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"Es braust ein Ruf wie Donnerhall"

Max Schneckenburgers "Wacht am Rhein" gibt's nicht nur auf Deutsch

Schneckenburger-Denkmal in Tuttlingen. Foto: Wikipedia, Donautalbahner, Creative Commons-Lizenz.
(tutut). Nur 30 Jahre alt war der Talheimer Max(imilian) Schneckenburger, als er 1849 starb. Überlebt hat ihn aber bis heute seine "Wacht am Rhein". Zuerst vertont von J. Mendel und danach als Marsch von Karl Wilhelm wurde dieses Gedicht 1870 zur deutschen Kriegshymne, später auch im 1. und im 2. Weltkrieg.
In der "Neuen Deutschen Biographie" ist eine Abhandlung auch Max Schneckenburger gewidmet. Die Melodie von "Die Wacht am Rhein" ist die Hymne der Doshisha-Universität in Kyoto, die Yale University verwendet die Melodie mit unter dem Namen Bright College Years. 1971 veröffentlichte Udo Jürgens die Single "Lieb Vaterland", wobei die Melodie größtenteils an "Die Wacht am Rhein" angelehnt ist, der Text allerdings kritisiert politische und wirtschaftliche Missstände und geht auf den Generationenkonflikt ein. Die ehemalige rechtsextremistische Band "Landser" hatte in ihrem Repertoire ein Lied mit dem Titel "Wacht an der Spree", das an die "Wacht am Rhein" angelehnt war.
Die Neue Deutsche Biographie schreibt 2007 über den Autor:
"Schneckenburger, Max(imilian) (Pseudonym Max Heimthal),Dichter, Industrieller, * 17.2.1819 Talheim bei Tuttlingen, † 3.5.1849 Burgdorf (Kanton Bern), 1886 Überführung nach Talheim. (evangelisch)
Genealogie | Leben | Auszeichnungen | Literatur | Portraits | Nachlass | Autor | Zitierweise
Genealogie  
V Tobias († 1846), Landwirt, Kaufm.; M Regina Margareta, T d. Matthias Haug, Seidenfabr. aus Talheim; 4 B u. a. Mat(t)hias (1804–48), ev. Theol., seit 1834 Prof. f. KGesch., Dogmatik u. NT in Bern,|Dr. h. c. (Basel 1835) (s. ADB 32; RGG3+4; BBKL); – ? Talheim 1842 Luise, T d. N. N. Weikersreuther, ev. Pfarrer in Talheim; 4 S u. a. Max, Kaufm. in Talheim, E Marie (? Heinrich Rominger, Kaufm. aus Schwenningen).
Leben
Nach dem Besuch der Lateinschulen in Tuttlingen (1830–32) und Herrenberg (bis 1833) übersiedelte S. nach Bern, wo er seit 1834 eine kaufmännische Lehre in der Drogerie „Reuther & Blau“ absolvierte. Seit 1836 war er bei der Eisengießerei „Johann Jacob Schnell“ in Bern beschäftigt, wo er zum Geschäftsführer aufstieg und als solcher 1838 Geschäftsreisen durch Frankreich und England unternahm.
1841 übersiedelte S. nach Burgdorf und gründete im folgenden Jahr mit Jakob Rudolf Schnell (1778–1856) die Eisengießerei „Schnell und Comp.“ Seit Mitte der 1830er Jahre war S. publizistisch tätig, u. a. für den Schwäb. Merkur. Sein Debut als Dichter gab er 1837 mit dem unter Pseudonym veröffentlichten Band „Die ersten Versuche in Poesie und Prosa“, der ganz im Geist der politischen Romantik stand, aber keine Resonanz fand. In der Zeit der Rheinkrise nach 1840 beteiligte sich S. an einem Dichterstreit, der die politischen Auseinandersetzungen literarisch widerspiegelte und an dem sich auf dt. Seite u. a. Georg Herwegh (1817–75, Rheinlied, 1840), Emanuel Geibel (1815–84, Türmerlied, 1840) und Nikolaus Becker (1809–45, Der dt. Rhein, 1840), auf franz. Seite Alfred de Musset (1810–57) und Alphonse de Lamartine (1790–1869) beteiligten.
Von Beckers erfolgreichem Lied „Der dt. Rhein“ angeregt, verfaßte S. im Nov. 1840 für die Samstagsgesellschaft in Burgdorf das Gedicht „Rheinwache“ bzw. „Rheinwacht“, das bei seiner Vertonung durch den Musikdirektor und Organisten am Berner Münster, Johann Jakob Mendel (1809–81), einen Monat später in „Die Wacht am Rhein“ umbenannt und durch einen Refrain ergänzt wurde (gedr. 1841). Popularität erlangte das Lied 1854 in der Vertonung als Marsch durch Karl Wilhelm (1815–73) anläßlich der Silberhochzeit des späteren Ks. Wilhelm I. in Düsseldorf. Seit den 1860er Jahren war es fester Bestandteil der Liederbücher dt. Gesang-, Schützen-, Turner- und Studentenvereinigungen.
Bei Ausbruch des Dt.-Franz. Kriegs 1870 wurde die „Wacht am Rhein“ zur dt. Kriegshymne (lat., griech., engl., niederländ., poln., litau. Überss., 1870). In dieser Funktion blieb das Lied auch im 1. und 2. Weltkrieg äußerst populär; 1915 ordnete der preuß. Kultusminister die Aufnahme des Textes in schulische Lese- und Liederbücher an; nach seinem Titel wurde die am 16.12.1944 begonnene letzte dt. Offensive der dt. Wehrmacht an der Westfront benannt.
Im Ausland wurde es zum Zeichen eines aggressiven, kriegstreiberischen dt. Nationalismus, so etwa in den Filmen „Casablanca" (1942) von Michael Curtiz' und „Watch on the Rhine“ (1943) von Herman Shumlin. Nach 1945 brach die Rezeption des politisch desavouierten Lieds ab; lediglich Johannes Mario Simmel griff 1965 mit seinem verfilmten Roman „Lieb' Vaterland magst ruhig sein“ den ersten Vers des Refrains auf. Auch S., dessen zweiter Gedichtband postum erschien (Dt. Lieder, hg. u. eingel. v. K. Gerok, 1870) und seinen Verfasser als Revolutionsgegner und Befürworter einer kleindt. Lösung der nationalen Frage mit deutlich anti-kath. Impetus ausweist, geriet in Vergessenheit.
Auszeichnungen
M.-S.-Geb.haus, Talheim (seit 1982); M.-S.-Zimmer im Fruchtkasten, Tuttlingen.
Literatur
ADB 32; Die Wacht am Rhein, Das dt. Volks- u. Soldatenlied d. J. 1870, hg. v. G. Scherer u. F. Lipperheide, 1871 (Qu, P); W. Lang, in: ders., Von u. aus Schwaben, H. 6, 1890, S. 1-38; H. Weigle, Rede gehalten b. d. Beisetzung d. Gebeine M. S.s am 18. Juli 1886, hg. v. N. Weigle, 1907; M. Friedländer, Die Wacht am Rhein, in: Dt. Kdsch. 195, 1923, S. 205-10; Feier d. Enthüllung e. Gedenktafel f. M. S. an seinem Geb.haus in Thalheim am 29.5.1927, hg. v. Denkmal- u. Heimatpflegeausschuß f. d. Bez. Tuttlingen, 1927 (P); G. M. Rogati, Carl Wilhelm, Der Komp. d. „Wacht am Rhein“, 1932; K. Hofmann-Heidelberg, M. S. u. seine „Wacht am Rhein“, Gesch. e. dt. Volks- u. Vaterlandsliedes, 1940 (P); H. J. Hansen, Heil Dir im Siegerkranz, Die Hymnen d. Deutschen, 1978; W. Moßmann u. P. Schleuning, Alte u. neue Lieder, Entstehung u. Gebrauch, Texte u. Noten, 1978, S. 17-48 (P); M.-L. v. Plessen (Hg.), Marianne u. Germania 1789-1889, Ausst.kat. Berlin 1996; Brümmer; HBLS; Killy; Kosch, Lit.-Lex.3; |
Nachlass
Nachlass: Tuttlingen, Fruchtkasten; HStA Stuttgart (P); – P. Sauer, Nachlaß M. S. (1819-1849), 1984.
Portraits
Denkmal, 1886 (Friedhof Talheim); Denkmal v. A. Jahn, 1892 (Tuttlingen, 1918 zerstört); Denkmal v. F. v. Grävenitz, um 1940 (ebd.); Relieftafel am Niederwalddenkmal nach Entwurf v. J. Schilling, 1883 (1918 zerstört); Gedenktafel am Geb.haus in Talheim v. K. Schaal nach Entwurf v. N. N. Reinert, 1927.
Autor
Stefan Jordan
Empfohlene Zitierweise
Jordan, Stefan, „Schneckenburger, Max“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 279-280 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116819073.html".

