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Gefragt

Was hat sich das Lokalblatt dabei gedacht, am 12. April Bericht und Interview zu offensichtlichem Bullshit zu veröffentlichen? Wird inzwischen jeder Sau hinterher gerannt, die jemand durch das Dorf jagt? Hat  in der Tuttlinger Redaktion niemand sich eine sogenannte Unicef-Studie angeschaut, nach der deutsche Jugendliche besonders unzufrieden seien mit ihrem Leben? Obwohl hierzu es anscheinend der Redaktion nicht gelang, entsprechende Aussagen in Tut zu finden, wurde trotzdem drauflos geschrieben? Dass in solchen Fällen es natürlich nicht schwierig ist, einen "Experten" zu finden, welcher Senf zum Würtschen liefert, war naheliegend, in diesem Fall war es "Dieter Meyer von Mutpol", wer wird es das nächste Mal sein? Hätte bei genauem Hinschauen es nicht auffallen müssen, dass es sich bei der statistischen Zahl, um die es ging, laut zeit.de "um ein statistisches Artefakt, eine Nullaussage" handelte? "Denn der einschlägigen Tabelle der Untersuchung kann man entnehmen, dass gar nicht alle Jugendlichen so unzufrieden sind. Es ist nicht einmal eine Mehrheit. Oder ein Drittel, oder ein Viertel. Es sind 15,8 Prozent". Die Daten stammten aus dem Report "Health Behaviour of School Aged Children" (HBSC), der in regelmäßigen Abständen für die Weltgesundheitsorganisation erhoben wird. Eigentlich beziehe sich der Unicef-Report  auf einen Unicef-Hintergrundartikel, der sich seinerseits auf einen wissenschaftlichen Artikel bezieht, der sich wiederum auf den HBSC-Report bezieht. Der Hauptautor des Unicef-Hintergrundartikels heiße Jonathan Bradshaw, ein britischer Experte für Sozialpolitik an der Universität York. Der könne die Kommentare in Deutschland und die  Aufregung nicht recht nachvollziehen. Der "Absturz" um 16 Ranglistenplätze sehe nach viel aus, aber eigentlich sei er "statistisch nicht relevant". Wenn die Länder so nah beieinanderlägen, sagten 2i, 3 Prozentpunkt nicht viel aus. Eigentlich könne Deutschland danach auch auf Platz 14 stehen oder auf Platz 5.  Auf Platz 5 liege Deutschland übrigens, wenn die Jugendlichen im HBSC-Report konkret nach ihrer Zufriedenheit mit ihrer Familie, den Freunden oder der Schule gefragt werden. Was also hat sich das Lokalblatt bei seiner Veröffentlichung gedacht? Wie kriegen wir bloß wieder ein Blatt Altpapier voll, um mit Chefredakteur und Sonne um die Wette zu strahlen und das Niveau möglichst flach zu halten?