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Hessens oberster Opportunist: Bouffier (CDU)

AfD-Vertreter als "Brandstifter im karierten Sakko" bezeichnet
Von WOLFGANG HÜBNER
Die so stark nach links gerutschte FAZ kann sich vor Begeisterung kaum fassen: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat auf dem Landesparteitag seiner CDU „in bisher unbekannter Schärfe“ die AfD angegriffen und ihre Vertreter, oft ehemalige CDU-Mitglieder, als „Brandstifter im karierten Sakko“ bezeichnet. Ob das bei der Landtagswahl Ende Oktober in Hessen etwas bewirken wird, kann nach den jüngsten Umfragen mehr denn je bezweifelt werden. Nicht zu bezweifeln ist hingegen, dass Bouffier ein politischer Opportunist ist, der nur ein Ziel kennt: Um jeden Preis an der Macht und im Amt zu bleiben.
Bekanntlich regiert der CDU-Politiker an der Spitze einer Koalition von CDU und Grünen. Das würde er auch sehr gerne weiterhin tun, doch die guten Umfrageergebnisse der AfD verheißen nichts Gutes für die gewünschte Fortführung dieser Koalition, die nach dem Wahltag entweder die FDP als dritten Partner benötigen wird oder die CDU zwingen könnte, mit der maroden SPD eine Koalition einzugehen, die weder groß noch sexy wäre. Also prügelt der ehemalige Grünen-Fresser Bouffier wild auf die AfD ein, um mit dem Mittel der Verteufelung und Diskriminierung doch noch zum Wunschergebnis zu gelangen.
Der Verfasser dieses Textes erinnert sich in dieser Situation an einen Abend in Frankfurt des Spätherbstes im Jahr 1998: Da war er Besucher einer CDU-Veranstaltung, in der ein pessimistischer, sichtlich ratloser Politiker namens Volker Bouffier, Mitglied im Landesvorstand der Hessen-CDU, die nicht allzu zahlreich erschienenen Mitglieder und Anhänger seiner Partei auf die drohende Niederlage bei der kommenden Landtagswahl im Februar 1999 einzustimmen suchte. Obwohl weder CDU-Mitglied noch überzeugter CDU-Wähler, meldete ich mich damals zu Wort und schlug vor, die Ablehnung der von der neuen rot-grünen Bundesregierung beabsichtigten generellen doppelten Staatsbürgerschaft im Wahlkampf zum Thema zu machen.
Weder Bouffier noch sein Landesvorsitzender Roland Koch waren offenbar auf diese seinerzeit eigentlich ziemlich naheliegende, aber auch waghalsige Idee gekommen. Der heutige Ministerpräsident notierte sich nach meinem Beitrag etwas auf seinem Schreibblock, was auch immer. Was dann kam, ist jedenfalls bekannt: Koch startete im Wahlkampf die heftig vom linken Spektrum angefeindete Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft und gewann mit der CDU sensationell die Wahl gegen den Amtsinhaber Hans Eichel und die SPD. Bouffier wurde langjähriger Innenminister und 2010 auch Nachfolger Kochs. Er war neben Koch der große Profiteur einer Kampagne, von der er heute sicherlich nichts mehr wissen möchte.
Ich hätte meinen bescheidenen Anteil am CDU-Wahlsieg 1999 gewiss schmunzelnd für mich behalten, wenn Bouffier sich nicht in solch diffamierender und bösartiger Weise über eine konkurrierende Partei äußern würde, die heute nichts anderes tut als das, was die CDU einst tat, um zum Wahlsieg zu kommen. Es dürfte aber einen wesentlichen Unterschied zwischen den durchweg honorigen Landtagskandidaten der AfD, die sich fortlaufend gegen Proteste, Drohungen und auch Gewalttätigkeiten wehren müssen, und Bouffier geben: Dieser hängt sein politisches Fähnchen nach dem Wind – mal Unterschriften gegen doppelte Staatsbürgerschaft, mal im kuscheligen Koalitionsbett mit den größten Anhängern derselben.
Wer in Hessen demnächst wählen geht, sollte wissen, wer sich ihm da als Retter vor der baldigen Machtergreifung der AfD präsentiert. Volker Bouffier ist in dieser Heldenrolle jedenfalls eine mehr als fragwürdige Besetzung. Und das weiß übrigens niemand besser als er selbst.
(pi-news.net)