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Gesagt

Es zeigte sich, dass eine ganze Generation in Deutschland mit dem Geschenk eines freien Privatlebens nichts anzufangen wusste. Ungefähr zwanzig Jahrgänge junger und jüngster Deutscher waren daran gewöhnt worden, ihren ganzen Lebensinhalt, allen Stoff für tiefere Emotionen, für Liebe und Hass, Jubel und Trauer, aber auch alle Sensationen und jeden Nervenkitzel sozusagen gratis aus der öffentlichen Sphäre geliefert zu bekommen … So empfanden sie das Aufhören der öffentlichen Spannung und die Wiederkehr der privaten Freiheit nicht als Geschenk, sondern als Beraubung … Und sie warteten schließlich geradezu gierig auf die erste Störung … um die ganze Friedenszeit zu liquidieren und neue kollektive Abenteuer zu starten.
(Sebastian Haffner, "Geschichte eines Deutschen - Die Erinnerungen 1914-1933)

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