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Gleichgeschaltete empört über „Gleichschaltung“

Äußerung des neuen JU-Chefs sorgt für Schnappatmung

Von WOLFGANG HÜBNER

Es gibt Wörter und Begriffe in der deutschen Sprache, deren Gebrauch nur unter bestimmten Voraussetzungen und seitens auserwählter Personen erlaubt sein soll. Denn solche Wörter und Begriffe werden mit der Nazi-Herrschaft in Zusammenhang gebracht. Der Begriff „Gleichschaltung“ gehört dazu.

Zwar haben die Nazis fast alle Bereiche des politischen und gesellschaftlichen Lebens während ihrer Herrschaft unter ihre Kontrolle gebracht, also „gleichgeschaltet“. Doch dass sie das taten, also „gleichgeschaltet“ haben, behaupteten nicht Hitler und seine Kumpanen, sondern das ist eine Wertung ihrer Nachwelt in Deutschland.

Diese Nachwelt hat allerdings so lange überhaupt kein Problem mit dem Begriff „Gleichschaltung“, so lange damit zum Beispiel die Verhältnisse in Putins Russland oder Orbans Ungarn angesprochen werden. Wenn aber ein neuer Vorsitzender der Jungen Union diesen Begriff benutzt, um das geistige und politische Klima der CDU in der Merkel-Ära zu beschreiben, gibt es einen empörten Aufschrei der Gleichgeschalteten.

Julia Klöckner empört über Begriff „Gleichschaltung“
Mit von der Partie sind natürlich die Drei vom Parteienkartell, also SPD, Grüne und Linke. Aber die wittern bekanntlich noch im Wort „Kartoffel“ eine faschistische Speisekarte. Interessanter ist da schon die Empörung in CDU-Kreisen.

Aber wer will auch schon das hören, was die Wahrheit ist, aber nicht gesagt werden soll? Deshalb reagiert die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner mit folgenden Worten: „Gleichschaltung gibt es in Systemen, in denen wir als Demokraten zum Glück nicht leben“.

Daraus ist zu schließen, dass bei Klöckner die Gleichschaltung der Merkel-Ära hundertprozentig erfolgreich funktioniert: Denn die ehemalige Weinkönigin ist so gleichgeschaltet, dass sie weder ihre eigene Gleichschaltung noch diejenige der Medien, der Kultur und der nur von der AfD unziemlich gestörten politischen Klasse wahrnehmen kann.

Die Aufregung um den neuen Vorsitzenden der Jungen Union, Tilman Kuban, der schon bald mit einem hochdotierten Mandat im Europaparlament ruhiggestellt werden wird, ist nicht nur deshalb so groß, weil der gebrauchte Begriff irgendwie „Nazi“ ist. Vielmehr beschreibt das Wort „Gleichschaltung“ sehr genau die Situation in Merkels „marktgerechter Demokratie“, in der es zu allen Entscheidungen der Kanzlerin und des Machtkartells keine Alternative als „Populismus“, „Pöbel“ und „Dunkeldeutschland“ geben soll. Und was die Situation in Deutschland 2019 noch totalitärer macht, ist die Gleichschaltung des gesamten subventionierten Kulturbetriebs, der steuerhungrigen Amtskirchen und unzähliger Institutionen.

Massenhafte freiwillige Gleichschaltung in Deutschland
Keine westliche parlamentarische Demokratie hat ein solches Ausmaß der Gleichschaltung erreicht wie Deutschland: Wer hier nicht gegen Trump, gegen den Brexit, gegen Putin, gegen Orban oder gegen die AfD ist, der gilt als Besorgnis erregender Problemfall im Land der Gleichgeschalteten. Und da das Millionen Deutschen, die für sich eigentlich ausgeprägten Individualismus in Anspruch nehmen, zu konflikthaft, unbequem, ja gefährlich erscheint, schalten sie sich lieber selbst gleich, um im Heer der Gleichgeschalteten nicht aufzufallen oder als Nicht-Gleichgeschaltete irgendwelche Nachteile riskieren zu müssen.

So sehr viel anders dürfte das auch in den Jahren der Nazi-Herrschaft nicht gewesen sein. Nur waren der Druck und die Repressionen damals größer, die Folgen dramatischer. Ähnlich war es auch in der DDR. Doch beide deutsche Diktaturen verstanden sich bekanntlich nicht als freiheitliche Demokratien mit grundgesetzlich garantierten Rechten.

Die Zustände in dem Staat, in dem wir zumindest zum Glück von Frau Klöckner leben, sind gerade deshalb so erbärmlich, weil es eine massenhafte freiwillige Gleichschaltung gibt. Darauf wollte der junge CDU-Politiker zwar nicht hinweisen mit seiner Kritik an der innerparteilichen Gleichschaltung. Doch er hat damit direkt ins Schwarze der verwahrlosten Republik getroffen.
(pi-news.net)

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