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Eine Überraschung!

Demographische Entwicklung in der Welt

(www.conservo.wordpress.com)

Von Dieter Farwick, BrigGen a.D. und Publizist

Vernachlässigte Forschung
Wenn man Greta Thunberg und ihren pseudowissenschaftlichen Zuarbeitern zuhört, braucht man keine Forschungen über eine zukünftige globale, demographische Entwicklung, da nach deren „kurzsichtiger“ Betrachtungsweise unser Planet wenig Chancen hat, die nächsten Jahre zu überleben.

Aber was geschieht mit den Menschen in der Zukunft, wenn die Erde doch noch überlebt?

Gretas „Wissenschaftler“ geben vor, genau zu wissen, wie hoch der globale Wasserspiegel in 300 Jahren sein wird, wenn sich der größte Teil des derzeitigen globalen Eises in Wasser verwandelt hat. Oder kommt eine neue Eiszeit, die von seriösen Wissenschaftlern als „möglich“ eingestuft wird?

Was sollen solche Prognosen, wenn die Menschheit auf diesem Planeten vorher zerstört wird?Die fanatischen Anhänger von „Fridays for future“ demonstrieren auf ihren Demos mit Bannern „Ihr zerstört unser Leben!!!“

Warum dann noch Zukunftsforschung?
Jetzt erschwert die globale Corona-Pandemie den Blick in unsere Zukunft.

Man muss schon Realist oder Optimist sein, wenn man der Frage nachgeht, was sich in diesem Jahrhundert hinsichtlich der demographischen Entwicklung noch tun wird.

Es ist daher erfreulich, dass es globale Studien gibt, die Antworten geben.

Es gibt zwei seriöse Studien, die sich gegenseitig ergänzen und bestätigen. Die beiden Studien liefern eine gewagte Punktlandung:

Die gute Nachricht zum Einstieg:
Bereits in 40– 80 Jahren werden deutlich weniger Menschen als heute auf unserem Planten leben. Ein wichtiges Datum ist das Jahr 2064, die Wende in dem Zuwachs der Weltbevölkerung.

Bereits heute leben auf unserem Planeten einige Milliarden Menschen, die dieses Jahr noch erleben können.

Was geschieht in den nächsten Jahrzehnten?
Bei demographischen Prognosen für den Zeitraum dieses Jahrhunderts gibt es wichtige Entwicklungen, die Einfluss nehmen: Pandemien – wie heute die Corona-Pandemie, Naturkatastrophen – mit Überschwemmungen oder Dürren und Bränden als Folge, flächendeckende Kriege mit menschlichen Verlusten und materiellen Zerstörungen, eine steigende Erderwärmung – auch mit Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutzung, eine weltweite Migration mit -zig Millionen Menschen, die ihre Lebenschancen verbessern wollen.

Eine Fußnote zu der Corona-Pandemie: Die Todesrate ist erschreckend, hat aber keine wichtigen Folgen für den Umfang der Weltbevölkerung.

Die internationalen Organisationen – wie die VN und die EU – sind bereits heute überfordert, ein erfolgreiches Krisenmanagement zur Konfliktvermeidung und Konfliktlösung wirkungsvoll zu gestalten. Schadensbegrenzung ist eine „Minimalforderung“. Bei gegensätzlichen nationalen und regionalen Interessen keine leichte Aufgabe, die zum Teil neue Spannungen generiert.

Heute leben wir in einer unsicheren Weltunordnung.

Wichtige Daten und Fakten zur globalen Entwicklung der Bevölkerung
Der „Neue Fischer-Weltalmanach“ (letzte Ausgabe im Jahre 2019) bringt folgende Daten und Fakten:

# Auf dem Globus verschieben sich die Anteile an der Weltbevölkerung:

– Wegen sinkender Fertilitätsrate in vielen Ländern und steigender Lebenserwartung nimmt der Anteil der über-60-Jährigen an der Weltbevölkerung ständig zu: Bis 2100 könnte es ein Viertel der Weltbevölkerung sein.

* „Gewinner“ wird Afrika – mit 25 Prozent bis 2050 und mit 50 Prozent der Weltbevölkerung bis 2100 = 4,6 Milliarden.

* Asien weist nur noch ein Wachstum bis 2050 auf, danach langsamer Rückgang auf 43 % der Weltbevölkerung = 4,8 Milliarden.

* Die USA mit einem leichten Wachstum auf 499 Millionen.

* Europa ist weiterhin der „Verlierer“ mit nur noch 6 Prozent an der Weltbevölkerung = 653 Millionen 2100. So rechnet man beispielsweise, dass die Einwohnerzahlen von Bulgarien, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen Serbien und der Ukraine bis 2050 um mehr als 15 Prozent sinken werden.

