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Erwin Teufel: ein Portrait zum 60. des Landes

Theiss-Buch versucht dem Ex-MP gerecht zu werden

Als Politiker immer noch gefragt: Erwin Teufel.
(tutut). Nicht nur den "Herrgöttle aus dem Süden", den Landräten, widmet das neue Buch aus dem Theiss Verlag einen seiner “60 Einblicke in die Geschichte Baden-Württembergs” (wir berichteten), sondern auch dem Spaichinger Erwin Teufel, heute Ex-Ministerpräsident. “Wir können alles” heißt das Werk von Andreas Braun und Gabriele Renz, zu haben im Buchhandel für 19,95 Euro.
"Erwin Teufel und das Hohe C" ist der Beitrag überschrieben, ein durchaus anzuerkennder Versuch, dem Mann als Politiker und Mensch in einem Portrait gerecht zu werden. Was das Land an E.T. hatte, wird vielen Menschen vor allem angesichts seiner beiden Nachfolger aus der CDU besonders drastisch deutlich. Kein Wunder, dass Erwin Teufel mehr denn je gefragt ist in seiner Partei, welche nicht nur einen Anklerplatz sucht, sondern auch ihren Anker verloren hat und deshalb antriebs- und steuermannslos dahintreibt.
So stellen die Autoren deshalb richtigerweise fest, dass Erwin Teufel nun zum Mahner der CDU geworden ist, "einer Partei, die das C vergesse oder gar immer häufiger bewusst ausblende, wie er es empfindet. Einer Partei, die ihre Stammwähler, ihre traditionellen Themen und ihre Ideale vernachlässige. Einer Partei, die Berechenbarkeit und Glaubwürdigkeit preisgebe. Mit vielen dieser Kritikpunkte trifft Teufel zweifellos den Nerv seiner Partei". Allerdings, sie ziehen trotzdem wohl den richtigen Schluss daraus:  "Die Zeiten allein, sie sind längst andere geworden. Und so befeuert Erwin Teufel zwar kurzzeitig eine nostalgische Wehmut - die Partei zur Umkehr zu zwingen vermag auch er nicht mehr".
Ziemlich treffend ist die Sicht auf den Mann, der so lange wie keiner regiert hat, nämlich von 1991 bis 2005. Zu Verklärungen,so meinen die Autoren, gebe es aber keinen Anlass, denn "deutlich durchtriebener und machtbewusster, als viele glauben mochten, hat er es stets verstanden, ein Bild von sich zu zeichnen, das nicht dem gängigen Klischee des Politikers entsprach".
Er sei weder ein eitler Selbstdarsteller noch ein Phrasen dreschender Schaumschläger gewesen, zu seinem Vorgänger Lothar Späth "mit dem Hang zu Vetterleswirtschaft und Maßlosigkeit" das "komplette Kontrastprogramm" liefernd. Allerdings, so heißt es in dem Kapitel auch, habe er neben der ihm zugesprochenen Redlichkeit und Integrität auch, aus seiner Sicht zu Unrecht kritisiert, nachtragend sein können und bei Durchsetzung und Darstellung der Macht als MP sogar brutal.
Rechtschaffen, einfach sei er, mit der Sekretärin im Zügle von Spaichingen nach Stuttgart fahrend, aufgestiegen ohne Abitur als der jüngste Städtebürgermeister Deutschlands, Staatsseketär unter Filbinger, Fraktionsvorsitzender unter Späth usw. Im Vergleich zu seinen beiden Nachfolgern sei er ein "Titan" gewesen. Hätten sie ihn gelassen, so sind sich wohl nicht nur die Autoren sicher, "wäre er auch länger im Amt geblieben". Seine Arbeitsweise sei effektv gewesen, nah an den Bürgern un Fakten schaffend, wie beispielsweise die Fusionen zu SWR, EnBW und LBBW.
Auf die letzten Jahre als MP wird in dem Buchbeitrag allerdings auch ein Schatten fallend ausgemacht: "eine gewisse Selbst- und Machtverliebtheit des Altbauern", der  "so gar nicht ins Ausgedinghaus umsiedeln wollte". Erwin Teufel, so das Urteil, habe als Regierungschef meist pragmatisch gehandelt, dennoch habe seinen Überzeugungen "in den letzten Jahren seiner Amtszeit und darüberhinaus eine leicht moralinsaure Note" angehaftet.
Dies betreffe weniger authentisch praktiziertes Christentum, als vielmehr "Starrsinn angesichts gesellschaftlicher Veränderungen". Die Bindewirkung von Parteien wie auch Kirchen habe beständig abgenommen, während Teufel noch das hohe C gepredigt habe. Allerdings habe er wohl auch dazugelernt. An den Folgen seiner "im einsamen Kämmerlein ausgebrüteten Verwaltungsreform" leide das Land noch heute, "wiewohl der Grundgedanke richtig war".