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Ein Schelm, der sich nichts dabei denkt…

Peter Lenks Kunst gewordene Satire baumelt nun auch in Emmingen

Der Schelmenbaum nach...

(tutut). Die nicht anwesende Politprominenz wird erst einmal das Terrain sondiert haben. Denn Peter Lenks Enthüllungen sind die treffendsten. Die große Frage war: Wen hatte er diesmal im Visier, bevor sein neuestes Werk, ein Schelmenbaum in Emmingen-Liptingen, sein Geheimnis preisgab unter dem Motto "Klettern, Klauen, Imponieren, Prügeln, Grapschen, Spionieren"? Was zunächst nur zu ahnen war auf den typischen Lenkschen karikierten Körpern hoch im Schelmenbaumgeäst, wurde dann Gewissheit, als durch Zurren und Ziehen und mit Hilfe von Leiter und Hebebühne unter der passenden Begleitmusik der Trachtenapelle von Emmingen ab Egg auch die Köpfe hüllenlos sich in den blauweißen Emminger Himmel der Sonne entgegenstreckten.

...und vor der Enthüllung.
Wie bei Peter Lenk üblich, ist es stets die Phantasie des Betrachters, die  wohl rein zufällig Ähnlichkeiten mit lebenden oder schon toten Personen zu entdecken glaubt. Denn seine Beteuerung, dass ihm niemand Portrait gestanden oder gesessen habe, dürfte hieb- und stichfest sein, falls jemand vielleicht meint, auf dem Rechtsweg Anspruch auf das eigene Bildnis erheben zu können.

Demaskierung.
Dass es auf dem Schelmenbaum auch ein bisschen nackig zugeht, wer hat es anders erwartet? Der Künstler aus Bodman versicherte glaubwürdig, dass die ihm Modell gestandenen Gorillas aus der Wilhelma nicht bereit gewesen seien, sich Zirkusschimpansen gleich  zu verkleiden. Für die Bedienungsanleitung der sonntägigen Enthülllung vor viel Publium sorgte ein ebenso bekannter Künstler aus Bodman, aus der Abteilung Recht und Schauspiel: Ingo Lenßen.

Das Duo aus Bodman: Peter Lenk (rechts) und Ingo Lenßen.
Bürgermeister Joachim Löffler zeigte sich zuversichtlich, dass die vom Stifterpaar Weber zur Verfügung gestellte Skulptur ihre zwei Probejahre - dann der Gemeinde geschenkt - verlängern werde. Denn nach jedem Blind-Date von Peter Lenks Werken irgendwo im Land, folgte mancher Entrüstung ja fast ausschließlich Liebe auf dem zweiten und dritten Blick, denn Furore ist mit ihnen stets zu machen. Mehr Aufmerksamkeit denn je wird nun auch Emmingen-Liptingen erfahren, das dürfte sicher sein.

Zum Demaskierungsball spielte die Trachtenkapelle auf.
Der 12 Meter hohe und 10 Meter ausladende Schelmenbaum ist kein Galgen, wenngleich, wie der Jurist Lenßen zu bedenken gab, ein Schelm einst einfach ein Verbrecher war, der gehenkt wurde. Mal Ähnlichkeiten angenommen zu Gegenwarts- und Vergangenheitsgenossen und -genossinnen, sind die im künstlerischen Baum herumturnenden Gestalten natürlich keine Schelmen. Allerdings könnte ein Schelm sein, wer sich dabei gar nichts denkt.

Gespanntes Publikum.
Die vier Figurengruppen widmen sich einmal einer Hommage an Darwin, mit drei Gorillas nicht im Nebel, aber mit Doktorhüten, woher auch immer kopiert. Halb ernst, halb närrisch geht's dort zu, wo der Zusammenschluss von Emmingen und Liptingen im Zuge der  Gemeindereform einen Schultes zu Boden gehen lässt. Der Fürsten Recht auf die erste - oder ist es vielleicht die letzte? - Nacht persifliert einer, der nach dem Weibe kriecht. Horch und Guck aus Liptingen ist ganz oben, auf des Baumes Spitze, der Dorfpfarrer von 1799, der Schlachtpläne des französischen Generalstabs an die Österreicher verriet und diesen so eines ihrer letzten Erfolgserlebnisse der Geschichte bescherte.

Bürgermeister Löffler  hofft auf einen Werbeeffekt.

Das Stifterpaar Helmut und Winnie Weber mit Peter Lenks Frau (von rechts).




Ähnlichkeiten? Rein zufällig.

Zugunsten der Jugendkapelle Emmingen wurde ein Schelmenbaum-Glas verkauft.