* China wird bereits in wenigen Jahren nicht mehr der bevölkerungsreichste Staat sein, sondern Indien, das bereits bis 2050 rd. 1,7 Milliarden Einwohner haben wird.

* Die Demografen machen rd. 51 Staaten aus, die bis 2100 in ihrer Bevölkerungszahl deutlich schrumpfen werden.

* Eine wichtige Rolle in der Entwicklung spielen die unterschiedlichen Fertilitätsraten. Als Fertilitätsrate wird die Zahl der durchschnittlichen Geburtenrate einer gebährfähigen Frau bezeichnet. Diese Zahlen gehen weit auseinander. So lautet die Geburtenrate in Nigeria 7,2 pro gebährfähiger Frau, in China 1,2. In Deutschland liegt die Rate bei 1,5.

Eine Erklärung für diese Unterschiede wird in dem sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Status und Umfeld der Frauen vermutet.

Diese Zahlen und die Anteile an der Weltbevölkerung sind nicht 1:1 mit politischer, finanzieller und wirtschaftliche Macht oder Verlust gleichzusetzen. Erfolge und Misserfolge sind stark abhängig von dem Bildungsstand der Menschen, bezahlbaren lebenswichtigen Ressourcen – von Grundnahrungsmitteln und Rohstoffen.

Sinkende Bevölkerungszahlen sind per se keine negativen Nachrichten.

Weniger Menschen im Milliardenbereich werden die Umwelt weniger belasten, weniger Menschen brauchen weniger Straßen- und Luftverkehr, weniger Menschen brauchen weniger „neues Land“.

Wenn allerdings mit dem Schrumpfen einer Bevölkerung eine zunehmende Alterung einhergeht, entstehen neue Probleme – z.B. eine Schrumpfung der Zahl der arbeitsfähigen Menschen. Oder die Notwendigkeit zur Immigration qualifizierter junger Menschen in die Wirtschaft, nicht in die überforderten Sozialsysteme.

Kanada hat ein Einwanderungssystem entwickelt, das den humanen und sozialen Herausforderungen gerecht werden kann.

Andere Staaten müssen sich mehr einfallen lassen. Der Kampf um qualifizierte Einwanderer wird härter werden.

Angebote von Bildung und beruflicher Weiterbildung müssen attraktiver werden.

Bei allen derzeitigen Zahlen, Fakten und Trends gilt die alte Lebensweisheit:
„Expect the unexpected“ (Erwarte das Unerwartete)!

Bereits die global wirkende Corona-Pandemie zeigt: Die Menschen der Zukunft müssen sich intellektuell und psychisch darauf einstellen, dass der Wandel das einzig Beständige in ihrem längeren Leben sein wird. Heute sollen bereits 80 Millionen auf der Flucht sein – im eigenen Land oder im Ausland.

„Afrika und die arabische Welt werden unsere Zukunft prägen“
So lautet eine Kernaussage einer Studie der University of Washington aus dem Jahre 2020. Auch sie nennt das Jahr 2064 als Wendepunkt in der Entwicklung der Weltbevölkerung, die bis dahin noch leicht auf 9,7 Milliarden ansteigen wird, um danach unterschiedlich stark abzufallen.

Im Jahre 2100 – so die Forscher der University of Washington – sollen auf unserem Planeten noch rd. 8,8 Milliarden Menschen leben. Eine überraschende Prognose. Das wären rd. zwei Milliarden weniger, als die VN noch im Jahre 2019 vorhergesagt hatten.

USA-Forscher gehen davon aus, dass in 23 Ländern in Europa und Asien die Bevölkerungen um mehr als die Hälfte schrumpfen werden.

Professor Horton, einer der Forscher, kommt zu dem Ergebnis:

„Afrika und die arabische Welt werden unsere Zukunft prägen, während Europa und Asien an Einfluss verlieren werden. Ende des Jahrhunderts werden wir eine multipolare Welt erleben, in der Indien, Nigeria, China und die USA die dominanten Kräfte sind.“

In meinen Augen eine mutige Aussage, aber die Geschichte der Menschheit ist voller Beispiele vom Aufstieg und Fall von großen Mächten. Siehe den Klassiker von Paul Kennedy „ Aufstieg und Fall der großen Mächte“.

