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Good Bye, Oberamt!

Wenden und Drehen wie im Schlaf: Spaichingen

(tutut) - Der Film heißt "Good Bye, Lenin!". Er verbindet Familien- und Zeitgeschichte miteinander und erzählt von einer Frau in der DDR, die im Koma die Wende verschläft und von ihrem Sohn, der ihr, um sie zu schonen, nach dem Erwachen vorgaukelt, sie lebe nach wie vor in der DDR. Das ist sehr komisch, weil es gar nicht komisch ist. Denn genauso komisch geht's überall zu in diesem unseren Lande.

So könnte der Film auch heißen "Good bye, Oberamt Spaichingen!" Ist es denn überhaupt weg? "Good Bye Landkreis Spaichingen!" Hat jemand vermisst, was weg ist? Was ist denn Schein, was Sein, spielen sich die Menschen nicht täglich eine Wirklichkeit vor und sind's zufrieden? Bis der Moment kommt, da Schluss ist mit dem Tanz und es nach Hause in die Realität geht.

Glück dem, der sie in der Gegenwart findet. Immer mehr aber sind mit der Vergangenheit zufrieden. Es war schon immer so. Und Lust auf Zukunft haben wir außerdem. Um das bisschen Gegenwart kümmern sich ja schon andere. Dort ein- und mitzumischen, empfiehlt sich nicht, wie die Dinge gerade laufen. Und sie laufen gerade immer so.

Ob sie etwa falsch laufen, kann ja nur die Zukunft zeigen. Wer weiß das heute schon. Heute ist man auch schlauer über das, was gestern war. Nur nicht darüber reden. Schwamm darüber! Da kann man nichts machen.

Mit der Entfernung verblasst die Erinnerung. Schön war's, damals. In meinem Verein. In meiner Partei. Sie waren das Größte. Da war ich der Größte. Oder fast. Das Leben war Mühe und Arbeit. Fehlt noch was? Nicht alles ist möglich. Umgehungsstraße, vielleicht? Was wisst denn Ihr! Wer was tut, macht Fehler. Wer nichts tut, das ist auch ein Fehler. Frühe Ehrung kann heute nicht falsch sein? Manchmal nagt auch Zweifel an Denkmälern. Ist's meist aber der Kalk, der rieselt.

Es ist nicht immer das Volk, welches sich wendet. Viele Menschen drehen und wenden sich wie im Schlaf. Links. Rechts. Links. Ist eine deutsche Spezialität. Bloß nicht wecken! Schlafen ist einfacher als wachen. In meinem Verein. In meiner Partei. Wozu gibt's Museen? Wer die Freiheit dorthin schafft, wer dort Skispringen nachübt, er wird auch die Partei dort abgeben können. Muss ja nicht an der Garderobe sein. Für eine Dreh- und Wendepartei wie die CDU wird sich auch ein Zimmerchen finden. Außerdem gibt's Überlebende. Sagen sie. Noch ist es Zeit, sich die eigene Geschichte zusammenzusuchen, bevor es Gedenkvereine mit eigensinnigen Historiengemälden tun. Am Schluss erkennt noch der Spaichinger Spaichingen nicht wieder.

Nomalerweise muckt der auf, geht zu Königs, wenn ihm was genommen wird, was er gar nicht hat. War das ein Skandal damals, als das Königreich entdeckte, dass die Oberamtsstadt keine war. Da Ruhe des Untertanen erste Pflicht ist, geruhte Majestät, die Stadt im Glanz des Oberamts leuchten zu lassen. Der Obrigkeit sollte dies nie und nimmer schaden. Ob König, Kaiser, Bettelmann, Führer und Verführte sowie Kanzleristen: Der Spaichinger Kreisel drehte sich mit.

Kann denn schlimm sein, wenn einer von einer Partei in eine andere tritt, um vorne dabei sein zu können? Und dann wieder in die nächste. Rechts-links-rechts. Lebte er noch, wäre wieder links dran. Hat's seiner Ehre und Ehrungen geschadet? Hat's der Stadt geschadet? Geburtsage sind eine tolle Sache! Je mehr davon, desto länger das Leben.  "Ein kleiner Teil des Lebens nur ist wahres Leben; der ganze übrige Teil ist nicht Leben, ist
bloße Zeit", sagt ein antiker Dichter. Zeit zum Nachdenken über das Leben im Wendekreis der Politik.  "Good Bye, CDU!" Wo sind die  "Werte" geblieben auf dem Weg von konservativ rechts bis linksradikal? Macht allein ist kein Wert. Aber der einzige,  der wohl zählt.

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