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Ein Wegbegleiter des Holocaust

EU-KZ-Zertifikat am Spaichinger Martin-Luther-Haus

 

(tutut) - Mutig, mutig!  Darauf muss frau*mann erst einmal kommen. Wer die Vergangenheit nicht kennt, hat von Gegenwart kaum Ahnung und rechnet wohl auch nicht mit Zukunft. Vereine haben sich Spaichingens Geschichte angenommen und damit der Stadt weggenommen, was ihr Ureigenes ist.  Vereinsmeierei läuft stets Gefahr, in Tümelei sich zu verstümmeln. Ob Heimat oder gar KZ.  Wer's nicht glaubt, muss sich nur ansehen, was als Amtskultur im städtischen Gewerbemuseum verkauft wird. Der neueste Schwabenstreich ist nun ein Anschlag am Martin-Luther-Haus der Evangelischen Kirche, im Zentrum gleich neben dem  Marktplatz. Ein EU-KZ-Zertfikat als Fleißkärtchen für besonderen Erinnerungskult.

Und es hat weder Zoom gemacht noch geklingelt.  Der hochgepriesene Martin Luther,  sogar eine Straße wurde nach ihm benannt, war buchstäblich ein Judenhasser und damit einer der bekanntesten Ziehväter und Wegbegleiter des Holocaust, welcher nach einsamem Ratsschluss und Ausflug in Geschichte einer örtlichen "Redaktionsleiterin" auch in Spaichingen stattgefunden hat. Denn Spaichinger Geschichte wird neuerdings  im französischen Verteidigungsministerium geschrieben. Und Frankreich hat seinen ganz eigenen Blick in die Vergangenheit. Schließlich  bestimmt man als Sieger, was Recht und was Unrecht ist, auch wenn man selbst mitgemacht hat bei  Verbrechen von Deutschen, pardon: Nazis.

War Frauen- und  Bauernhasser Martn Luther  Nazi? Hitler, immerhin, bezog sich in seiner Judenhatz lobend auf ihn.

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen…; Man sollte ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecken, … unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien (…) ihre Häuser desgleichen zerbrechen und zerstören.“ (Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen, Tomos 8, S. 88ff)

„Wie es unmöglich ist, dass die Aglaster ihr Hüpfen und Getzen lässt, die Schlange ihr Stechen: so wenig lässt der Jüde von seinem Sinn, Christen umzubringen, wo er nur kann.“ (Martin Luther: Tischreden. Erlanger Ausgabe der Werke Luthers, Bd. 62, S. 375)

„Darum wisse Du, lieber Christ, und Zweifel nichts dran, dass Du, nähest nach dem Teufel, keinen bittern, giftigern, heftigern Feind habest, denn einen rechten Juden, der mit Ernst ein Jude sein will.“ (Martin Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 182)

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben …“ (Martin Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 233-238)

„Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird … die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt.“ (Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach zur „Reichskristallnacht“.)

Wann ist mit dem nächsten Anschlag in Spaichingen zu rechnen? Zwei Info-Tafeln zieren bereits das Martin-Luther-Haus, eine Tafel mit Gekritzeltem  steht in der Nähe, eine andere mehr außerhalb im Gewerbegebiet, ein paar Stolpersteine ziehen sich fast unsichtbar durch die Stadt. Wo's  darauf ankommt, fehlt jegliche Information. Beim "KZ-Ehrenmal". Es erinnert an die Opfer der Gewalt für ein KZ, welches  ab September 1944 in Spaichingen eingerichtet worden ist, um Sklaven  für  die Mauserwerke  Oberndorf zu liefern, eingeschlossen Vernichtung durch Arbeit.  Aber ein Verein, wie zu hören ist, hat Großes mit sich vor.  Kult um Erinnerung, die  sie nicht haben und nicht hatten, sich nun aber sozusagen als Nachtwächter der Vergangenheit wach und lebendig halten wollen, Mitglieder einer ideologieproduzierenden Industrie.  Es wird Zeit, dass sich Spachingen selbst um seine Geschichte kümmert.

Ist was? Wo KZ-Außenlager Natzweiler-Struthof draufstand, war Natzweiler-Struthof meist nicht drin.  Auch in Spaichingen nicht. Das KZ in den Vogesen war bereits aufgegeben. Muss deshalb Spaichinger Geschichte insbesondere und deutsche allgemein dem französischen Verteidigungsministerium übereignet werden? Die Franzosen haben selbst ihren aktiven Anteil an Naziverbrechen und bis heute nicht aufgearbeitet. Sie betrieben selbst nach Kriegsende Natzweiler-Struthof als KZ  und  haben dort nun eine nationale Gedenkstätte für ihre Widerstandskämpfer eingerichtet, dabei waren dort auch Tausende von Deutschen eingekerkert und gestorben. Geschichtsklitterung und -fälschung  können ein Umgang mit Vergangenheit sein. Fakten statt Fakes!  Es gibt keine deutsch-französische "Friedens- und Erinnerungssarbeit".  Auch nicht in Spaichingen. Die EUdSSR führt Krieg an mehreren Fronten, was für eine verlogene Arroganz! Warum nicht  zuerst an Spaichinger Geschichte arbeiten? Arbeit schändet nicht!  Was möglich und nötig war, haben keine Vereinsmeier geleistet, sondern Bürger beider Länder, die den Krieg  noch erlebt hatten und selbst betroffen waren. Sie litten nicht an  eventueller Gutmenschentümeleibesoffenheit.  Vieles, was in Frankreich heute ausgestellt und zu sehen ist, würde in Deutschland einen SEK-Einsatz  verursachen. Wie soll Geschichte eine Chance haben, wenn sie nur aus 12 Jahren beteht?

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