Tatsächlich sagen die Forscher in ihrer Studie voraus, dass die globale Geburtenrate von 2,37 je Frau (2017) bis zum Ende des Jahrhunderts auf einen Wert von 1,66 sinken wird…. Sogar für China sagen die Wissenschaftler einen starken Rückgang der Bevölkerung voraus – von 1,4 Milliarden Menschen im Jahre 2017 auf 732 Millionen in 2100.

Das sind keine kosmetischen Veränderungen, sondern tektonische Verschiebungen mit einem großen Umbruch innerhalb der Länder und in ihrer Region.

Es wird Jahrzehnte dauern, bis ehemalige Großmächte mit einer neuen Identität fertig werden. (Siehe auch die Entwicklungen für Großbritannien nach dem 2. Weltkrieg).

Einige markante Veränderungen, die auch Folgen für Europa und Deutschland haben werden.

Land/Jahr 2017 Rang Bevölkerungszahl 2100 Rang

China Rang 1 mit 1,4 Milliarden auf 732 Millionen im Jahre 2100 Rang 3

Indien Rang 2 mit 1,38 Milliarden auf 1,090 Milliarden 2100 Rang 1

USA Rang 3 mit 325 Milliarden auf 336 Millionen 2100 Rang 4

Indonesien Rang 4 mit 258 Millionen runter auf 229 Millionen 2100 Rang 7

Russland Rang 9 mit 146 Millionen runter auf 106 Mio im Jahre 2100 Rang 19

Nigeria Rang 7 mit 206 Millionen rauf auf 791 Millionen 2100 Rang 2 (Quelle: The Lancet, IHME)

Zugleich erwarten die Forscher starke Veränderungen in der demographischen Struktur der Menschheit. Im Jahre 2100 sollen 2,37 Milliarden der Menschen älter als 65 Jahre und nur 1,7 Milliarden jünger als 20 sein.

Die Bundesbürger werden auf rund 66 Millionen bis zum Jahre 2100 abnehmen.

Verhütung und Bildungserwerb werden auch als Grund für den Rückgang der Geburtenrate genannt.

Fertilitätsraten nach oben positiv zu verändern, ist eine langwierige Aufgabe, wenn sie überhaupt im nennenswerten Umfang gelingt.

Was bedeuten diese Annahmen für Europa und Deutschland?
Der Anteil der Europäer an der Weltbevölkerung schrumpft von 10 auf 6 Prozent.

Ob es dem zerstrittenen Europa gelingt, durch höhere Effizienz in der Bildung und in der Wirtschaft oder durch gezielte qualifizierte Zuwanderung annähernd den derzeitigen Stand zu erhalten, ist mit Skepsis zu betrachten. Der Vorsprung der erfolgreichen Regionen und Staaten ist eher größer geworden.

Die meisten Schulen in Deutschland haben es bisher nicht geschafft, die von der Regierung zur Verfügung gestellten 5 Milliarden Euro überhaupt erst zu beantragen.

Das Home-Learning hat die Kluft stark erweitert zwischen Schülern mit Eltern, die moderne E-Mittel und eigenes Können und Wissen zur Verfügung stellen können, und den Schülern, die zu Hause kaum Unterstützung bekommen können.

Je nach dem weiteren Verlauf der Pandemie und weiterhin fehlenden elektronischen Hilfsmitteln wird es in Deutschland und Europa sehr schwer werden, die Versäumnisse im Bildungssystem in absehbarer Zeit auszugleichen. Weitere Pandemie bedingte Unterbrechungen an Schulen und in Universitäten würden die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Jugend im internationalen Maßstab deutlich beeinträchtigen.

Es kann sein, dass wir durch Versäumnisse in der Vergangenheit in der Bildung in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft rutschen – mit gravierenden Folgen für die Integration und Inklusion.

Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen für die Zukunft Deutschlands die hier ausgewählten Daten und Fakten nicht im Safe einschließen.

Die Zeitspanne zwischen dem Beginn des 2.Weltkrieges und dem Jahre 2020 ist länger als die Zeitspanne zur Jahrhundertwende.

Rückblickend ist atemberaubend, was die Menschheit in dieser Zeit geleistet hat.

Diese Leistung sollte Mut machen für die Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen, die vor uns liegen.

Zunächst müssen Staat und Gesellschaft die Zeichen an der Wand wahr und ernst nehmen. Es wäre grob fahrlässig, wenn wir die Zeichen an der Wand ignorieren würden.

Die demographische Entwicklung betrifft uns alle als Individuen und die Umwelt, in der wir beruflich und privat leben.

Wie gestalten wir die Zukunft?
Mit wenigen Ausnahmen werden die Bevölkerungen der einzelnen Staaten schrumpfen und älter werden – vermutlich im Alter auch chronisch kranker werden.

