDP-Fraktion.
Dass die Grünen sich aufs Melken verstehen, haben sie inzwischen ja nicht auf Kühe beschränkt, von denen eine nachgemachte zum Handanlegen aufforderte. Die FDP-Sieben trat live und ohne Play-Back als die Band "Freunde der Freiheit" auf und heimste für das mutige und trotzdem gelungene musikalische Intermezzo lauten Beifall ein, vor allem auch für den Hit "Freiheit" nach Müller-Westernhagen. Man braucht nur Wenige, um schlagkräftig zu sein. Was die Fraktion im Parlament vorführt, ließ sie nun auf der Bühne hören.

Die Grünen ließen melken.
Der Landtagspräsident nutzte die Bühne selbstverständlich nicht nur in des Parlaments- sondern auch in eigener Sache.  Von einer "Mission" des Präsidenten im Lande sprach Guido Wolf auf der Plattform der Privatsender. Und auch davon, dass Baden-Württemberg "Wolferwartungsland" sei. Irgendwann, so die Expertenerwartung, würden die Wölfe aus der Lausitz auch hier landen.

Die "Elefanten" des Landtags in SWR-Runde: (ab Zweitem von links): Hauk, Rülke, Sitzmann, Schniebel.
Dass der Wolf schon da ist, nämlich der aus Tuttlingen, könnte jeder sehen und hören auf diesem Fest, wobei er dichtend wohl inzwischen überall gerne Pfötchen gibt  und sogar Autogramme im Amtszimmer, in das es auch das Wolfsbild  des Nabu geschafft hat, eines kleinen Mondes des grünen Planeten.

"Mission Lupus"?
Eine "Elefantenrunde" mit den Fraktionsvorsitzenden und den üblichen Verdächtigen vom Staatssender gab es auch, wobei das Großwild in der baden-württembergischen Politik eher noch zahm wirkt. Da genügt ja schon ein Wolf, der sein Revier ausgeweitet hat, um sogar im eigenen Rudel für Unruhe zu sorgen.

Nur eine Attrappe ist der Nabu-Wolf (im Hintergrund) im Amtzszimmer des Präsidenten. Der echte gab Autogramme.
Warum die Bürger nicht in möglichen größeren Scharen gekommen sind, müssen sich vielleicht alle Parteien fragen. Sie haben es verpasst, ihre Mitglieder zu motivieren, zu diesem Fest zu gehen, sie haben es verpasst, beispielsweise für Fahrgelegenheiten zu sorgen. Was früher war und diesmal kaum, kann ja das nächste Mal wieder sein.

Auch Kinderspiel vor dem Landtag kann mal ermüden.

Solche Ein-Mann-Demonstrationen fehlen wohl auf keiner größeren politischen Veranstaltung.