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Eine Wahlanalyse

Neuaufbau der CDU mit dem verbrannten Tobias Schumacher?

(tutut). Vor gut 2 Wochen endete in Spaichingen eine im wahrsten Sinne des Wortes merkwürdige Bürgermeisterwahl. Es war eine rein interne Auseinandersetzung der Christlich-Demokratischen Personalunion, nachdem mit Tobias Schumacher der nach wie vor amtierende CDU- Orts- und Kreisvorsitzende, sowie Vorsitzender der weiland größten Gemeinderatsfraktion gegen den Chef im Ring, den amtierenden Bürgermeister Hans-Georg Schuhmacher antrat.
Allein schon diese Vorgänge würden für eine Vorabendserie im Privatfernsehen reichen.Der Herausforderer gehörte im Jahre 2004 bei der erstmaligen Wahl des amtierenden BGM nicht nur zu den lautesten Jubel-JU-lern und Gratulanten, er managte sogar den damaligen Wahlkampf von HGS.
An dieser Stelle sei die Freudsche Fehlleistung von Frau Havenstein auf der Podiumsdiskussion im Wahlkampf in Erinnerung gerufen: „ Herr Schumacher, mit 33 Jahren haben Sie ja schon eine Politiker-Karriere hinter sich…“ Wie recht sie hatte: Tobias Schumacher übernahm das Ruder der örtlichen CDU, und von Stund an ging es abwärts mit dem konservativen Flaggschiff des Landkreises.
Erst die Kommunalwahl versemmelt mit dem Verlust der Mehrheit, dann die eigene BGM-Kandidatur an die Wand gefahren und schließlich, als Konsequenz hieraus, auch noch den CDU-Landrat verloren. Eine schwarze Woche für den Chef der Schwarzkittel. Da spielt es schon keine Rolle mehr, dass er auch bei der Wahl des CDU-Landesvorsitzenden aufs falsche Pferd gesetzt hat.
Übrigens: der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Anton Stier, wackelt auch schon gewaltig.Ob mit ihm ein „Neues Miteinander“ möglich ist? Oder ob es nicht in der CDU bald heißen wird: „Für ein neues Miteinander, aber ohne dich, lieber Tobias“? Die sybillinischen Aussagen des CDU-MdL Wolf in der Presse lassen nichts Gutes erahnen( „Konsequenzen ziehen und erneuern…“).
Die Leidensfähigkeit der CDU-Basis wird auf eine harte Probe gestellt. Aber man wird der Situation nicht gerecht, wenn man Tobias Schumacher alleine verantwortlich macht. Sicher, er ist Vorsitzender von Spaichingen und dem ganzen Kreisverband (eine solche Ämterhäufung hat es übrigens auch noch nie gegeben). Tatsache ist aber, dass der EX-CDU-Landrat Wolf gar nicht schnell genug seinen Posten räumen konnte, um vermeintlich an höherer Stelle segensreich zu wirken. Ein guter Chef räumt seinen Schreibtisch auf, bevor er geht. Und Volker Kauder, Merkels Rasputin? Der muss den Euro und die EU retten und kann nicht auch noch Schwächen des örtlichen Bodenpersonals ausgleichen.
Alles in allem wirkt Tobias Schumacher allein gelassen und schlecht vorbereitet von seinen Vorgängern. Wurde er also verheizt? Mitnichten, schließlich hat er sich selber mit Hurra-Gebrüll ins Feuer gestürzt! Wer solche Wahlkampfhelfer hat wie er, braucht keine Feinde mehr.
War es nicht er selbst, der sich als Kandidat ins Rennen gebracht hat, obwohl dem Vernehmen nach die örtliche CDU durchaus auswärtige Interessenten hatte? Hätte er einen parteilosen auswärtigen Kandidaten gebracht, wäre er ein Held, weil dann die Wahl mindestens wesentlich spannender geworden wäre.
War es nicht er selbst, der seinen Wahlkampf mangels Sachthemen rein emotional angelegt hat(„für ein neues Miteinander, gegen Spaltung etc., piep,piep,piep, ich hab euch alle lieb“?) Dann darf er sich nicht wundern, wenn ein solcher Wahlkampf auch emotional geführt wird. Das Gegenteil von „gut  gemacht“ ist „gut gemeint“.
Wer um Himmels Willen hat ihn beraten? Dem Vernehmen nach keiner, zumindest keiner derjenigen Altvorderen, die über die notwendige Erfahrung verfügen. Ob sie überhaupt von ihm um Rat gefragt wurden?
Der Schrecken hat allerdings noch kein Ende: Wenn er jetzt glaubt, die 37 % Bürgerinnen und Bürger  hätten ihn gewählt, dann irrt er erneut. Zumindest ein Großteil seiner Wähler hat nicht für ihn, sondern gegen den Amtsinhaber votiert.
Das alles nicht erkannt zu haben, auf den Rat der Erfahrenen verzichtet zu haben, zeugt schlichtweg von fehlendem Talent, mangelnder Politik- , Berufs- und Lebenserfahrung und rechtfertigt im Nachhinein für manchen Kritiker die Wahlentscheidung für den Amtsinhaber.
Die CDU muss neu aufbauen und sie muss sich fragen lassen, ob dies mit dem verbrannten Tobias Schumacher möglich ist.(Ein kleiner Tipp eines Szene-Kenners: vielleicht sollte wenigstens jetzt der Rat der Erfahrenen in der CDU eingeholt werden).