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„Es hat mich an die DDR erinnert!“

Interview mit dem AfD-Sprecher von Münster

Martin Schiller ist Sprecher und Gründungsmitglied des AfD-Kreisverbands Münster in NRW. Er wuchs in der DDR auf, war dort nach einem Fluchtversuch inhaftiert und weiß, wie es ist in einem Land zu leben, das einen als Mensch nur akzeptiert, wenn man gehorsam den Vorgaben folgt, offensichtliche Missstände ausblendet und Lügen als Wahrheit akzeptiert. 1989 angekommen im Westen wähnte er sich in Freiheit. Heute erlebt er, wie auch hier eine Gesinnungs- und Meinungsdiktatur Fuß fasst.

Am 19. September besetzten linke Schreihälse zum wiederholten Mal das Rathaus in Münster, um die Ratsmitglieder durch Drohungen und Bedrängen vor dem Sitzungssaal in ihrer Stimmabgabe zu beeinflussen. Vorwiegend junge Leute, indoktriniert von linker Ideologie, machten den Weg zum Saal zu einem Spießrutenlauf für Martin Schiller.

Der AfD-Ratsherr suchte das Gespräch mit den verblendeten Leuten. Im PI-NEWS-Interview nimmt er Stellung zu dem Vorfall, erklärt seine Meinung dazu, wie so etwas in einem freien Land passieren kann und sieht unverkennbar Parallelen zur DDR.

PI-NEWS: Herr Schiller, was haben Sie empfunden, als Sie am 19. September die Treppe des Rathauses Münster hochgegangen sind und die jungen Leute skandiert haben: „Ganz Münster hasst die AfD!“ Geht so etwas an Ihnen spurlos vorüber?

Martin Schiller: Mein erstes Gefühl war – jetzt machen die das schon wieder. Das letzte Mal war am 31. Januar so eine Demonstration. Da ging es um die Errichtung einer zentralen Ausländerbehörde – das wurde ganz knapp mit 34 zu 35 Stimmen abgelehnt. Auch da gab es so einen Spießrutenlauf – gleiche Situation. Das ist ein großes Problem. Hier werden Ratsmitglieder vor dem Rathausfestsaal bedroht und bedrängt, so in der Ausübung ihres Mandats insofern behindert, als sie dann wohl nicht mehr frei entscheiden. Ich habe dazu auch auf meiner Facebook-Seite einen recht ausführlichen Bericht geschrieben.

Mein zweiter Gedanke war: Ich überlasse denen nicht Deutschland! Für mich ist aber auch ganz wichtig, dass die linken Demonstranten wissen, dass ich mich von Ihnen nicht einschüchtern lasse. So kam spontan der Gedanke: „Ich spreche die jetzt einfach mal an.“

Ich bin seit April 2013 in der AfD und inzwischen einiges gewohnt. Nehmen Sie die Attacken auf unsere Infostände oder das Spießrutenlauf auf Parteitagen. Aber dass diese Taktik nun auch auf andere Ratsmitglieder angewendet wird, um politische Ziele durchzusetzen, halte ich für einen Tabubruch.

Einer der Schreihälse auf der Treppe berief sich dabei auf Kant, der etwas zu Flüchtlingen geschrieben haben soll.

Es gibt eine Abhandlung von Kant, die heißt „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“. Ich glaube aber, Kant würde es als unmoralisch brandmarken, wenn einer sich damit brüstet, Helfer zu spielen, um sozial anerkannt zu werden. Auch glaube ich nicht, dass es im Sinne von Kant wäre, wenn jemand unter Vortäuschung falscher Tatsachen in ein fremdes Land geht und ein Recht beansprucht, das ihm nicht zusteht. Die hohe Zahl abgelehnter Asylanträge sind ja ein Beleg dafür, dass das Asylrecht als Einwanderungsmöglichkeit missbraucht wird. Auch werden die sogenannten Flüchtlinge ihrer Verantwortung dem eigenen Land gegenüber nicht gerecht.

Seitens der Linken wird der AfD immer wieder vorgehalten, sie würde Hass sähen. Gleichzeitig schreien diese jungen Leute auf der Treppe voller Inbrunst, „ganz Münster hasst die AfD“. Wie passt das zusammen?