Im Alter nehmen Dynamik und Risikobereitschaft ab.

Mehr ältere Menschen benötigen Pflege und menschenwürdige Unterbringung.

Eine schnelle Chance böte eine Allgemeine Dienstpflicht für Männer und Frauen.

Besonders junge Frauen eignen sich für die Aufgaben der Betreuung und Fürsorge.

Alten- und Pflegeheime dürfen keine „Todesfallen“ bleiben, zu denen sie durch Isolierung und Übertragung von Krankheiten werden können.

Die Aussetzung der Wehrpflicht und die andauernde Unterfinanzierung der Streitkräfte müssen zeitnah rückgängig gemacht werden. Die Bundeswehr und ihre Streitkräfte sollten bei Männern und Frauen vorrangig personell bedacht werden.

Schon das Vorlesen einer örtlichen Tageszeitung ist für ältere Menschen wichtig. So können sie weiter am Leben ihrer Gemeinde teilhaben. Junge Menschen, die zusätzlich in den Heimen zur Verfügung stehen, können die Geselligkeit älterer Menschen fördern.

Eine weitere Entlastung könnte durch einen gezielten Einsatz von „intelligenten“ Robotern erzielt werden.

Bildung – als staatliche und gesellschaftliche Gesamtaufgabe
Der bisherige Verlauf der Corona-Pandemie hat die Anfälligkeit unseres Bildungssystems aufgezeigt. Schulen und Universitäten sind nicht auf dem Stand moderner Technik, der notwendig wäre. Es gibt keinen gleichwertigen Ersatz für den Präsenzunterricht. Auch in Zukunft muss mit Schließungen von Schulen – auch Berufsschulen und Universitäten – wie auch von Kitas und Kindergärten gerechnet werden. Digitalisierung und Automatisierung müssen auf Knopfdruck anwendbar sein.

Wenn berufstätige Frauen und Männer in einem Home Office arbeiten und Kinder auch „schulisch“ betreuen müssen, ist das für alle Beteiligten keine Dauerlösung.

Auch bildungsferne Eltern müssen mit abgespeckten PC ausgestattet werden, um ihren Kindern helfen zu können.

Dazu ist das Beherrschen der deutschen Sprache Voraussetzung. Volkshochschulen können dabei unterstützen.

Deutschland sollte bei Asylanträgen stärker Bildung und Bildungsbereitschaft beachten.

Das „föderale“ Bildungssystem mit 16 Bundesländern erschwert den Fortschritt und die Vergleichbarkeit von Abschlüssen.

Berufe in Wirtschaft und Industrie
In den nächsten Jahrzehnten werden sich viele Berufe und Arbeitsabläufe stark verändern.

Es muss eine Umwälzung in der Qualität und der Effizienz geben.

Die verzugslose Kommunikation durch Vernetzung muss sichergestellt werden.

Eine zu tiefe Globalisierung muss zu Gunsten regionaler Vorratshaltung reduziert werden.

Das gilt auch für die Produktion überlebenswichtiger Güter. Lange Lieferketten – z.B. von Indien und China nach Europa – sind störanfällig.

Die vorbereitenden Maßnahmen in der Gesundheitsvorsorge müssen in kurzen Zeitabständen ortsnah überprüft werden. Festgestellte Fehler müssen unverzüglich abgestellt werden.

Es kann nicht hingenommen werden, dass Menschen bei Epidemien und Pandemien in der Anfangsphase sterben, weil wichtige Medikamente und technische Hilfsmittel – wie z.B. technische Beatmungsgeräte – fehlen.

Gesundheitsvorsorge muss „ Chefsache“ werden.

Öffentlichkeitsarbeit in Krisen
Besonders in Krisen muss die Bevölkerung frühzeitig informiert werden – durch elektronische Medien oder durch Lautsprecherfahrzeuge.

Es kommt auf eine abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit an. Es darf nicht sein, dass die betroffenen Menschen mit mehr oder weniger abgesicherten „Wasserstandsmeldungen“, die sich häufig noch widersprechen, dauerberieselt werden.

In den Regierungen im Bund und in den Bundesländern muss jeweils ein Reservepool von Frauen und Männern gebildet werden, die glaubwürdig auftreten.

Sich widersprechende Meldungen fördern „Verschwörungstheorien“ und untergraben das Vertrauen der Bevölkerung in die Arbeit der Regierungen und der Institute.

Auch Spitzenpolitiker und -innen sollten ihre öffentliche Auftritte nicht zur persönlichen Profilierung missbrauchen. Das gilt auch für die beratenden Gesundheitsexperten.

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