Soweit die Neue Deutsche Biografie über Max Schneckenburger.
Hier nun aus Wikipedia
"Die Wacht am Rhein"
Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
    wie Schwertgeklirr und Wogenprall:
    Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein!
    Wer will des Stromes Hüter sein?
Refrain
Lieb Vaterland magst ruhig sein,
    lieb Vaterland magst ruhig sein:
    Fest steht und treu die Wacht,
    die Wacht am Rhein!
    Fest steht und treu die Wacht,
    die Wacht am Rhein!
2.  Durch Hunderttausend zuckt es schnell,
     und aller Augen blitzen hell;
     der Deutsche, bieder, fromm und stark,    (Variante: der deutsche Jüngling, fromm     und stark)
     beschützt die heil'ge Landesmark.
Refrain
3.  Er blickt hinauf in Himmelsau'n,
    da Heldenväter niederschau'n,
    und schwört mit stolzer Kampfeslust:
    Du Rhein bleibst deutsch wie meine Brust!
Refrain
4.  Solang ein Tropfen Blut noch glüht,
    noch eine Faust den Degen zieht,
    und noch ein Arm die Büchse spannt,
    betritt kein Feind hier deinen Strand!
Refrain
5.  Der Schwur erschallt, die Woge rinnt
    die Fahnen flattern hoch im Wind:
    Am Rhein, am Rhein, am deutschen Rhein
    wir alle wollen Hüter sein.
Refrain
Zwischen der 4. und 5. bzw der 3. und 4. Strophe wird in manchen Publikationen folgende Strophe eingeschoben, die zumindest schon 1870 nachweisbar ist:
Und ob mein Herz im Tode bricht,
    wirst du doch drum ein Welscher nicht.
    Reich, wie an Wasser deine Flut,
    ist Deutschland ja an Heldenblut!
Auf Kriegspostkarten des Ersten Weltkrieges wird auch die nachfolgende 7. Strophe verbreitet:
So führe uns, du bist bewährt;
    In Gottvertrau'n greif' zu dem Schwert,
    Hoch Wilhelm! Nieder mit der Brut!
    Und tilg' die Schmach mit Feindesblut!
Als Sprichwort bedeutet, jemand „die Wacht am Rhein singen“ oder „die Wacht ansagen“, jemandem eine Warnung auszusprechen bzw. ein Ultimatum zu setzen.