Ja, das passt natürlich überhaupt nicht zusammen. Auf der einen Seite stellen sie sich mit Liebe, Multikulti, bunt und tolerant und all diesen Schlagworten dar, mit denen sie sich selbst als Gutmenschen auf ein überhöhtes Podest hieven. Aber sobald mal jemand anderer Meinung ist, wird er niedergebrüllt und es wird ihm mit purem Hass begegnet. Außerdem ist dieses „Ganz Münster hasst die AfD“ auch schon rein rechnerisch falsch, denn immerhin haben uns einige Tausend Menschen gewählt.

Halten Sie es für möglich, dass die AfD diese jungen, verblendeten Menschen noch mit Argumenten erreichen kann?

Ja, beim einen oder anderen sehe ich da schon Möglichkeiten. Gerade wenn vielleicht gewisse Realitäten auch bei ihnen eintreffen. Jeder Mensch ist in der Lage seine Meinung zu ändern. Bei vielen ist da aber natürlich wenig Hoffnung. Doch auch bei denen gilt, dass sich vielleicht mal im unmittelbaren, privaten Lebensumfeld negative Auswirkungen aufgrund Merkels Zuwanderungspolitik ergeben und dann so ein Umdenken stattfindet – also bedingt durch eine schlechte reale Erfahrung. Aber grundsätzlich wird das wohl schwierig.

Wenn man sich das Video anschaut, fragt man sich unweigerlich: Ist so eine Demonstration im Rathaus überhaupt erlaubt?

Grundsätzlich ist das Rathaus ja eine öffentliche Einrichtung, und natürlich kann man sich dort aufhalten. Dass man dort Banner ausrollt, rumschreit, rumkrakeelt, eine Spontandemo macht, das glaube ich, ist nicht erlaubt. Das ist aber ein Problem in Münster. Münster ist in Bezug auf Demokratieverständnis ein failed state. Der Meinungskorridor lässt hier in Münster nur LINKS zu. So macht die politische Linke, was sie will. Da kann man dann eben auch mal das Rathaus besetzen. Die CDU ist schon längst eingeknickt und in der Koalition mit den Grünen gefangen. In Münster sind alle konservativen Werte über Bord gegangen.

Wieso ist der Oberbürgermeister von Münster, Markus Lewe (CDU), eigentlich nicht sofort eingeschritten, als er die schreienden Pöbler auf der Treppe bemerkt hat?

Ja, das ist der eigentliche Skandal, dass Lewe hier nicht räumen, sondern den linken Pöbel gewähren ließ. Dafür fehlen ihm Charakter und Durchsetzungsvermögen. Aber das ist ein allgemeines Problem in Münster. Vor dem linken Spektrum knicken alle ein, der OB, die CDU, die konservativen Kräfte der FDP und auch alle möglichen Wirtschaftsvereinigungen. Die Linken machen in dieser Stadt, was sie wollen. Der Zustand im Rathaus symbolisiert genau das in eindeutiger Weise, wie konservative Kräfte kapituliert haben und, um des lieben Friedens willen, linken Ideologen den politischen Raum kampflos überlassen.

Wie erklären Sie es sich, dass die Grünen in Münster bei der anschließenden Ratssitzung dagegen gestimmt haben, mehr Flüchtlinge aufzunehmen?

Nun ja, es ist in Münster so, dass seit einigen Jahren die CDU hier mit den Grünen regiert. Manchmal hat man das Gefühl, dass die CDU über jedes Stöckchen springt, das die Grünen ihr hinhält. Es gab hier schon die eine oder andere Ratsentscheidung, wo die Grünen die CDU regelrecht vorgeführt haben, und eigentlich hätte die CDU schon längst hinschmeißen müssen. Aber die CDU ist machtverliebt, und die Grünen sind gestaltungsverliebt und wollen indoktrinieren und ihr Ding weiter durchziehen. In diesem Fall mussten die Grünen auch einmal eine Kröte schlucken, denn eigentlich sind sie ja programmatisch für Aufnahme ohne Ende. Wenn man sich genau anschaut, was da letztendlich nun entschieden wurde, dann liest es sich doch wieder so, dass Münster eigentlich für eine unbegrenzte Aufnahme von Flüchtlingen ist. Insofern alles noch schlimmer, als das, was SPD und Linke gefordert hatten. Letztendlich war der Antrag der Linken und der SPD ja mehr ein Symbolantrag, denn eigentlich bekommen wir diese Flüchtlinge sowieso zugewiesen – ob das einer ist oder eintausend sind, wir müssen sie, vom Land her verpflichtend, aufnehmen. Insofern war das alles nur ein Schmierentheater seitens der Linken und der SPD um die GRÜNEN zu provozieren. Sie müssen wissen, dass die Grünen und die LINKE in Münster ziemlich zerstritten sind.

