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Ein Knips für die Ewigkeit

Expedition ins Unbekannte: Trossinger Zeitung will Gunninger fotografieren

Ein Bild wie gemalt, Gunningen am Gugelhupf im Winter. Die Einheimischen haben sich in ihre Behausungen zurückgezogen. Ob es der Trossinger Zeitung gelingt, sie ins Freie zu locken und zu knipsen?
(tutut). "Mein erstes Gebot: Erst kommt das Wort, dann das Bild", sagt George Lois, "Amerikas Kommunikationsgenie", der in seinem Büchlein "Verdammt gute Tipps (für Leute mit Talent!)" verbreitet. Dies Werk scheint in der Redaktion der Trossinger Zeitung unbekannt zu sein. Dagegen sind dort wohl die Wörter ausgegangen, nachdem sich seit längerer Zeit auch schon die Gänsefüßchen verabschiedet haben. So etwas hat einem Bundestagspräsidenten mal den Job gekostet. Aber journalistisches Handwerk scheint ja nicht gerade das zu sein, was in solchen Lokalblättern gefragt ist.
Deshalb ist es nun zum neuesten Schrei aus dem Sommerloch gekommen, den sich Journalisten als Witz in lustiger Promillerunde erzählen, hier aber ernsthaft als wohl letzte Verzweiflungstat einer Redaktion im Sommerloch zu werten ist, welche ausweglos in einem Drama befindlich Harakiri begeht.
Telefon- oder Adressbücher in Fortsetzungen zu veröffentlichen, wenn Einfaltslospinsel Zeitung machen sollen, diese Tipps gibt es scherzhaft schon lange. Dabei hat es die Trossinger Redaktion nun nicht bewenden lassen. Da die Lobsudelei auf den Nazi Fritz Kiehn wohl auch nicht das Wahre war, Hohner sich im Kreise dreht und für Musik keine neuen Töne zu finden sind, muss nun einem Bonmot gemäß wohl ein Bild tausend Worte ersetzen.
Noch ein Amerikaner, Woody Allen, hat gesagt, das Leben besteht zu 80 Prozent daraus, Präsenz zu zeigen, während einem weiteren Amerikaner ein Zitat zugeschrieben wird, das möglicherweise auch Trossingen erreicht hat: "In Zukunft kann jeder Mensch für 15 Minuten Berühmtheit erlangen“. Ob es 15 Minuten sein werden, entscheiden dann die Leser der Trossinger Zeitung, wenn sie demnächst das Lokalblatt aufschlagen.
Was werden sie da zu sehen kriegen? Möglicherweise ein paar Gunninger. Gunninger, die kaum jemand kennt, auf einem Knipsbild Berühmtheit für die Ewigkeit im Lokalblatt erlangend, wie man und frau dort wohl glauben  anbieten zu können, um vermutlich am einfachsten Altpapier für die Tonne herstellen zu können. Ein Landtagspräsident  würde vermutlich sich wohl darauf gekonnt einen Vers machen und Kennedy aus dem Grab holen mit dem Satz: "Ich bin ein Gunninger".
Das Rezept? Hier ist es, kein Witz, sondern eine mutige Expedition ins Unbekannte, denn am Samstag, dem Tag der Veröffentlichung, war nicht der 1. April.
Im Lokalblatt heißt es da:
Redaktion vor Ort
Zeitung fotografiert Gunninger
Gunningen (sz) – Ganz Gunningen hat die Chance, sich auf einem Zeitungsfoto zu verewigen. Zumindest alle Gunninger, die am Mittwoch, 15. August, um 18.30 Uhr ans Rathaus kommen. Dann ist die Trossinger Zeitung zu Gast, um ein Foto aller Anwesenden zu machen, das am kommenden Tag in der Zeitung erscheint. Dabei besteht die Gelegenheit, mit einem Redakteur ins Gespräch zu kommen. Wo genau das Foto dann gemacht wird, entscheidet sich vor Ort.
Noch Fragen?  Warum nicht gleich Harakiri? Einfach mal in die Feder stürzen mit  der dieser Text geschrieben sein muss. Wie der eingangs erwähnte Georges Lois ebenfalls rät: „Wenn nichts mehr hilft, drohe mit Selbstmord“.