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Einfalt in Vielfalt oder Vielfalt in Einfalt oder nur zum Falten?

Zeitungen im Kreis Tuttlingen: 1+ 1 +1 = 1?

(tutut). Nur eine Monopolzeitung im Kreis Tuttlingen? Das täuscht ein bisschen, wen auch immer, und sei es den Leser. Denn wie es Einfalt in Vielfalt oder Vielfalt in Einfalt geben kann,  schafft es die Schwäbische Zeitung, in dem kleinen Kreis unter dreierlei Namen mit dreierlei Inhalten zu erscheinen. Ob's die Leser überhaupt merken? Vielleicht wollen sie es ja so, denn der ganze Landkreis in einem Lokalblatt würde möglicherweise nur noch mehr Altpapier bedeuten. Außerdem: Umfang kostet den Verlag Geld.
So bekam am Montag, 1. Oktober, der Spaichinger seinen "Heuberger Boten", der Trossinger die "Trossinger Zeitung" und der Tuttlinger den "Gränzboten". Alle jeweils individuell zugeschnitten. Was geht den Spaichinger beispielsweise Trossingen an? Also wird er vor dieser  Seite schlicht verschont. Was hat er verpasst? "Konzerthaus soll Traverse bekommen", "Die Wiesn gibt es auch in Trossingen", "Musikalischer Parforceritt durch die Kinogeschichte"  und dazu ein bisschen Kleinkram wie "Streit in Bar artet in handfeste Schlägerei" aus. Wetten, dass dies,  obwohl am kleinsten aufgemacht, am häufigsten gelesen wird?  Nur an den Leser denken! Das hat die Redaktion sich wohl gedacht und gemeint,  eine solche Trossinger Seite interessiert den Spaichinger und den Tuttlinger nicht. Also werden die beiden anderen Ausgaben vor dieser Seite verschont. Ob dort jemand Trossingen vermisst hat?
Dass es Spaichingen und Tuttlingen gibt, wird dagegen dem Trossinger Leser nicht vorenthalten. Auf einer Seite "Spaichingen/Heuberg" ist das Wichtigste "Gemeinde weiht neue Heiigenfigur -Tradition des Erntedankteppichs besteht in Renquishausen seit 25 Jahren", wenngleich Renquishausen geschichtich noch nie etwas mit Spaichingen zu tun hatte. Kann ja noch werden, wird sich das Zeitungsmacherkollektiv denken und hat Renquishausen einfach dem Heuberger Boten zugeordnetet. Was macht's, die Trossinger Redaktion hat ja auch Wurmlingen am Hals. Spaichinger Nachrichten sind dem Heiligen von Renquishausen untergeordnetet,  beispielsweise "Sänger bieten Sternstunde der Kirchenmusik", welche, selber schuld! - offenbar die meisten Spaichinger verpasst haben. Dann gibt's noch "Grundstücke in Spaichingen verwildern", vierspaltig passend zurechtgebastelt, was auf der originalen Spaichinger Seite nur ein Einspalter ist.
Von der kompletten Seite "Heuberg" im "Heuberger Boten" stammt noch "Schüler erwerben Wirtschaftsführerschein", was für eine Montagsausgabe sicherlich eine Sensationsmeldung ist, wie so manches andere eher Unaktuelle. In den Genuss der im "Heuberger Boten" veröffentlichten Seite "Primtal"  kommen auch die Leser der "Trossinger Zeitung", wobei es ja irgendwann durchaus möglich sein könnte, dass Denkingen ins Primtal hinunterrutscht und das Klippeneck alleine zurück lässt. Ansonsen kriegen die Trossinger Leser noch die erste Tuttlinger Seite mit brennendem Haus und Nachtflohmarkt, auch für eine normalerweise montags nicht erscheinende Seite "Wir in der Region" wurden sie für würdig empfunden mit dem "rätselhaften" Tod einer Frau bei Zwangseinweisung. Tode scheinen im Kreis Tuttlingen wohl stets rätselhaft zu sein.
Und dann wird in der neuen Serie mit dem Logo auf dem zu lesen ist  "Praxis geschlossen, Gesundheit in Gefahr" mit einem Grinserich, der wohl einen Arzt darstellen soll, direkt om Chefredakteur berichtet "Retter beherrschen Folgen eines Chmieunfalls". Alles natürlich nur gespielt.  Unter "Elta, Baar und Villingen-Schwenningen" gibt es Überraschendes für den Trossinger Leser, beispielsweise, dass, wie groß angekündigt worden war, tatsächlich das Museum in Seitingen-Oberflacht "seine Pforten" geöffnet hat, wobei mal anzunehmen ist, dass die beiden fotografieren mittelalten Damen nicht ausgestellt werden. Da VS gleich nebenan liegt und der Schwarzwälder Bote für Füller zuständig ist, muss jetzt schon jeder erfahren, dass der Liederkranz Schwenningen am 20. Oktober singt. Fast eine Spalte VS vervollständigt mal das Überflüssige.
Der Leser des "Gränzboten" kriegt zwei Tuttlinger Seiten, er darf auch "Wir in der Region" lesen, dann sogar das "Primtal", während "Spaichingen/Heuberg" wie in Trossingen von Renquishausen dominiert wird. Der Rest ist die Seite "Elta, Baar und Villingen-Schwenningen", während der Tuttlinger mit einer Trossinger Seite nicht belästigt wird.
Wer den "Heuberger Boten" aus diesem Tuttlinger Trio der Schwäbischen Zeitung abonniert hat, darf Trossingen ebenfalls nicht vermissen, kriegt dafür aber eine komplette eigene Seite, die nicht zuletzt auch des Inhalts wegen sicher in Trossigen und Tuttlingen nicht vermisst werden müsste, außerdem die Seiten "Primtal" (mit dem Irrläufer Denkingen) und "Heuberg" sowie die erste Tuttlinger Seite, die Seite "Wir in der Region" und die überflüssigste der gesamten Ausgabe, "Elta, Baar und Villingen-Schwenningen".
Wer da also meint, er bekommt für sein Geld wengistens den ganzen kleinen Kreis Tuttlingen, hat wohl falsch gemeint. So groß ist das Lokalblatt dann offensichtich auch nicht. In der Vielfalt kann Einfalt liegen, Einfalt kann Vielfalt sein, 1 + 1+ 1 ist nicht 1, sondern Dreierlei. Auf jeden Fall kriegt jeder Leser etwas zum Falten.