Sie sind in der DDR aufgewachsen und wurden dort auch nach einem Fluchtversuch inhaftiert. Nun erleben Sie die Bundesrepublik im Jahr 2018, wo Andersdenkende mit Repressalien bedroht und – wie in Ihrem Fall – von indoktrinierten Jugendlichen öffentlich schikaniert werden. Was geht da in Ihnen vor?

Man kann die beiden Gesellschaftssysteme nicht direkt vergleichen, aber ein paar Gemeinsamkeiten, Parallelen sehe ich schon – vor allem was die Behandlung des politischen Gegners angeht. Hier wollen Leute an der Macht bleiben und deren Verhalten ist absolut gleich dem in der DDR. Das beginnt damit, dass der politische Gegner diskriminiert und kriminalisiert wird. Andersdenkende werden sozial ausgegrenzt, während lienentreue mit Wohlstand und Privilegien belohnt werden. Und natürlich der klassische Dreiklang, den es in der DDR auch gab. Dass der Mainstream, also Medien, Kirche und Gewerkschaften bzw. Betriebe im gleichen Kanon über Andersdenkende herfallen.

Im Übrigen hat mich der schmale Meinungskorridor der Linken immer schon gestört, auch in der Zeit, als ich noch „unpolitisch“ war. Es hat mich damals in der DDR wahnsinnig aufgeregt, dass die Linken immer meinten, im Recht zu sein. Das haben die so in ihren Köpfen drin. Sobald man bei den Linken eine andere Meinung hat, ist man „Nazi“. Wenn du in der DDR anderer Meinung warst, dann warst du „rückwärtsgewandt“, vom Westen gekauft oder ein Nazi „wie die da drüben“.

Woran liegt es, dass die heutige Jugend – vor allem in den alten Bundesländern – so links-grün tickt?

Es liegt vor allem daran, dass das linksgrüne Milieu bundesweit die Schulen und die Lehrerzimmer gekapert hat. Lehrer haben nun mal Vorbildfunktion. Das war in der DDR so, das war im Dritten Reich so. Genauso kommen diese indoktrinierten Jugendlichen zustande, egal in welcher Diktatur sie aufwachsen. Wir haben zwar noch keine Diktatur, aber das Kalkül der Grünen geht auf, gerade in Bildungseinrichtungen zu gehen und die Jugendlichen zu beeinflussen. Es wird auch ganz schwer, das aus den Köpfen wieder rauszubekommen.

Welche Rolle spielt dabei die Familie als Keimzelle der Gesellschaft?

Wenn wir starke Familien hätten, die ihre Kinder nicht schon früh in staatliche Betreuung geben müssten, sondern doch ein Elternteil länger zu Hause bliebe, dann hätten die Eltern auch wieder mehr Einfluss auf die Kinder und es würden diese erst einmal als Vorbilder fungieren und nicht irgendwelche links-grünen Lehrer. Insofern machen es sich auch manche Eltern einfach, geben ihre Kinder in staatliche Obhut und wundern sich danach, dass sowas dabei herauskommt. Die AfD in Münster spricht sich bei jeder Gelegenheit gegen die Unterbringung von Kindern unter drei Jahren in Kindertagesstätten aus. Ich halte es für brandgefährlich, wenn der Erziehungsauftrag den Eltern abgenommen wird und Ideologen das dann übernehmen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schiller.

Ich danke auch.
(pi-news.net)

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