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Gut und böse

"Bildung" von D. Schwanitz beschreibt  vor 20 Jahren das Heute

(tutut) - Vor 15 Jahren starb Dietrich Schwanitz (64)  im südbadischen Hartheim  im Gasthaus "Salmen", das er drei Jahre zuvor gekauft hatte. Der in Nordrhein-Westfaen geborene Anglist, Literaturwissenschaftler und Buchautor hatte in Freiburg promoviert und lehrte in Mannheim und ab 1978 in Hamburg, wo er 1997 krankheitshalber in Frühpension ging. Nach Bestsellern wie dem Roman "Der Campus" und der Krimikomödie "Der Zirkel" wurde sein Versuch "Bildung - Alles was man wissen muss" 1999 in ein Buch zu packen, ebenfalls ein Erfolg. Die ZEIT schrieb damals: "Die gesamte europäische Kultur in einem einzigen dicken Band: eine Frechheit, ein Vergnügen und eine längst fällige Provokation". Bundespräsident a.D. Roman Herzog erinnerte: "Wissen ist heute die wichtigste Ressource in unserem rohstoffarmen Land. Wissen können wir aber nur durch Bioldung erschließen ... Es geht darum, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und allen ein breites Grundwissen zu vermitteln".

Herzog war auch mal Kultusminister in Baden-Württemberg. Wer heute Lehrer und Schüler erlebt, die gemeinsam schwänzen, um hysterisch des Klima wegens zu schwänzen, sieht, wie das einst zu den Gipfelländern der Bildung gehörende Baden-Württemberg unter den Grünen mit Hilfe erst der SPD und jetzt der CDU abgestürzt ist.

Schwanitz hat bereits 1999 beschreben, was nun in ganz Deutschland Realität ist und das Land in den Untergang führt. Zu "Feminismus und Multiultiralismus" stellt er fest, dass der Mann als Grundmodell des Menschen betrachtet werde und die Frau als Abweichung. Entsprechend habe die abendländische Kultur sowohl die anderen Kulturen symbolisch enteignet als auch die Kultur der Weiblichkeit kolonisiert. Folge: "Von dieser Warte aus parallelisieren Feministinnen nun die Kultur der Femininität mit den Kulturen von Dritte-Welt-Ländern und stilisieren sich selbst als kulturelle Minderheit. Ihre Revolte besteht deshalb aus einer Eroberung der Diskurse durch Symbolpolitk". Dabei zwängen sie die Gesellschaft, sich nach einer neuen feministischen Etikette zu richten. Vor allem würden häßliche diskriminierende feministische Ausdrücke durch eine Art semantisches Lourdes geheilt und in schöne Ausdrücke verwandelt; "man sagt nicht mehr 'klein', sondern 'vertikal herausgefordert', nicht mehr 'doof', sondern anders begabt. Außerdem wird Gleichberechtigung der Geschlechter hergestellt. Neben den Killer tritt die Killerin".

Der Sozialismus sei also nach seinem Zusammenbruch von einem Kulturalismus beerbt worden, der Diskustheorie, Dekonstruktion und Feminismus gleichermaßen kennzeichnet. Schwanitz: "Der Marxismus arbeitete noch mit einer Relativierung des Gegners durch den Nachweis von dessen falschem Bewusstsein. Die kulturalistischen Theorien dagegen sind schon ihre eigenen Programme. Da sie von den Symbolsystemen als verkappten Herrschaftsinstrumenten handeln, geht es ihnen um die Eroberung der Diskurse durch eine Form der moralischen Nötigung. Dem kommt entgegen, dass die alte Linke mit ihrem geschichtsphilosophishenen  Kriterium für die Unterscheidung zwischen sich selbst und ihren Gegnern verloren hat", also zwischen Progressiven und Reaktionären, sondern nun zwischen Guten und Bösen differenziere.

Das führe zur Moralisierung des Meinungsmarktes durch semantische Schaukämpfe und Kampagnen: "Ein falsches Wort in der Öffentlichkeit, und schon bist du reif für die Vorführung vor dem Wohlfahrtsausschuss. Das Rauschen der Diskurse wird wird begleitet von den Verhören der Ketzerprozesse und den Bußpredigten der Priester, die die eine wahre Anschuldigungsindustrie unterhalten. , um die Altäre der politischen Korrektheit mit dem Blut der Schlachtopfer rotzufärben".

Lässt sich besser und aktueller beschreiben, was dieses Land täglich umtreibt und Deutschand abschafft? Dietrich Schwanitz hat es schon 1999 getan! Sein Wälzer "Bildung" liefert das nötige Wissen, um zu erkennen, was faul ist im Staate. Deshalb können Linksgrünradikale nicht an einem gebildeten Volk mit Wissen interessert sein. Macht braucht keine Bildung, Gewalt genügt. Schwanitz: "Der Meinungsmarkt ist selbst ein Schlachtfeld geworden. Man kann falsch und richtig liegen,man muss also vorsichtig sein. Zur Orientierung gibt es beleuchtete Warnschilder mit Aufschriften wie 'Faschistisch. Betreten verboten -Lebensgefahr'; 'Machistisch. Betreten auf eigene Gefahr. Söhne haften für ihre Väter'; 'Achtung! Schlechte Wegstrecke. Eurozentrisch. Logozentrisch. Phallokratisch'; 'Vorsicht, elitär'; 'Biologistisch. Schleudergefahr'".

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